Sport : PRO Glaubwürdig konsequent

Von Stefan Hermanns Warum der Ausstieg von ARD und ZDF aus der Tour de France richtig ist

Stefan Hermanns

Vermutlich gibt es im Profisport keine einzige Sportart, in der nicht gedopt wird. Das ergibt sich weniger aus der Gier des Menschen nach Höchstleistungen als aus der Gier des Menschen nach Geld und Reichtum. Aber was ergibt sich aus der Erkenntnis, dass wohl in jeder Sportart gedopt wird? Dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sich im kommenden Winter aus den Langlauf-Übertragungen ausklinken? Und im Sommer 2008 die Olympischen Spiele in Peking ignorieren? Dass sie nie mehr vom Schwimmen berichten? Die Leichtathletik-WM 2009 in Berlin nur bei RTL 2 zu sehen sein wird? Die Entscheidung von ARD und ZDF, aus der Live-Berichterstattung von der Tour de France auszusteigen, wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach schon sehr bald als schrecklich inkonsequent erweisen. Aber sie ist eben auch – und das ist das Entscheidende – endlich mal konsequent.

Die Drohung vom Ausstieg bei neuen Dopingfällen stand spätestens seit dem vergangenen Wochenende im Raum. Mit dem Vollzug haben ARD und ZDF nun nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit gerettet, sie haben sich auch selbst einem moralischen Maßstab unterworfen, der dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut zu Gesicht steht. Sat1, das sich wie ein Aasgeier auf die freien Übertragungsrechte der Tour gestürzt hat, hat gestern nachdrücklich bewiesen, dass die Privatsender in Deutschland solche Maßstäbe in der Regel mühelos unterschreiten.

Die Grenzen zu den Privaten sind in den vergangenen Jahren von den Öffentlich-Rechtlichen ganz bewusst immer mehr verwischt worden, vielleicht führt der aktuelle Fall dazu, dass sich ARD und ZDF nun wieder stärker auf die Unterschiede besinnen: Es wäre ja nicht das Schlechteste, wenn die Öffentlich-Rechtlichen künftig nur noch das zeigen, was sie wirklich für zeigenswert halten, und nicht – wie die Privaten – das, was Quote bringt. Vielleicht gäbe es dann auch ein paar Volksmusiksendungen weniger.

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