Sport : Proben in Italien mollig warm gelagert Justiz: Dopingkontrollen sind eine Farce

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Rom Die Dopingkontrollen im italienischen Fußball sind eine Farce. Dies geht aus den Ermittlungen des Turiner Staatsanwaltes Raffaele Guariniello hervor. Die kombinierten Urin- und Bluttests wurden in den vergangenen zwei Jahren ungekühlt ins Labor geliefert, so dass ein Nachweis von Epo-Blutdoping gar nicht mehr möglich war. Im Durchschnitt sei der Urin bei einer Raumtemperatur von 17 Grad Celsius in einigen Fällen bis zu 30 Stunden bis zum Labor „Acqua Acetosa“ unterwegs gewesen, schreibt Guariniello in seinem Bericht an Gesundheitsminister Girolamo Sirchia. Dem Fußball in Italien droht damit ein neuer Skandal.

Die Staatsanwaltschaft Turin, die seit Jahren in Sachen Doping und Medikamentenmissbrauch im Sport ermittelt, hatten die vielen ergebnislosen Dopingtests misstrauisch gemacht. In 780 Kontrollen der vergangenen beiden Spieljahre war kein einziger Epo-Dopingfall entdeckt worden. Nun stellt sich die Frage: Waren wirklich alle Fußballer sauber oder taugen die Tests nichts? Daran schloss Staatsanwalt Guariniello sofort die zweite Frage: Wie ist es möglich, dass ausgebildetes Fachpersonal nie auf die Notwendigkeit der Kühlung der Urinproben aufmerksam gemacht hat? „Ein Kühlelement im Wert von einem Euro hätte gereicht“, schrieb der „Corriere della Sera“. Ins Zwielicht waren die Dopingtests bereits vor einigen Wochen geraten, als Gennaro Gattuso und Giuseppe Pancaro vom Meister AC Milan nach dem 2:0 beim AS Roma die freiwilligen Kombinationstests von Blut und Urin verweigerten. Dabei stellte sich heraus, dass die Verweigerung der Kontrollen kein Einzelfall war. Ab der nächsten Saison werden die Tests obligatorisch.

Guariniello hatte bereits vor Jahren die damaligen Schlampereien im Dopingkontrolllabor „Acqua Acetosa“ aufgedeckt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entzog dem römischen Labor daraufhin für einige Monate die internationale Lizenz. dpa

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