Sport : Präsident auf Abwegen

Warum sich Hagen Stamm einen anderen Wasserball-Meister wünscht als Spandau 04

Hartmut Moheit

Berlin - Wie motiviert ein Trainer sein Team? Zum Beispiel eines, das in der Bundesliga wegen notorischer Überlegenheit vor dem nächsten Sieg in zweistelliger Höhe steht? Peter Röhle von den Wasserfreunden Spandau 04 ist etwas eingefallen: „Ich habe zwei Teams gebildet, die ich jeweils zwei Viertel eingesetzt habe. Am Ende gab es eine separate Wertung, und jeder Spieler der unterlegenen Mannschaft musste zwei Euro in unsere China-Kasse einzahlen.“ Für September ist ein Trainingslager der Spandauer in Shanghai geplant – mit Selbstbeteiligung.

Und tatsächlich, das 27:6 des Wasserball-Rekordmeisters am vergangenen Samstag gegen Bochum fand kaum Beachtung, aber dass die B-Mannschaft das A-Team nach großem Kampf sogar mit 14:13 bezwungen hatte, darüber wurde noch lange diskutiert. Dass die Wasserfreunde nach 17 Spielen mit 34:0-Punkten in der Tabelle dastehen würden, daran zweifelte zuvor ohnehin keiner.

Ausgerechnet aber Spandaus Präsident Hagen Stamm passt diese Überlegenheit seiner Mannschaft nicht. „Als Bundestrainer muss ich schon über den Tellerrand sehen“, sagt er. „Spandau 04, unsere Vorzeigemannschaft im internationalen Klub-Wasserball, ist immerhin in der Euroleague früh ausgeschieden.“ Während Röhle nun versucht, Spandau 04 für die Meisterschaft und die nationale Pokalendrunde zu motivieren, macht sich Stamm eher große Sorgen um die Nationalmannschaft. „Spandau hat sieben Nationalspieler und Cannstatt auch, da darf es keine einseitige Meisterschaft geben“, kritisiert Stamm. Ein schwaches Feld im Titelkampf schwächt die Nationalmannschaft.

Seit dem fünften Platz bei Olympia in Athen haben die deutschen Wasserballer ihren wiedererlangten, sehr guten Ruf zu verteidigen. Sie dürfen in der World League spielen, die in mehreren Turnieren ausgetragen wird. Dem Deutschen Schwimmverband ist die Teilnahme 20 000 Dollar Antrittsgeld wert. Gegen Serbien-Montenegro, Kroatien, Italien, Rumänien, Brasilien und die USA geht es um sehr viel. „Wenn wir nicht das Viertelfinale im Juli in Toronto oder New York erreichen, gerät die gesamte WM-Vorbereitung durcheinander“, sagt Stamm. Die WM beginnt am 17. Juli in Montreal. So wären die Deutschen bereits auf dem amerikanischen Kontinent und der Verband könnte Reisekosten sparen.

Dafür, unter anderem beim World-League-Turnier vom 23. bis 26. Juni in Stuttgart, muss sich der Bundestrainer auf in der Ersten Liga gestählte Spieler verlassen können. „Ich hoffe, dass in der Play-off-Runde noch der große Kampf entbrennt“, sagt Stamm. Sicher ist, dass ihm der Spandauer Jens Pohlmann danach nicht zur Verfügung stehen wird. „Im Jahr nach Olympia will ich mein Studium voranbringen. Mit 27 Jahren muss ich an meine Zukunft denken“, sagt der Germanistik- und Philosophie-Student: „Natürlich hätte mich die WM in Kanada gereizt, aber was ist mir wichtiger?“

Die Meisterschaft ist für Jens Pohlmann deshalb zum Jahreshöhepunkt geworden. Ihm bleibt nichts anderes, als die sieben Spandauer Nationalspieler mit seinen Leistungen anzustacheln. Gegen Bochum gehörte er zu denen, die kämpften, aber letztlich zwei Euro loswurden.

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