Preetz und Favre : Neues Hertha-Duo unter Druck

Bleibt Verteidiger Josip Simunic? Und wer stürmt künftig für wenig Geld? Herthas neue Führung steht sofort vor wichtigen Aufgaben.

Sven Goldmann
Hertha BSC Berlin - Michael Preetz
Zwei für Hertha. Preetz, Favre.Foto: dpa

Einen Tag weg aus Berlin, und schon ist der Präsident nicht mehr auf dem Laufenden. Am Dienstagnachmittag landete Werner Gegenbauer in Tegel und nahm einigermaßen amüsiert das neueste Gerücht über den von ihm geführten Fußballklub zur Kenntnis: Trainer Lucien Favre soll in der vergangenen Woche mit der Auflösung seines Vertrages gedroht haben für den Fall, dass Hertha BSC sich nicht von Manager Dieter Hoeneß trenne. Erst diese Volte hätte das Präsidium zur Eile gedrängt. Auslöser der am Sonntag tatsächlich vollzogenen Trennung sei also Favres Ultimatum gewesen. „Vergessen Sie es“, sagt Gegenbauer und dass in diesen Tagen viel Unsinn über Hertha zu lesen sei, da könne er schon mal den Überblick verlieren. Eine Rücktrittsdrohung des Trainers habe es jedenfalls nie gegeben, davon müsste er ja wissen – oder Monsieur Favre, mit dem habe er übrigens gerade gesprochen. In der Schweiz, weit weg von den Berliner Turbulenzen.

Preetz war schon längst Favres erster Ansprechpartner

Es war ein Arbeitsbesuch, vereinbart in der vergangenen Woche bei dem Telefonat, das angeblich die angedrohte Vertragsauflösung zum Gegenstand hatte. Natürlich haben sie auch über die neue Situation bei Hertha gesprochen. Für Lucien Favre wird sich so viel nicht ändern. Sein erster Ansprechpartner ist wie schon in den vergangenen zwei Jahren Michael Preetz. Der amtiert künftig nicht mehr als Leiter der Lizenzspielerabteilung, sondern als zweiter Geschäftsführer, der zuständig für alle sportlichen Belange ist; die Finanzen verantwortet wie bisher Ingo Schiller. Am Donnerstag wird Preetz offiziell in seiner neuen Funktion vorgestellt. Den von Dieter Hoeneß geführten Titel eines Vorsitzenden der Geschäftsführung wird Hertha vorerst nicht vergeben.

Es wird ein schwieriges Jahr. Hertha steht unter dem Druck, das gute Abschneiden der vergangenen Saison zu bestätigen – allerdings mit weniger Geld und reduziertem Personal. Die Stürmer Andrej Woronin und Marko Pantelic sind schon weg, vielleicht geht auch noch Verteidiger Josip Simunic. Der Kroate kann für eine Ablöse von sieben Millionen Euro den Verein verlassen, wenn bis zum 30. Juni eine Bürgschaft über eben diese Summe bei Herthas Hausbank hinterlegt ist. Das ist bislang noch nicht der Fall. Bei der Mitgliederversammlung vor zwei Wochen im ICC hatte Simunic unter Beifall und mit den Tränen kämpfend versprochen: „Irgendwann, irgendwann werden wir Deutscher Meister.“ Das nahm so richtig niemand ernst im Publikum, aber alle hatten sehr wohl registriert, dass Simunic in der ersten Person Plural gesprochen hatte.

Ein Simunic reicht nicht

Simunics Verbleib wäre ein wichtiger Fixpunkt im Berliner Koordinatensystem, aber damit allein wird Hertha sich nicht begnügen können. Als bisher einziger Zugang steht der Hoffenheimer Verteidiger Christoph Janker fest. Bedarf hat Hertha aber vor allem im Angriff. Favre hat seine Empfehlungen abgegeben, Gespräche mit Kandidaten laufen. Der von Dieter Hoeneß favorisierte Argentinier Lucas Barrios wird es eher nicht, weil er erstens zu teuer ist und zweitens nicht von Favre persönlich in Augenschein genommen wurde. Auch die Verhandlungen mit dem kroatischen Nationalspieler Ivan Klasnic haben sich nach Hoeneß’ Abschied erledigt.
Auch aus dem eigenen Nachwuchs ist kurzfristig nicht mit Verstärkung zu rechnen. Herthas zweite Mannschaft spielt viertklassig in der Regionalliga, Favre hält allein Lennart Hartmann für bundesligatauglich, mit Abstrichen noch Sascha Bigalke und Shervin Radjabali-Fardi.

Lucien Favre sondiert den Markt von seinem Haus in Saint-Barthélemy aus und wird wahrscheinlich erst zum Trainingsauftakt am 25. Juni nach Berlin kommen. „Für alles andere gibt es Telefone“, sagt Werner Gegenbauer.

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