Sport : Präsidenten-Party in der Wüste

Christoph Link

Die Straßen der Hauptstadt sind gesäubert, die Bettler verschwunden und im neuen Stadion von Bamako glänzt der Rasen grün. Alles ist bereit für das große Fußballspektakel, das morgen mit dem Spiel des Gastgeberlandes gegen Liberia beginnt. Doch werden die Menschen aus Mali auch zum Afrika-Cup kommen? Zwar liegt der Eintrittspreis unter einem Dollar. In dem westafrikanischen Land, in das in diesen Tagen auch Bundespräsident Johannes Rau reist, liegt auch das Durchschnittseinkommen pro Kopf und Tag unter einem Dollar. Mali gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Viele der zehn Millionen Malier suchen ihr Heil deshalb als Gastarbeiter in den Nachbarstaaten Senegal oder Elfenbeinküste - als Tagelöhner, Wäscher oder Landarbeiter.

Trotzdem richtet Mali die kontinentale Fußballmeisterschaft aus. Der seit elf Jahren regierende Präsident Alpha Oumar Konaré hat den 23. Afrika-Cup zu seiner Herzenssache erklärt und dem Volk versprochen, dass das drei Wochen dauernde Fußballfest eine schöne Party wird. Die Eröffnung werde eine Feier, "wie sie Afrika nie gesehen hat". Doch das Spiel ist riskant. Die Kosten des Turniers belaufen sich auf rund 150 Millionen Dollar, das Doppelte des veranschlagten Etats. Darin enthalten ist das neue Stadion in Bamako mit 50 000 Plätzen. Es wurde von Chinesen gebaut. Von China hat Mali auch einen Kredit von 90 Millionen Dollar bekommen.

"Bildung statt Fußball!"

Die Diskrepanz zwischen Armut und teurem Sport hat die Spannungen in dem Wüstenland am Niger erhöht. Schon drohen die Gewerkschaften, die Polizei und die Studenten mit Streiks. Man habe weder Uniformen noch Waffen, behaupten Polizeisprecher. Die Studenten fordern bei Demonstrationen "Bildung statt Fußball!". Die afrikanischen Fußballstars, die fast alle gutes Geld in europäischen Ligen verdienen, werden davon nichts mitbekommen. Die 16 besten Nationalteams Afrikas messen sich in vier Gruppen samt Viertel-, Halbfinale und Endspiel. Insgesamt fünf Spielstätten sind für den Cup vorbereitet worden, doch eines, das Stadion von Kayes, ist wegen schlechter Straßen mit dem Auto nicht erreichbar. Spieler und Fans werden hingeflogen. Derweil sind die Hoteliers auf den Ansturm aus dem Ausland nicht vorbereitet. Ihre Betten hätten sie zwei- bis dreimal loswerden können.

Mit einer großangelegten Aktion hat die Verwaltung von Bamako die Stadt herausgeputzt. "Wir sind ein armes Land, aber wir müssen zeigen, dass wir sauber sind", hatte der Präsident erklärt, und die Besen wurden geschwungen. Schon Ende vergangenen Jahres hatte Bamakos Gouverneur Tausende von Bettlern und fliegenden Händlern aus der Stadt vertreiben lassen, zum Missfallen der islamischen Gemeinde. Die Behörden wollten vortäuschen, dass Mali nicht arm sei und keine Bettler habe, meinte der Imam Mamoud Dicko. "Es wäre besser, die Leute die sich beim Afrika-Cup amüsieren, würden die Realität und das Elend sehen."

Magier unerwünscht

Stattdessen werden sie Weltklassefußball sehen. Unter den 16 Teams sind die fünf afrikanischen Mannschaften, die sich für die WM in Japan und Korea qualifiziert haben: Allen voran Kamerun, das von Winfried Schäfer trainiert wird. Außerdem Nigeria, Südafrika, Senegal und Tunesien. Um die Freistellung der Spieler gab es das übliche Gerangel zwischen den Ländern und den europäischen Klubs. Aber auch in den Nationalmannschaften selbst gab es in den letzten Tagen noch Aufruhr: Liberias Elf trat in den Streik, da ihr die von der Regierung bezahlte Prämie von 4000 US-Dollar zu gering erschien. Die Spieler forderten das vierfache. Erst nachdem Liberias Präsident, der frühere Bürgerkriegsherr Charles Taylor, zum Telefon griff, auf die angespannte Haushaltslage nach sieben Jahren Krieg hinwies und einen Kompromiss von 6500 Dollar versprach, nahmen die Liberianer das Training auf.

Das Team der Demokratischen Republik Kongo hätte die Teilnahme beinahe verwirkt, weil kongolesische Funktionäre dem Afrikanischen Fußballverband CAF noch die Jahresgebühr schuldeten. In letzter Minute flog Kurara Mpova vom Kongolesischen Verband mit 19 000 US-Dollar in der Tasche nach Kairo, wo der CAF seinen Sitz hat.

Auch sonst greift CAF durch. Magier, Zauberer und Wunderheiler, getarnt als Berater der Teams sind vom Afrika-Cup ausgeschlossen. Viele Mannschaften in Afrika setzen auf die wundersamen Kräfte ihrer Magier, die mitreisen und den Gegner verhexen. "Wir wollen beim Afrika-Cup kein Dritte-Welt-Image aufkommen lassen", heißt es in einer CAF-Stellungnahme. Professionelle Spieler wie der Ghanaer Samuel Kuffour von Bayern München lassen sich von der Hexerei ohnehin wenig beeinflussen. Der BBC vertraute Kuffour an, dass damit niemand ein Star werde. Dazu brauche man harte Arbeit, Training und Disziplin - in Afrika und anderswo.

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