Sport : Proben von Leichtathleten dürfen nicht mehr analysiert werden

Robert Hartmann

Ab sofort darf das von Wilhelm Schänzer geleitete Institut für Doping-Analytik in Köln keine Trainingskontrollen deutscher Leichtathleten mehr analysieren. In den alleinigen Genuss der Auswertung von Hunderten Urinproben, verbunden mit einem ansehnlichen Geldbetrag, kommt dadurch das Schwester-Institut im sächsischen Kreischa. Es überrascht nicht, dass dieses Verbot mit dem Dopingfall des Langstrecklers Dieter Baumann zu tun hat. Das Verbot ist zeitlich nicht begrenzt.

Die spektakuläre Entscheidung traf Ulrich Haas, der Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Von der DLV-Geschäftsstelle wurde sie ordnungsgemäß als Pressemitteilung den Medien bekannt gegeben. Auch Schänzer erfuhr das Verdikt erst auf diesem Wege. Das Schreiben, datiert auf den 10. Januar, war noch nicht bei ihm eingetroffen. Auf die Frage, ob es ihn unvorbereitet treffe, antwortete er: "Eigentlich schon."

"Nach den jüngsten Äußerungen von Herrn Schänzer in der Öffentlichkeit war für uns klar, dass wir reagieren mussten. Auch wenn wir den Wahrheitsgehalt momentan nicht überprüfen können, hat Herr Prokop den Anlass gesehen, als zuständiger Vizepräsident Recht einen entsprechenden Antrag zu stellen, dem nun stattgegeben wurde", sagte Helmut Digel, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Ausgangspunkt soll ein Zitat Schänzers in der "Kölner Rundschau" vom 30. Dezember gewesen sein. Es lautete: "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Baumann zu diesem Zeitpunkt bewusst manipuliert hat." Gemeint hatte er den Zeitpunkt der positiven Urinproben, den 19. Oktober und 12. November, wenn sich ein Langstreckler gerade in seiner aktiven Erholungsphase befindet. "Für einen Ausdauersportler wären Epo oder andere anabole Steroide sinnvoller."

Schänzer führt zu seiner Verteidigung an, er habe die Zitate nicht autorisiert, und "ich habe sie auch so nicht gesagt". Er werde sich dazu nicht mehr äußern, sondern die Angelegenheit über seine Anwälte laufen lassen. Die Anti-Doping-Kommission bestand auf Regularien, die sie zusammen mit den Laborleitern und DLV-Vizepräsident Clemens Prokop bei einem Treffen am 14. Dezember festgelegt hatten: keine Meinungsäußerungen mehr in schwebenden Verfahren.

Schänzer hatte am 28. 12. über den Pressedienst der Deutschen Sporthochschule Köln verlauten lassen, dass eine nochmals vorgenommene Überprüfung von Haushalts- und Lebensmitteln im Hause der Familie Baumann in Abstimmung mit dem DLV erfolgt sei. Dabei hatten Mitarbeiter des Mediziners eine mit dem anabolen Steroid Nandrolon versetzte Zahnpasta gefunden. Abbauprodukte der Substanz waren bei zwei positiven Trainingskontrollen Baumanns am 19. Oktober und 12. November nachgewiesen worden.Das Thema Doping im Internet: www.meinberlin.de/forum im Kanal Sport

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