Sport : Preetz zweifacher Torschütze beim 2:1-Erfolg

Klaus Rocca

Es war ein verdienter Sieg, weil der HSV so schlecht war und Hertha sich zum richtigen Moment steigerteKlaus Rocca

Wochenlang wurde er ob seiner Erfolglosigkeit geschmäht, längst ist er wieder eine Trumpfkarte: Michael Preetz. Gestern Abend, im unwirtlichen Olympiastadion, schoss der der Stürmer im Spitzenspiel, das keins war, jene Tore, die den Hamburger SV stoppten und Hertha BSC wieder auf den Weg in Richtung Uefa-Cup brachten. Nach dem 2:1 (0:0) vor 48 067 Zuschauern kann Berlins Fußball-Bundesligist am kommenden Sonnabend beruhigt in Leverkusen antreten.

Welch hohe Erwartungen hatte dieses Spiel doch geweckt. Da kam der erfolgreichste Angriff ins Olympiastadion, da kam einer der spielerisch stärksten Klubs nach Berlin. Und dann diese schwache Darbietung in der ersten Halbzeit. Selbst Einwürfe wurden falsch ausgeführt, und einmal hätte ein Torschuss von Preetz fast die Eckfahne getroffen. Die Enttäuschung auf den Rängen entlud sich, wie so oft, in Schmährufen gegen den Schiedsrichter. Der konnte nun wirklich nichts für dieses Gekicke im Schneeregen.

Der hochgelobte HSV-Angriff mit Yeboah, Präger und Mahdavikia brachte in diesen ersten 45 Minuten kaum etwas Vernünftiges zu Stande. Die Vierer-Abwehrkette der Herthaner hatte da nur wenig Mühe. Ebenfall mäßig war dagegen, was lange Zeit Herthas Offensiv-Abteilung bot. Auch Dariusz Wosz und Sebastian Deisler sorgten für wenig Druck. Und ganz vorn stand der 15-Millionen-Mark-Stürmer Alex Alves und war erneut bemitleidenswert schwach. Als er wieder einmal den Ball verstolperte, machte Trainer Jürgen Röber aus seinem verständlichen Ärger keinen Hehl.

Zur zweiten Halbzeit durfte Alves nicht mehr auflaufen. Eine bittere Strafaktion, die das Selbstvertrauen des sensiblen Brasilianers nicht stärken wird, doch der für ihn eingewechselte Ali Daei konnte kaum weniger bieten. Es fragt sich nur, wie Alves wieder aufgebaut werden soll. Schließlich wird immer wieder von Hertha-Verantwortlichen betont, man müsse mit Alves viel Geduld haben.

Mit Daei und Bryan Roy (für Sergej Mandreko) wurde das Hertha-Spiel ein wenig ansehnlicher. Und in der 64. Minute fiel dann jenes Tor, das für hitzige Diskussionen sorgte. Kjetil Rekdal hatte den Ball steil auf Preetz geschlagen, der in stark abseitsverdächtiger Position stand. Preetz wars egal, schoss den Ball zu seinem achten Saisontor ein. Vehement protestierten die Hamburger, unterstützt von rund 4000 Schlachtenbummlern, doch Schiedsrichter Kemmling ließ sich nicht umstimmen.

Danach machte der HSV mehr Druck, verfehlte durch einen raffinierten Schuss von Mahdavikia einmal nur knapp das Hertha-Tor. Doch bei einem der wenigen Konter schaffte Preetz das 2:0, der Anschlusstreffer von Niko Kovac (89.) kam zu spät. Es war ein verdienter Sieg, weil der HSV so schlecht war und Hertha sich zum richtigen Moment steigerte. Und Michael Preetz hat.

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