Sport : Probeboxen für Amerika

Michael Rosentritt

Noch weiß man drüben nicht viel von den Klitschkos, aber sie werden sie kennenlernenMichael Rosentritt

Heute wird er zuschlagen - Witali Klitschko, der promovierte Schwergewichtsweltmeister. Es spricht einiges dafür, dass der gebürtige Kiewer mit Lebensraum Hamburg den US-Amerikaner Chris Byrd schnell und unkonventionell "verarzten" wird. Nicht wenige der 5000 Zuschauer im Estrel Convention Center zu Berlin werden Wetten darüber abgeschlossen haben, wie lange der 2,02-Meter-Mann dazu benötigt. Alles andere als der 28. K.-o.-Sieg in seinem 28 Profikampf wäre eine Überraschung, oder, beim Datum zu bleiben, ein wirklich guter Aprilscherz.

Für Witali Klitschko aber geht es um mehr, als nur seinen WM-Titel nach Version der WBO zum dritten Mal zu verteidigen. Ihm und seinem Bruder Wladimir, der einst die Karriere des Axel Schulz mit einer rechten Geraden beendete, laufen die Gegner weg. Deutschland ist längst zu klein für sie. Beide sind fit für die große Gesellschaft des Faustkampfes - fit für Lennox Lewis, Michael Grant, Evander Holyfield und Mike Tyon. So heißen die Zugpferde des amerikanischen Fernsehsenders HBO (Home Box Office). Und HBO wird heute erstmals einen Kampf in die Staaten übertragen. "Das amerikanische Publikum muss begreifen, dass es sich bei den beiden Klitschkos um zwei der beten Schwergewichtler der Welt handelt. Wir machen sie bekannt", sagt Lou DiBella, der "Senior Sports Vice President" des größten Pay-TV-Senders der USA. HBO hat mittlerweile 28 Millionen Abonennten und ist damit die Weltbühne des Profiboxens.

Noch weiß man drüben nicht viel über die Klitschkos. Bald aber wird sie dort jeder kennen. Gut möglich, dass am 15. Juli des Jahres der 23-jährige Wladimir Klitschko, der Europameister, den Dreifach-Champion (IFB, WBA und WBC) Lennox Lewis herausfordern darf. Vorausgesetzt, Lewis gewinnt seinen Kampf am 29. April in New York gegen Michael Grant. Grant ist so eine Art amerikanische Antwort auf die Klitschkos. Der 27-jährigeist 2,01 Meter groß, gewann alle 31Kämpfe, 22 Mal durch Knockout.

Witali, 28, möchte dagegen noch in diesem Jahr einen Kampf gegen Mike Tyson. "Tyson muss sich erklären. Er ist die Nummer eins der WBO-Liste. Der Kampf müsste bis zum Herbst über die Bühne sein", sagt Klaus-Peter Kohl, Inhaber der Hamburger Universum Box-Promotion und Manager der Klitschkos. Tyson wird alles andere im Sinn haben als gegen Witali Klitschko um dessen in Amerika unbedeutenden WBO-Titel kämpfen. Leichter und mehr Geld verdienen kann er gegen andere, angejährte Haudegen. Wie zum Beispiel Holyfield. Beide, Tyson und Holyfield, kennen sich gut. Vor gar nicht so langer Zeit biss Mike dem Evander ein Stück vom Ohr ab.

Kohl möchte mit seinen Zwei-Meter-Riesen den USA-Markt erobern. Mit einer siegreichen Titelverteidigung heute gegen Byrd wird auch "Dr. Faust" jenseits des großen Wassers salonfähig. "Um das ganz große Geld zu machen, muss Witali in den USA bekannter werden. Sein Popularitätsgrad muss etwa so groß wie in Deutschland sein", sagt Kohl, "deshalb hilft ihm der Kampf gegen den hoch eingeschätzten Byrd."

Fritz Sdunek, der Trainer der Klitschkos, ist davon überzeugt, dass der 23-jährige Wladimir den 33 Jahre alten Lewis aus England schlagen kann. "Wir können ihn sofort boxen." Als wahrscheinlicher gilt, dass Lewis einen seiner WM-Gürtel niederlegt und Wladimir um den dann vakanten Titel boxt: "Ich hoffe, dass ich am Jahresende Weltmeister bin", sagt Wladimir Klitschko. Es ist eine Frage der Zeit, dann halten die Klitschkos alle vier WM-Titel.

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