Pressestimmen zur IOC-Entscheidung : "Das Urteil geht weiter, als erwartet wurde"

Das IOC lässt russische Athleten bei Olympia zu, schließt das Team aber aus. Deutsche Medien bemängeln fehlende Konsequenz - in Russland geht die Kritik in eine andere Richtung.

So nicht bei Olympia 2018 zu sehen: Ein russischer Fahnenträger, hier Alexander Subkow 2014 in Sotschi, und sein Gefolge.
So nicht bei Olympia 2018 zu sehen: Ein russischer Fahnenträger, hier Alexander Subkow 2014 in Sotschi, und sein Gefolge.Foto: Barbara Walton/dpa

Schweiz. "Neue Zürcher Zeitung": "Das Urteil des IOC geht weiter, als gemeinhin erwartet wurde. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl. (...) Der Entscheid der IOC-Exekutive erlaubt allen, einigermaßen das Gesicht zu wahren. Die überführten russischen Athleten sind in den letzten Wochen von der Kommission des Schweizers Denis Oswald bereits einer nach dem anderen ausgeschlossen worden. Wer nicht erwischt wurde, darf wie in Rio um Medaillen kämpfen. Und das IOC und sein Präsident Bach können damit jene Härte zeigen, die aus Imagegründen so dringend ist. Hart trifft das Urteil einzig den einstigen Sportminister Mutko, der den russischen Fußballverband und das Organisationskomitee der nächsten Fußball-WM führt. Er ist die Schachfigur, die kippt. Er darf sich in der Heimat als Opfer jenes westlichen Komplotts bedauern lassen, das in der russischen Wahrnehmung ebenso bewiesen ist wie für den Westen das russische Staatsdoping."

Deutschland. "Süddeutsche Zeitung" (online): "Das IOC hat es nicht riskiert, Russlands Olympia-Team auszuschließen. Wladimir Putins umstrittene Winter-Armada darf in Pyeongchang an den Start, unter neutraler Flagge und ohne Nationalhymne. Mag das Verdikt auf den ersten Blick schmerzhaft wirken, zeigt der zehn Punkte umfassende Sanktionskatalog des IOC in der Feinanalyse: Jede Menge weiche Bestimmungen, riesige Schlupflöcher - und gleich zwei Hinweise darauf, dass Russlands Team keineswegs als so neutral behandelt wird, wie es wirken soll."

"Frankfurter Allgemeine" (online): "Die Sportwelt wird das Urteil begrüßen. Weil das IOC offensichtlich Rücksicht genommen hat auf diejenigen russischen Athleten, denen es eine Beteiligung am Doping-System nicht nachweisen kann. Das wirkt honorig. Aber ging es wirklich um den Schutz von Sportlern? Noch vor wenigen Tagen drohten Mutko und Co unüberhörbar mit einem kompletten Rückzug, falls das IOC ihnen die Fahne, also die Würde nehmen würde. Am Montag dann hieß es, der von Bach befürchtete Boykott sei kein Thema. Wie das so plötzlich? Es sieht so aus, als stecke hinter der Strafe ein Deal, mit dem Russland gut leben kann und das IOC sein Gesicht wahren lässt. Dem Kampf gegen Doping, den sauberen Athleten, hilft das nicht. Im Gegenteil."

"Spiegel" (online): "Bach und das IOC bleiben mit ihrer Entscheidung auf bestenfalls halber Strecke stehen. Man gibt den Russland-Kritikern mit der Entscheidung Zucker, gibt sich entsprechend erschüttert über die Dimensionen des Betrugs, aber man hält sich zur gleichen Zeit die Hintertür zum Putin-Regime offen. Wirkliche Konsequenz sieht anders aus. Wirkliche Konsequenz - das wäre ein Komplettausschluss Russlands von diesen Spielen gewesen."

Russland. "Sport Express": "Das Internationale Olympische Komitee hat eine beispiellose Entscheidung getroffen und seine eigenen Regeln umgeschrieben. Noch nie ist ein Nationales Olympisches Komitee wegen Doping-Verstößen suspendiert worden. Noch nie sind bei Olympischen Spielen Sportler mit dem Status 'Olympische Athleten aus diesem oder jenem Land' angetreten. Es gab Flüchtlinge, neutrale Athleten, aber diese Neuschöpfung gab es nicht. Und noch weniger gab es eine 'Olympiamannschaft aus Russland', und die wird es wohl auch nicht geben."

"Kommersant": "Das Internationale Olympische Komitee, das die Umstände der Doping-Krise in Russland untersucht hat, hat als Strafe für die Unregelmäßigkeiten eine der härtesten der möglichen Varianten, aber nicht die härteste gewählt. (...) Nun wird mit Spannung erwartet, wer in Pyeongchang zugelassen wird und ob unsere Staatsmacht zustimmt, dass die Sportler dort ohne nationale Symbolik antreten. Vorher hat sie zu verstehen gegeben, dass sie bei einer solchen Entscheidung des IOC ganz auf die Spiele verzichten könnte."

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