Sport : Preisrichterin unter Druck, Sportart unter Beobachtung

Die Affäre um die Paarlauf-Entscheidung in Salt Lake City zieht immer weitere Kreise. Der französische Chef de Mission, Didier Gailhaguet, erklärte, die französische Preisrichterin Marie Reine Le Gougen sei unter Druck gesetzt worden. Eine Verwicklung des eigenen Verbandes in die angebliche Manipulation des Ergebnisses schloss er allerdings aus. "Sie ist unter Druck gesetzt worden, was sie dazu veranlasst hat, in einer ganz bestimmten Weise zu handeln. Es hat aber keine Absprachen mit den osteuropäischen Nationen gegeben", sagte Didier Gailhaguet, der Präsident des französischen Eislauf-Verbandes, der Presseagentur AP.

Die Spekulationen rankten sich bislang um die Tatsache, dass die französische Jurorin das russische Paar Elena Bereschnaja und Anton Sicharulidse auf Rang eins eingestuft hatte, damit der russische Preisrichter beim Eistanz den französischen Europameistern Marina Anissina und Gwendal Peizerat gewogen ist.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Ausgangspunkt der Kontroverse war der Sieg der Olympiazweiten von Nagano mit einer 5:4-Preisrichterentscheidung gegen die amtierenden Weltmeister Jamie Sale und David Pelletier aus Kanada. Viele Experten, die meisten der 16 500 Zuschauer im Salt Lake Ice Center und auch die deutsche Preisrichterin Sissy Krick (Tutzing) hatten die Kanadier vorne gesehen.

Währenddessen hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein Machtwort gesprochen um künftige Skandale im Eiskunstlauf zu verhindern. IOC-Präsident Jacques Rogge ließ einen Brief an den Präsidenten der Internationalen Eislauf-Union (ISU), Ottavio Cinquanta, veröffentlichen, um die Dringlichkeit seines Anliegens zu unterstreichen. Der Belgier forderte eine schnelle Klärung, ob es Preisrichterabsprachen gegeben habe.

Rogge traf sich in Salt Lake City mit Cinquanta und ließ sich zusichern, dass der Eistanz-Wettbewerb fair ablaufen wird. Gleichzeitig betonte Rogge die Autonomie des Eislauf-Verbandes. Damit steht vier Tage nach der heftig kritisierten Paarlauf-Entscheidung im stark wertungsabhängigen Eistanz eine ganze Sportart unter Beobachtung. Auch IOC-Vizepräsident Thomas Bach forderte eine schnelle Aufklärung: "Sonst liegt ein Schatten über den künftigen Eiskunstlauf-Wettbewerben", sagte Bach.

Cinquanta reagierte sofort: "Wir werden den geäußerten Verdächtigungen nachgehen", sagte der Italiener. Der kanadische Eislauf-Verband fordert wegen der angeblichen Benachteiligung seines Paares Jamie Sale/David Pelletier eine unabhängige Untersuchung und will Berufung gegen die Entscheidung einlegen. "Wir wollen die russische Goldmedaille nicht beschmutzen, aber wir fordern eine zweite für unser Paar", sagte Michael Chambers, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) von Kanada.

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