Sport : Preetz, Gott und die Welt

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Die Akquise von Führungspersonal ist ein kompliziertes Geschäft. Größere Unternehmen beauftragen damit eine besondere Spezies von Marktforschern, sie tragen den schönen Namen Headhunter, was durchaus wörtlich zu nehmen ist. Erfolgreiche Unternehmen werden von klugen Köpfen geführt, und die klügsten der klugen werden gejagt.

Schade für Hertha BSC, dass die Headhunting-Branche in der Fußball-Bundesliga sich noch nicht etabliert hat. Im konkreten Fall hätte das noch führende Berliner Fußballunternehmen entweder einen höchst fähigen Trainer bekommen. Oder eine perfekte Ausrede. So aber muss Herthas Geschäftsführung selbst geradestehen für die Besetzung der strategisch wichtigsten Stelle im Klub.

Headhunter arbeiten nach einem einfachen Prinzip. Sie telefonieren mit Gott und der Welt, und erst, wenn Gott und die Welt alle Zweifel an einem Kandidaten ausgeräumt haben, empfehlen sie ihn ihrem Auftraggeber. Michael Preetz hat die Bestellung eines Nachfolgers des von ihm entlassenen Markus Babbel zur Chefsache gemacht. Als Geschäftsführer Sport der Herthas BSC KGaA hat Preetz viel zu tun. So viel, dass keine Zeit war für Telefonate mit Gott und der Welt. Es reichte nicht mal für ein Gespräch mit Heribert Bruchhagen, dem Geschäftsführerkollegen aus Frankfurt, wo Herthas Fünf-Spiele-Trainer Michael Skibbe bis zum Frühjahr 2011 bemerkenswert erfolglos werkelte. Skibbes Probleme in der Mannschaftsführung, wie sie Herthas innerer Zirkel im Nachhinein moniert, waren in Frankfurt durchaus bekannt. Sie von vornherein zu ignorieren, darf man wohl einen Managementfehler nennen.

Aus Herthas Entscheidungsgremien ist zu hören, dass Preetz bei der Trainerakquise noch genau einen Schuss freihabe, aber der müsse schon die schwarze Zwölf treffen. Sonst wird es dem Geschäftsführer Preetz gehen wie einem Headhunter, der seinem Klienten für gutes Geld ungeeignetes Führungspersonal vermittelt: Er bekommt keine Aufträge mehr.

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