Prestige-Duell : DFB-Team besiegt England in Wembley

Vor dem Spiel war von einer deutschen "Not-Elf" die Rede. Denkste! Deutschland schlägt England im neuen Londoner Stadion auch mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft.

Sven Goldmann
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Die Deutschen feiern in Wembley. David Beckham (l.) ist bedient. -Foto: dpa

LondonEs fing nicht gut an für das deutsche Team. 65 Minuten hatte der Mannschaftsbus gebraucht, um sich durch den Londoner Feierabendverkehr bis zum neuen Wembleystadion zu kämpfen, weshalb das 30. Duell zwischen England und Deutschland verspätet angepfiffen werden musste. Es wirkte, als hätten es die deutschen Spieler nicht besonders eilig gehabt, zu einem Spiel zu kommen. Dabei hat sich die Fahrt für sie mehr als gelohnt. 2:1 (2:1) siegte die deutsche Mannschaft vor den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Testspiel gegen England. Kevin Kuranyi und Christian Pander trafen für Deutschland, Frank Lampard für die Gastgeber.

Es ging schon mal um mehr zwischen beiden Teams, diesmal war es nur ein Freundschaftsspiel. Das zeigte sich auch vor dem Anpfiff, als sich die englischen Fans freundlich für die Stimmung bei der Fußball-Weltmeisterschaft bedankten. Auf der Gegenseite bildeten sie eine Choreographie, auf der zu lesen war: „Danke für 2006.“ Das war’s aber auch an englischen Freundlichkeiten gegenüber den Gästen. Nach Anpfiff dauerte es nur neun Minuten, bis Jens Lehmann den Ball zum ersten Mal aus dem Netz holte. Der deutsche Torwart vom FC Arsenal hatte sich bei jedem Ballkontakt Pfiffe anhören müssen, weil er vor kurzem in einem Interview der englischen Nationalmannschaft nachgesagt hatte, sie könne nicht mit Druck umgehen. Prompt hatte er selber zuletzt in den Saisonspielen beim FC Arsenal zweimal gepatzt. Doch beim gestrigen Gegentreffer in Wembley traf Lehmann keine Schuld. Frank Lampard hatte den Ball aus kurzer Distanz in den Winkel gejagt.

Bundestrainer Joachim Löw bot gestern Abend ein Elf auf, die in dieser Formation so schnell nicht mehr zusammenspielen dürfte. Vor dem Neuling Christian Pander (siehe Artikel rechts) durfte David Odonkor auf der linken Mittelfeldseite beginnen, obwohl er in der vergangen Saison bei Betis Sevilla nur als Statist firmierte. Auch Piotr Trochowski vom Hamburger SV durfte zu seinem fünften Länderspiel kommen. Die größte Überraschung aber war, dass Philipp Lahm erstmals in der Nationalmannschaft im zentralen defensiven Mittelfeld auftauchte. „Wir wollten einen Spieler ins Zentrum stellen, der für eine Überraschung gut ist“, sagt Kotrainer Hans-Dieter Flick.

Das neu formierte deutsche Team fand nach 15 Minuten besser zusammen. Christoph Metzelder mit einem Kopfball und Thomas Hitzlsperger mit einem Fernschuss näherten sich dem englischen Tor an. Dann half Englands Torwart Paul Robinson, der einen Fernschuss Hitzlspergers vor die Füße von Bernd Schneider schoss. Dessen Flanke senkte sich in Richtung Tor, weshalb der englische Torwart den Ball mit beiden Händen ins Spielfeld zurück schaufelte – direkt vor die Füße von Kevin Kuranyi: 1:1. Zwar traf Robinson beim zweiten Gegentreffer keine Schuld, Pander hatte ihn mit einem tollen Fernschuss erzielt. Trotzdem musste der verunsicherte Torwart zur Halbzeit für David James Platz machen.

Auf der anderen Seite rettete Jens Lehmann per Hechtsprung vor Angreifer Michael Owen, der kurz darauf aus spitzem Winkel per Drehschuss nur das Außennetz traf. Englands Trainer Steve McClaren wechselte in der zweiten Halbzeit Peter Crouch ein. Eigentlich hätte dieser gar nicht spielen sollen, denn im kommenden EM-Qualifikationsspiel ist der Angreifer gesperrt. Doch offenbar ging es nun für England darum, das Gesicht zu wahren. Tatsächlich hatte der ebenfalls eingewechselte Kieron Dyer die Chance zum Ausgleich, doch er schoss den Ball aus acht Metern knapp am Tor vorbei. David Beckham, der gestern überzeugte, hatte ihn frei gespielt. Die englische Mannschaft belagerte das deutsche Tor, die deutsche Defensive wankte zeitweise, doch ein Treffer gelang nicht mehr.

„Football’s coming home“, sangen die deutschen Fans schließlich. Deutschland hatte nicht nur als letztes Team im alten Wembleystadion gesiegt, es stellt auch die erste Elf, die im Neubau als Sieger vom Platz gegangen ist. Wer hätte das von dieser Ersatzmannschaft gedacht?

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