Probleme für van Gaal : FC Bayern: Nur Frust, überall

Die Art und Weise, wie sich die Bayern-Bosse von Trainer Louis van Gaal distanzieren, lässt nichts Gutes ahnen.

Thomas Becker[München]
FC Bayern Muenchen - Bayer 04 Leverkusen
Andere Richtung. Hoeneß und van Gaal.Foto: ddp

Wenn das Triumvirat Richtung Kabine rauscht, ist Gefahr in Verzug. Zumindest war das mal so. Der wilde Entschlossenheit und absolute Handlungsbereitschaft verströmende Marsch des Vorstandsdreiers Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner war meist nach besonders derben Niederlagen, kurz vor einem Trainerrauswurf oder angesichts anderer Katastrophen zu sehen. In dieser Saison gehört er fast zum Standardprogramm, und so musste man nach dem 1:1 gegen Bayer Leverkusen noch nicht direkt Angst um den Trainerjob von Louis van Gaal haben.

Bedenklicher war da schon die Wortwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden. „Leider ist uns der gewünschte Befreiungsschlag nicht gelungen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, „trotzdem müssen wir die Dinge sachlich und rational sehen und nicht irrational oder emotional. Mit Platz sieben ist keiner zufrieden. Aber es nützt jetzt nichts, irgendwelche emotionalen Dinge zu tun.“ Sätze, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Genau, am 8. April nach dem 0:4 in Barcelona hatte Rummenigge gesagt: „Es gilt jetzt, in dieser Situation rational zu bleiben und die Dinge nicht zu überdrehen, vor allem keine spontanen, unsinnigen Entscheidungen zu treffen.“ Kurze Zeit später war das Kapitel Jürgen Klinsmann beim FC Bayern beendet.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Parallelen zwischen den Extremen van Gaal und Klinsmann gezogen werden, doch die Art und Weise, wie sich die Bayern-Bosse nach und nach von ihrem Chef-Übungsleiter distanzieren, lässt für den Holländer nichts Gutes ahnen. „Wir führen keine öffentliche Diskussion über den Trainer“, sagte Rummenigge – was heißen könnte, dass man das intern sehr wohl tut. Weiter sagte er: „Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Kurve zu kriegen. Wenn nicht, werden wir weiter sehen.“ Will sagen: Nichts ist unmöglich, auch nicht eine Entlassung.

Noch-Präsident Franz Beckenbauer, der bei der Jahreshauptversammlung am Freitag in den Stand des Ehrenpräsidenten erhoben wird, zerlegte derweil wie gewohnt seinen Klub vom Fernsehstudio aus. „Ängstlich spielen, die Verantwortung wegschieben – das ist nicht der FC Bayern“, sagte er. Immerhin hat er als Lichtgestalt natürlich die Lösung parat: „Wenn der Ribéry wieder fit ist, dann spielt die Mannschaft ganz anders. Und wenn der Robben auch noch fit ist, dann werden wir mit zehn Punkten Vorsprung Meister.“

Auf die Begegnung mit der Fan-Basis bei der Mitgliederversammlung freut sich derzeit wohl niemand beim FC Bayern. Louis van Gaal und den Spielern bleibt dieser mutmaßliche Spießrutenlauf erspart: „Wegen des Sonntagspiels bei Hannover 96 werden weder Trainer noch Spieler an der Hauptversammlung am Freitag teilnehmen“, heißt es offiziell von Vereinsseite. Dabei steigt das Team erst am Samstagnachmittag in den Flieger. Offensichtlich ist man sich der schlechten Laune der Fans durchaus bewusst.

Schon bei der Verlesung der Mannschaftsaufstellung vor der Partie gegen Leverkusen kam nach dem fordernden „Louis“ des Stadionsprechers kein „van Gaal!“, sondern: nichts. Nur ein paar Pfiffe. „Natürlich ist er frustriert“, erklärte Mannschaftskapitän Mark van Bommel, „aber er ist nicht allein frustriert, wir sind alle frustriert.“ Das Vertrauen fehle, man mache sich Gedanken, wenn man den Ball bekomme, räumte der Niederländer ein. „Wir müssen uns wehren, mehr denn je.“ Und man brauche in der „schwierigen Phase“ umso mehr die Unterstützung der Fans. Schließlich wartet am Mittwoch das nächste Endspiel: in der Champions League gegen Haifa.

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