Premier League : Kevin-Prince Boateng: Tattoos für Tottenham

In Berlin galt Kevin-Prince Boateng vielen zuletzt als Angeber, als einer, der sich zu früh für einen Star hält. Nach seinem Wechsel nach Tottenham erfreut er jetzt die Londoner.

Markus Hesselmann[London]
070810boateng
Kevin-Prince Boateng -Foto: ddp

Kevin-Prince Boateng schiebt die ohnehin kurzen Ärmel noch ein Stück höher. Der neue Mann aus Deutschland zeigt den Engländern die Tätowierungen auf seinen muskulösen Armen. „Jedes Tattoo erzählt eine Geschichte“, sagt Boateng bei seiner Vorstellung auf Tottenhams Trainingsgelände. „Das hier ist Afrika, da stamme ich her, und das ist Berlin, meine Heimatstadt.“ Der 20-Jährige ist gerade nach London gewechselt, von Hertha zu Hotspur, von der Bundesliga in die Premier League, die ebenfalls an diesem Wochenende startet.

In Berlin galt Boateng vielen zuletzt als Angeber, als einer, der sich zu früh für einen Star hält. Zu seiner Zeit bei Hertha will er nichts mehr sagen. Oft genug ist er angeeckt mit seiner Kritik an der aus seiner Sicht zu autoritären Führung des Hauptstadtklubs, die jungen Spielern keine Freiräume lasse. Sich selbst verleugnen, das will Boateng auch in London nicht. Die Tattoo-Show gehört zu ihm wie die Geschichten vom Ghetto-Kid, die jetzt in den englischen Zeitungen stehen und den Verdacht aufkommen lassen, der Wedding sei so eine Art Berliner Soweto.

„Ich komme nun mal aus einer Gegend, in der die Leute arm sind“, sagt Boateng. „Ohne den Fußball wäre ich wahrscheinlich kriminell geworden.“ Doch diese Dinge liegen für ihn weit in der Vergangenheit. „Ich bin jetzt ein professioneller Fußballer. Ich lebe in einer neuen Stadt und spiele für einen neuen Klub.“

Ob er nicht die Sorge habe, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw aus den Augen verliert, wenn er im Ausland spielt, fragt ein englischer Journalist. „Wenn ich mich hier gegen Superstars wie John Terry profiliere, habe ich wahrscheinlich sogar noch eine bessere Chance auf die Nationalmannschaft“, antwortet er. Dass es dabei um die deutsche und nicht die ghanaische geht, daran lässt Boateng keinen Zweifel. „Mein Vater ist zwar Ghanaer, aber ich bin in Deutschland geboren.“ Außerdem sei das Prestige viel größer, für Deutschland zu spielen. „Ghana hat sich ja überhaupt erst einmal für eine WM qualifiziert.“

Natürlich wird Boateng auch auf Jürgen Klinsmann angesprochen, den deutschen Helden im Trikot der Spurs. „Dass einer wie Klinsmann hier gespielt hat, zeigt, was für ein großer Schritt dieser Vereinswechsel für mich ist“, sagt Boateng. Er wisse, dass Trainer Martin Jol nicht gleich auf ihn, den neuen offensiven Mittelfeldspieler, setzen wird. „Ich bin schon froh, wenn ich in meiner ersten Saison hier zehn Spiele mache. Ich kann warten.“ Und für den Fall, dass das jetzt zu brav klingt, schiebt er noch hinterher: „Ich glaube, ich kann hier auch ein Held sein – irgendwann.“

Die Londoner Journalisten lieben ihn schon jetzt. Nicht nur, weil Boateng von seinem Vater perfektes Englisch gelernt hat. Der neue Mann aus Deutschland steht für Entertainment und setzt sich wohltuend ab vom Schablonensprech vieler anderer Fußballprofis. Eine Tattoo-Geschichte noch. Was symbolisiert denn die Frau mit dem Gewehr? „Das ist meine Frau“, sagt Boateng, der gerade in Berlin geheiratet hat. „Sie erschießt mich, weil wir keine Flitterwochen hatten.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben