Sport : Premieren vor Olympia

Die Wintersportler auf dem Weg nach Turin – eine Wochenendbilanz

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Für Skisprung-Bundestrainer Peter Rohwein zeichnet sich ein erfreulicher Trend für diesen Winter ab. Er hat in Michael Uhrmann offenbar einen Springer in seinen Reihen, der konstant für Podestplätze gut ist. Was nicht unwichtig in diesem Winter ist, zumal bei den Olympischen Spielen in Turin ein Podestplatz mit einer Medaille belohnt werden wird. Beim Weltcupspringen in Harrachov (Tschechien) segelte Uhrmann mit Sprüngen auf 138 und 137,5 Meter vor dem Weltcupsieger Janne Ahonen erstmals in dieser Saison auf den zweiten Platz. Uhrmann musste sich nur dem Schweizer Andreas Küttel geschlagen geben, der auf 136,5 und 143,5 Meter sprang. Die Leistung des neuen deutschen Vorspringers in der eisigen Anlaufspur übertünchte das schwache Abschneiden der übrigen Teamkollegen. Lediglich Alexander Herr konnte sich mit Rang 29 noch unter die besten 30 schieben. Martin Schmitt scheiterte in der Qualifikation.

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Eine bessere Premiere hätte sich die Eisschnellläuferin Jenny Wolf auf der Olympiabahn in Turin gar nicht vorstellen können. Bei der Generalprobe für die Olympischen Spiele (10. bis 26. Februar) konnte die Berlinerin ihren ersten Sieg im Weltcup feiern. Jenny Wolf lief die 500 Meter in 38,64 Sekunden. Sie profitierte allerdings davon, dass die Weltcup-Führende Manli Wang aus China nach zwei Fehlstarts disqualifiziert wurde. Jenny Wolf schob sich damit auch an die zweite Position in der Weltcup-Gesamtwertung vor. Anni Friesinger siegte einen Tag nach ihrem Sieg über 1500 Meter auch über 3000 Meter. Sie setzte sich in 4:05,46 Minuten wiederum vor ihrer härtesten Rivalin Cindy Klassen aus Kanada (4:05,70) durch.

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Auch Biathlet Sven Fischer feierte eine gelungene Premiere. Der Oberhofer belegte in Hochfilzen über 10 Kilometer trotz einer Strafrunde in 25:42,6 Minuten den dritten Platz hinter den Norwegern Frode Andresen und Lars Berger. Hochfilzen ist Fischers erste Weltcupstation in diesem Winter. Mit nur 0,9 Sekunden Rückstand auf Fischer weckte sein Vereinskollege Alexander Wolf mit Laufbestzeit aller Starter und zwei Strafrunden weitere Olympia-Hoffnungen. Auch im Staffelrennen der Frauen hatte zuvor das deutsche Quartett hinter Russland und Norwegen den dritten Platz belegt.„Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich habe doch keine Abkürzung genommen“, sagte Alexander Wolf verblüfft nach dem ersten Blick auf die Anzeigetafel. „Mit zwei Strafrunden bin ich noch nie so weit vor gekommen.“ Auch Sven Fischer, der auf den letzten 2,5 Kilometern noch den bis dahin führenden Weltcup-Spitzenreiter Ole Einar Björndalen aus Norwegen verdrängte, war „top zufrieden“.

Die Frauen-Staffel über 4 x 6 Kilometer gewann Norwegen mit 10,9 Sekunden Vorsprung vor Russland und dem deutschen Quartett mit Martina Glagow, Simone Denkinger, Katrin Apel und Kati Wilhelm, das 53,4 Sekunden zurück lag.

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Die deutschen Rodlerinnen haben die internationale Konkurrenz mit einem Vierfachtriumph mal wieder deklassiert. Silke Kraushaars Sieg in Calgary bedeutete den 60. Weltcup-Erfolg der deutschen Rodlerinnen in Folge. Auch auf den Plätzen zwei, drei und vier rutschten deutsche Rodlerinnen über die Ziellinie. Kraushaar siegte vor Tatjana Hüfner, Barbara Niedernhuber und Sylke Otto. „Trotz Olympia ist der Sieg in der Weltcup-Gesamtwertung durchaus ein erstrebenswertes Ziel“, sagte die Olympiasiegerin von 1998. Neben Kraushaar war das Rodel-Talent Hüfner mit Blick auf die Olympischen Winterspiele die große Gewinnerin. Für die letztjährige Weltcupsiegerin Niedernhuber wird es immer schwieriger, sich für die Olympischen Spiele überhaupt zu qualifizieren. „Für Olympia sieht es weiterhin schlecht aus, da hätte ich hier schon gewinnen müssen“, sagte sie.

Doch der Siegeszug der deutschen Rodlerinnen erntete auch Kritik. Und zwar aus den eigenen Reihen. Der dreimalige Rodel-Olympiasieger Georg Hackl sagte dem „Hamburger Abendblatt“: „Die Damen siegen ihre Disziplin zu Tode.“ Er kritisierte die Langeweile in seiner Disziplin. „Wenn die beste Deutsche nicht gewinnt, gewinnt die Zweitbeste, wenn die nicht, dann die Drittbeste.“

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Die deutschen Langläufer erzielten gestern in Vernon (Kanada) das beste deutsche Ergebnis in der Weltcupgeschichte. Tobias Angerer aus Vachendorf gewann den ersten Wettkampf in der Doppelverfolgung. Über zwei Mal 15 Kilometer in der klassischen und freien Technik setzte sich der neue Weltcup-Spitzenreiter in 1:17:19,2 Stunden vor seinen Teamkollegen Axel Teichmann (Lobenstein), Andreas Schlütter (Oberhof), Jens Filbrich (Frankenhain) und René Sommerfeldt (Oberwiesenthal) durch. dpa

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