Sport : Probleme gelöst

Leichtathletik-Präsident Lamine Diack über die Zukunft des Istaf

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Das Istaf wird nach der Insolvenz von einem neuen Unternehmen geführt. Wie ist Ihr erster Eindruck nach dem Neuanfang?

Sehr gut. Ich hatte schon im April bei der IAAF-Council-Sitzung in Nairobi Herrn Gegenbauer getroffen, und er hat mir damals versprochen, alles zu tun, um das Meeting auch 2002 durchzuführen. Ich denke, sie haben ihr möglichstes getan, um für das Istaf die besten Bedingungen zu schaffen.

Wie groß sind die Chancen nach dem Meeting, dass Berlin in der Golden League bleibt?

Mein Eindruck von der Organisation des Meetings war sehr gut. Es war eine gute Show, und das Publikum war fantastisch. Das Istaf hatte zuvor große Probleme, aber diese Probleme sind gelöst worden.

Ist denn die Stimmung im Stadion allein entscheidend für Ihre Entscheidung?

Es ist sehr wichtig, dass das Meeting auch im eigenen Land im Fernsehen gezeigt wird. Die Verhandlungen über die nationale Übertragung sind Aufgabe der einzelnen Meetings. Zudem ist in diesem Jahr der Vertrag über die internationalen Rechte mit dem französischen Pay-TV-Sender Canal Plus ausgelaufen. Die werden gerade neu mit den öffentlichen europäischen Sendern verhandelt. Wer in der Golden League sein möchte, muss auch Interesse zeigen, die gesamte Golden League ins Fernsehen zu bekommen.

Also entscheidet nur das Fernsehen?

Nein, auch die Randbedingungen sind entscheidend. Deutschland ist ein wichtiges Land für die Leichtathletik, Berlin eine große Stadt. Auch sonst haben sie hier sehr gute Bedingungen. In diesem Jahr ist alles auf sehr gute Weise gemanagt worden.

Könnten die späten Fernsehzeiten also das entscheidende Handikap für Berlin sein?

Es ist gut wenn das Meeting frei empfangbar übertragen wird, aber das muss nicht unbedingt live sein. Ein Meeting darf auch zeitversetzt gesendet werden, aber es sollte eben im frei empfangbaren Fernsehen laufen.

Wird die Golden League in Zukunft überall im Free-TV zu sehen sein?

Ich bin sicher, dass wir von 2003 bis 2005 die Golden League wieder im öffentlichen Fernsehen sehen können. Vielleicht nicht überall live, aber dafür mit großer Reichweite. Sehen Sie zum Beispiel die Verhandlungen über das Meeting in London. Da wollte der Pay-TV-Sender BSkyB live übertragen, die BBC zeitversetzt am Samstag nur 30 Minuten zur besten Sendezeit. So etwas würde auch für die Golden League reichen.

Wie weit sind Sie denn in den Verhandlungen vorangeschritten?

Es ist sehr schwierig, mit den Sendern darüber zu verhandeln, dass fünf Wochen lang jeden Freitag zwei Stunden live ein Meeting übertragen werden muss. Deshalb sage ich, dass es reicht, das eigene Meeting live und die Höhepunkte der restlichen Meetings im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen.

Gerade vom deutschen Fernsehen wird in diesem Punkt ja immer wieder gefordert, die Meetings wegen der besseren Sendezeit auf Sonntag zu verschieben.

Wir werden da flexibel sein. Wir fokussieren uns nicht nur auf den Freitag. Wir denken darüber nach, bei einem Meeting am Freitag zu bleiben, ein anderes am Samstag und ein weiteres am Sonntag zu haben. Das ist überhaupt kein Problem.

Trotzdem werden Sie wohl die nicht die selben hohen TV-Einnahmen haben wie beim Pay-TV.

Das ist gut möglich.

Dann müssen Sie den Meetings aber auch eine geringere Garantiesumme zahlen. Macht das die Arbeit für finanzschwache Meetings wie das Istaf nicht schwierig?

Wir können ihnen dann aber versprechen, dass sie international im Fernsehen sein werden. Die Meetings wissen genau, dass Sie etwas von der IAAF zu erwarten haben, und sie stimmen mit uns in den Zielen überein.

Sind Sie sich denn mit den Meetings über den Weg der Verhandlung einig. Zürich, als bestes Meeting der Serie, erwartet doch sicher ein wenig mehr als die anderen.

Traditionell ist Zürich das reichste und stärkste Meeting in der Golden League. Wir können sicher versuchen zu sagen, dass alle Meetings auf dem gleichen Level sind. Sie sind aber eben nicht auf dem gleichen Level. Ansonsten ist der Einfluss von Zürich aber nicht größer als der anderer Meetings. Zürich hat in der Golden League auch nur eine Stimme wie alle anderen Meetingdirektoren und die Repräsentanten der IAAF.

Warum hat sich die IAAF noch nicht festgelegt, ob die Golden League künftig fünf oder sechs Stationen haben wird?

Das hängt von verschiedenen Dingen ab. Zum Beispiel, ob WM oder Olympische Spiele in einem Jahr in Europa stattfinden, dort wo die meisten Meetings sind. Wenn wir eine WM wie 2003 in Paris haben werden, müssen die Athleten nicht ständig den Kontinent wechseln. Dann sind auch mehr Stationen möglich. Wir hatten 2001 mit der WM in Edmonton und 2000 mit den Spielen in Sydney schwierige Bedingungen für die Athleten. Deshalb muss es möglich sein, dass wir in einem Jahr sechs Stationen haben und in einem anderen nur fünf.

Das Gespräch führten Frank Bachner und Ingo Wolff

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