Sport : Premiere mit 37 Jahren

Henrik Rödl hat Alba Berlin umgekrempelt – nun kann er seinen ersten Titel als Trainer gewinnen

Benedikt Voigt

Berlin - Dirk Bauermann wartete, bis Henrik Rödl von den Mikrofonkabeln eines Fernsehsenders befreit war. Dann legte der Basketballtrainer von GHP Bamberg einen Arm um die Schulter seines jüngeren Kollegen von Alba Berlin. Während des Spitzenspiels, das Alba 80:75 gewann, hatten sich die beiden Kontrahenten wütend angeschrien, nun aber gratulierte Bauermann herzlich. Wiederholt klopfte er Rödl auf die Schulter. „Er steht bei Alba unter großem Druck“, sagt Bauermann, „und ich finde, er macht das sensationell.“

An diesem Wochenende greift Henrik Rödl nach seinem ersten Titel – als Trainer. Als Spieler hat der 37-Jährige mit Alba Berlin bereits zwölf Titel gewonnen. „Aber als Trainer Erfolg zu haben, wäre etwas ganz Besonderes“, sagt er, „da ich noch nicht lange in diesem Job bin, wäre es schön, wenn es schon jetzt passieren würde.“ Nur noch zwei Siege trennen ihn vom Pokalsieg. Zunächst geht es heute in der Bamberger Jako-Arena im Halbfinale gegen die Gießen 46ers (16 Uhr, live bei Premiere). Der Gewinner spielt am Sonntag das Finale gegen den Sieger der Begegnung GHP Bamberg gegen Quakenbrück.

Aus seiner Spielerzeit weiß Rödl, was ein Pokalsieg für die Play-offs bedeutet. „Das kann einen Riesenaufwind geben“, sagt Rödl, „ein schwächeres Abschneiden kann einen aber auch runterziehen.“ Seine Erfahrungen als Headcoach hingegen sind begrenzt, erst seit Januar 2005 trainiert er die Berliner. Zuvor sammelte er ein halbes Jahr als Trainer des damaligen Regionalligisten TuS Lichterfelde Erfahrung. „Ich lerne jeden Tag, das ist das Besondere an diesem Beruf“, sagt er. Um seine mangelnde Erfahrung als Cheftrainer wettzumachen, hat ihm Alba Berlin vor der Saison in Calvin Oldham einen erfahrenen Ko-Trainer zur Seite gestellt. „Das war eine der besten Entscheidungen“, sagt Rödl, „für einen jungen Trainer ist es wichtig, mit einem erfahrenen Trainer zu arbeiten.“ Die Hierarchie aber ist klar: Die wichtigen Entscheidungen trifft Rödl.

Aus der letzten Saison weiß dieser, wie trügerisch der Erfolg sein kann, den Alba am letzten Wochenende erreicht hat: Platz eins nach der regulären Saison. „Wenn man das hört, ist man erstmal zufrieden“, sagt Rödl, „aber letztes Jahr habe ich die Erfahrung gemacht, dass das nicht reicht.“ Seit dem Meistertitel 2003 wartet Alba auf einen großen Erfolg.

Deshalb hat Rödl die Mannschaft vor dieser Saison erheblich umgekrempelt. Alba spielt offensiver und attraktiver als unter seinem Vorgänger Emir Mutapcic. „Die Mannschaft übernimmt auch immer mehr von seiner kämpferischen Einstellung als Spieler“, sagt Bauermann. Im Coaching wird Rödl sicherer, zudem hat sich unter ihm der 20-jährige Martynas Mazeika vom Ersatzmann zum Leistungsträger entwickelt. Rödl kann den Litauer aktuell sehr gut gebrauchen, da der an der Leiste operierte Mike Penberthy zunächst weiter ausfällt. Die Entwicklung junger Spieler liegt Rödl besonders am Herzen. „Wenn man das Gefühl hat, dass ein Spieler wie Martynas sich verbessert, macht das einen glücklich“, sagt er.

Während sein Konkurrent Dirk Bauermann in Bamberg gerade seinen Vertrag bis 2009 verlängert hat, muss Rödl darauf noch warten. Natürlich wolle er noch möglichst lange als Trainer bei Alba arbeiten. „Aber eine Verlängerung meines Einjahresvertrages hängt wahrscheinlich vom Ergebnis dieser Saison ab“, sagt er, „ich muss mich jetzt beweisen.“ Der Pokalsieg könnte ihm dabei helfen.

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