Sport : Probleme im Paradies

Es läuft nicht gut bei den Berlin Volleys – heute wartet in Haching erneut ein schwerer Gegner.

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Noch nicht angekommen. Paul Carroll sucht die Form der Vorsaison. Foto: Eibner
Noch nicht angekommen. Paul Carroll sucht die Form der Vorsaison. Foto: EibnerFoto: Eibner Pressefoto

Berlin - Paul Carroll hat sich im Paradies eine Cola bestellt. Sie steht jetzt vor ihm in der Cafeteria des Korber-Zentrums, dem Trainingskomplex beim Olympiastadion. Carrolls Haare sind verwuschelt, er kommt gerade vom Training. Dann redet er über Generali Haching, seinen alten Klub. „Es war dort auch gut“, sagt er – und natürlich kommt jetzt ein „Aber“: „Aber“, sagt Carroll also, „es war dort alles viel kleiner.“ Hier, bei den Berlin Volleys, „da ist alles sehr professionell“.

Kaweh Niroomand, der Manager der Volleys, formuliert es noch deutlicher: „Wer nach Berlin kommt, der kommt in ein Volleyball-Paradies.“ Das Korber-Zentrum mit Cafeteria, die Trainingsmöglichkeiten, das alles gehört zu diesem Paradies. Und natürlich „die medizinische Abteilung, die Organisation, das Management, die Betreuung der Spieler“, Niroomand lässt nichts aus.

Berlin, das Paradies. Vielleicht liegt genau darin das Problem. Denn Niroomand seufzt auch: „Wer hierher kommt, fühlt sich durch die Bedingungen vielleicht unter Druck gesetzt.“ Es läuft zur Zeit nicht gut beim Bundesligisten Berlin Volleys. Gegen Haching zu Hause regelrecht vorgeführt, am Mittwoch in Friedrichshafen 1:3 unterlegen, herbe Verluste gegen direkte Konkurrenten. „Sobald wir etwas unter Druck geraten, agieren wir nicht mehr als Mannschaft“, sagt Niroomand.

Ausgerechnet in dieser Verfassung treten die Volleys heute in Unterhaching an, im Pokal, gegen den Pokalsieger 2011, gegen Generali Haching. In der vergangenen Saison hatte Haching, ebenfalls zu Hause, die Berliner, damals noch als SCC angetreten, 3:0 aus dem Pokal geworfen.

„Unsere Trümpfe stechen nicht“, stöhnt Niroomand. Er nennt keine Namen, das muss er auch nicht, jeder kann die Problempunkte sehen. Carroll zum Beispiel. Der Australier ist Diagonalangreifer, er war der große Bundesliga-Star der vergangenen Saison. Aber in Berlin holt er noch zu wenig Punkte. Oder Tomas Kmet, wie Carroll von Haching gekommen. Der beste Mittelblocker der vergangenen Saison, jetzt oft unauffällig agierend. Sie sind die Leitfiguren, an ihnen sollen sich die anderen aufrichten.

Stattdessen knicken die regelrecht ein. Neuzugang und Außenangreifer Pablo Bengolea ist in der Annahme fast ein Totalausfall, Außenangreifer Urpo Sivula, ebenfalls ein Neuzugang, bricht nervlich zusammen, wenn ihm im Angriff ein paar Fehler unterlaufen. Und der Rest der Truppe wirkt in den wichtigen Spielen auch zeitweise hilflos.

Aber es geht noch nicht ums Projekt als solches, den geplanten Aufstieg der Volleys zur deutschen Volleyballmacht. Zwei verpatzte Spiele sind keine Basis für eine Grundsatzbetrachtung, dafür ist dieses Projekt viel zu langfristig angelegt. Das sagt auch der Manager: „Das Projekt geht auf jeden Fall weiter, selbst wenn wir keinen Titel holen.“

Zweifellos, aber das ist nicht der Punkt bei dieser Zwischenbilanz. Niroomand hatte vor Saisonbeginn verkündet: „Wir wollen mindestens einen Titel.“ Die Erwartungen sind geweckt, an ihnen müssen sich die Volleys messen lassen. Und natürlich an Niroomands Maxime: „Am wichtigsten ist für uns attraktiver Volleyball.“ Zwei schwache Spiele sind bei diesem Anspruch zu verschmerzen, viel mehr aber nicht. Sonst beginnt bei den Fans das Grummeln.

Trainer Mark Lebedew sagt: „Haching ist in diesem Spiel der Favorit.“ Normalerweise ist das die übliche Taktik. Man redet die eigene Mannschaft schwächer als sie ist, um den Gegner einzulullen. In diesem Fall ist aber wohl die reine Wahrheit.

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