Presseschau zur Fifa : "Sepp Blatter ist sexistisch und homophob"

Das Echo in den internationalen Medien ist eindeutig: Sie sehen Fifa-Präsident Sepp Blatter am Ende. In Frankreich wird zudem der Ruf nach der Politik laut - und in Russland macht man sich Sorgen. Eine Presseschau.

Fifa-Präsident Joseph Blatter steht massiv in der Kritik.
Fifa-Präsident Joseph Blatter steht massiv in der Kritik.Foto: AFP

Fifa-Präsident Sepp Blatter steht auch international stark in der Kritik. Die meisten Medien sehen ihn im Fokus des Skandals. Die "New York Times" schreibt: „Schon seit Jahren stand die einst als 'byzantinisch und undurchdringbar' bezeichnete Fifa, die zwischen 2011 und 2014 insgesamt 5,7 Mrd. Dollar einnahm und größtenteils hinter verschlossenen Türen arbeitet, in der Kritik. Es gab eine Vielzahl von Anschuldigungen von Journalisten und Whistleblowern. Mitglieder des Exekutivkomitees wurden wegen der Anwerbung von Schmiergeldern ausgeschlossen, aber es folgten keine Reformen. Die Fifa darf dieses Mal nicht so tun, als gehe es um ein paar korrupte Funktionäre. Ein erster Schritt wäre, sofort Herrn Blatter zu schassen und die Fifa umzustrukturieren. Die Auswahl Russlands und Katars (als WM-Gastgeber) muss strengstens untersucht werden. Die Entscheidung für Katar sollte zurückgenommen werden, wenn keine überzeugende Beweise dafür vorgelegt werden, die Hinweise auf Fehlverhalten bei der Vergabe an Katar widerlegen und wenn nicht schnellstens Schritte unternommen werden, die Bedingungen für ausländische Arbeiter zu verbessern."

Auch die "Washington Post" sieht Blatter in der Kritik: „Ja, der Fußball ist nur ein Spiel, aber korrupte oder diktatorische Herrscher sonnen sich gern in seinem Glanz. Deswegen wäre es auch ohne Schmiergeldaffäre töricht, die WM in Herrn Putins Russland oder in Katar abzuhalten, wo unterdrückte asiatische Gastarbeiter Stadien für den Wettkampf bauen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für die Fifa, ihre Entscheidung für diese beiden Länder zurückzunehmen und die Ausschreibung unter unabhängiger Aufsicht wieder zu eröffnen. Es wäre auch ein guter Zeitpunkt, die Karriere von Fifa-Präsident Sepp Blatter zu beenden, der seit 1998 über den Verband geherrscht und deren Einnahmen verteilt hat. Er soll am Freitag wiedergewählt werden und ist angeblich auch daran interessiert, weiter im Amt zu blieben.“

"Ohne Veränderung überlebt auch die Fußball-Weltmeisterschaft nicht"

In Großbritannien gilt Blatter auch nicht als sonderlich beliebt. Greg Dyke, Chef des englischen Fußballverbandes, hat bereits den Rücktritt Blatters gefordert. Und auch der "Guardian" sieht Blatter am Ende: "Blatter sitzt ganz oben auf diesem dampfenden Haufen von Bestechung. Er mag äußerlich ruhig wirken, aber er ist am Ende. Entweder er geht, oder die Fifa bricht zusammen. Oder es passiert beides. Die US-Behörden haben es gesagt: „Der organisierte Fußball braucht einen Neuanfang“. Dieser Neustart wird nicht durch ein weiteres wertloses Versprechen einer internen Fifa-Reform möglich sein. Sponsoren und nationale Fußball-Verbände werden möglicherweise glaubhaft mit Boykott drohen müssen. Ohne grundlegende Erneuerung ist zu bezweifeln, dass der internationale Fußball und sogar die Fußball-Weltmeisterschaft überleben werden.“

"Dass Blatter nichts gewusst habe, ist unglaubwürdig"

Der "Tagesanzeiger" aus Zürich beschäftigt sich ebenfalls mit Blatter: "Unglaubwürdig allerdings scheint, dass Blatter gar nichts gewusst haben soll von den vielen illegalen Händeln um ihn herum. Wahrscheinlich hat er einfach so lange wie möglich geduldet, was seiner Machterhaltung diente. Den Reformprozess leitete er erst ein, als er kaum mehr anders konnte. In keiner anderen Geschäftswelt wäre Blatter noch tragbar. Bei der Fifa aber darf er jetzt den Erneuerer spielen. Ab morgen Freitag vermutlich für weitere vier Jahre. Das sagt alles aus über diesen Verband."

Die italienische Tageszeitung „La Stampa“ schreibt: „In einer normalen Welt würde der Mann, der der Fifa seit 20 Jahren vorsteht, von einem solchen Skandal zugrunde gerichtet. Aber die Fifa hat dunklere Regeln und verhöhnt das Gesetz mit einer Arroganz eines Schiedsrichters, der ein gerechtfertigtes Tor annulliert. Blatter kommt trotz aller Anschuldigungen stets ungeschoren davon, weil er die Fifa mit List und Tücke so aufgebaut hat, dass sie einem Spiegel-Schloss gleicht, in dem sich sein Abbild und seine Macht überall widerspiegeln und seine Fingerabdrücke unsichtbar sind.“

"Die Politiker müssten zornig werden"   

Die linksliberale "Libération" aus Frankreich sieht die Politik im Fokus: „Korruptionsaffären in sehr großem Stil häufen sich bei der Fifa, haben allerdings bis heute in Frankreich keinerlei empörte Reaktionen hervorgerufen. Dabei könnte die Person (von Fifa-Präsident) Sepp Blatter durchaus unsere Politiker zornig werden lassen: Der Chef dieser von Korruption durchsetzten Institution ist sexistisch, homophob, leugnet Rassismus im Fußball und Sklavenarbeit in Katar. Wenn Mafia-Methoden einer so mächtigen Organisation wie der Fifa ans Tageslicht kommen, dürfen Politiker nicht schweigen, nur weil sie darauf hoffen, dass ihnen die Organisation einer Sportveranstaltung zugestanden wird.“


Auch in Russland sind die Festnahmen ein großes Thema, zumal die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Russland im Zentrum der Vorwürfe steht. Dort fürchtet man vor allem einen Imageschaden. Die Moskauer Sportzeitung „Sport Express“ schreibt: „Einen Image-Verlust erleidet Russland (von dem Skandal) ebenso wie die Fifa und Katar. Sie sitzen alle in einem Boot und wenn einer von ihnen verdächtigt wird, fällt der Schatten automatisch auf die beiden anderen. Und es ist egal, dass im Fall von Katar Menschen ertappt wurden und gegen Russland bei allen Bemühungen nichts gefunden wurde. Im Informationskrieg ist alles erlaubt. Das wichtigste ist, dass es jetzt keine echten Gründe dafür gibt, Russland die Weltmeisterschaft wegzunehmen.“

Und der Tagesspiegel? Friedhard Teuffel schreibt in seinem Kommentar: "Einer lächelt jedoch immer fröhlich weiter. Einer hat immer den Überblick behalten, erst als Generalsekretär und seit 17 Jahren schon als Präsident. Wie Joseph Blatter sich durch all die Skandale dribbelt, jeden, der sich ihm entgegenstellt, umkurvt, das hat der Fußball auf dem Spielfeld noch nicht erlebt."



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