Sport : Probleme im Paket

Ferrari ging als Titelfavorit in die Formel-1-Saison, doch das Traditionsteam fährt derzeit weit hinterher

Karin Sturm[Schanghai]
Wir müssen Gummi geben. Die Ferraris haben in dieser Saison bisher Probleme, auf Touren zu kommen. Foto: Reuters
Wir müssen Gummi geben. Die Ferraris haben in dieser Saison bisher Probleme, auf Touren zu kommen. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Der Rennstall war als Mitfavorit in die WM gestartet und hatte zumindest die Hoffnung, hinter Red Bull die Nummer zwei der Formel 1 zu sein. Jetzt wird er mit einer Menge an Problemen konfrontiert und ist weit entfernt davon, die eigenen Erwartungen zu erfüllen. Gemeint ist diesmal nicht Mercedes, sondern der andere ganz große Name der Formel 1: Ferrari.

Dabei hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo nach der verpassten WM im letzten Rennen der vergangenen Saison in Abu Dhabi die Vorgabe gegeben: „2011 müssen wir von Saisonbeginn an das beste Auto haben.“ Dass das nicht gelingen würde, war zwar eigentlich schon nach den Tests vor der Saison klar. Aber vor dem Großen Preis von China am Sonntag (9 Uhr/live RTL und Sky) müssen die Italiener einsehen, dass sie noch viel weiter zurückliegen, als sie vor dem Saisonstart befürchtet hatten. „Wir müssen realistisch sein – im Moment sind Red Bull und vor allem Sebastian Vettel total außer Reichweite“, sagte Fernando Alonso nach seinem fünften Platz im Qualifying, mit fast 1,5 Sekunden Rückstand auf Weltmeister Vettel. Auch McLaren sei deutlich schneller, gestand Alonso ein. „ Wir können nicht davon ausgehen, dass wir derzeit in der Lage sind, aus eigener Kraft Rennen zu gewinnen. Dafür ist unser Auto einfach zu langsam.“ Wenn alles optimal laufe, sei maximal ein Podestplatz drin. Vor allem deshalb, weil Ferrari bisher im Rennen besser aussah als im Qualifying.

Als Kernproblem hat Alonso die Aerodynamik ausgemacht. „Genau da hinken wir hinterher und müssen so schnell wie möglich aufholen“, sagt der zweimalige Weltmeister. Wobei das nicht so einfach werden dürfte. Denn genau in diesem Bereich scheint Ferrari einfach niemanden zu haben, der auch nur annähernd an die Kapazitäten von Red Bulls Chefdesigner Adrian Newey herankommt. Außerdem fehlt eine Simulationsabteilung, wie etwa die von McLaren, die es schafft, ohne jeden praktischen Test größere Verbesserungen in der Realität zu erreichen.

Stefano Domenicali weiß, dass eine schwere Aufgabe vor ihm liegt. „Unser größtes Problem ist es, dass die Daten aus dem Windkanal nicht mit den praktischen Ergebnissen von der Strecke übereinstimmen“, sagt Ferraris Teamchef. „Wir müssen herausfinden, warum das so ist und das Problem schnellstens lösen. Wichtig dabei ist, dass wir dabei ruhig und konzentriert zur Sache gehen. Dann könnten wir es noch schaffen, wieder aufzuholen.“

Zu dem zu langsamen Auto kommen dann auch noch Fehler wie der verpatzte Boxenstopp bei Felipe Massa oder der überflüssige Crash von Alonso mit Lewis Hamilton in Malaysia. Dass Domenicali und die gesamte Führungsspitze zwischen den beiden Rennen in Malaysia und China nach Italien zurückflog, um di Montezemolo Bericht zu erstatten, wurde vor allem in der italienischen Presse schon als großes Krisenmeeting interpretiert. Es war allerdings, um fair zu sein, von Anfang an so geplant. Dennoch weiß Domenicali, dass die Zeit mehr als drängt.

Eine Maßnahme hat Technikchef Aldo Costa immerhin schon angekündigt. Man werde sich darum bemühen, so schnell wie möglich einen flexiblen Frontflügel auf die Strecke zu bringen. So einen, wie Red Bull ihn hat, der immer wieder von der Konkurrenz heiß diskutiert wird. Doch Alonso bezweifelt, dass das schon der Probleme Lösung ist: „Ich glaube, bei uns fehlt es an mehr als an diesem Frontflügel.“ Weil der allein ja auch nicht das Wundermittel ist: Spezielle Einzelteile funktionieren im komplizierten Aerodynamikkonzept der Formel 1 nur, wenn das darauf abgestimmt ist, was man „Gesamtpaket“ nennt. Und genau hier, das schwant ihnen jetzt bei Ferrari, liegt wohl das größte Problem.

Formel-1-Chef unter Verdacht: Ecclestone und die Schmiergeldaffäre, Seite 24

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