Sport : Probleme überdacht

Biathlon in der Arena Auf Schalke stößt nicht bei allen auf Gegenliebe

Andreas Morbach[Gelsenkirchen]

Fast hätte Frank Ullrich sich den Tagesausflug aus dem Thüringer Wald ins Ruhrgebiet geschenkt. Bei den ersten drei Aufgüssen des Biathlon-Brimboriums in der Arena Auf Schalke (heute 17 Uhr 15, live im ZDF) hatte sich der Bundestrainer stets blicken lassen, doch diesmal war er böse auf Herbert Fritzenwenger. Weil der Organisator in der Wintersport-Außenstelle Gelsenkirchen ihn bei seinen Planungen übergangen hatte. Nur mit den Biathleten habe Fritzenwenger in diesem Jahr gesprochen, „dabei müssen wir Trainer nachher unser Kreuz hinhalten, wenn es bei den Olympischen Spielen nicht läuft“, sagt Ullrich.

In Ruhe zu trainieren, sei für manch einen eben besser als an einer Biathlon-Gaudi in einem Fußballstadion teilzunehmen, meint der Mann aus Suhl und warnt den bayerischen Chef-Planer: „Ohne uns geht das nicht.“ So hat beispielsweise Ricco Groß inzwischen abgesagt. Als Grund wurde eine leichte Erkältung angegeben. Für Fritzenwenger hat Frank Ullrich seinen Teil dazu beigetragen, dass Groß heute nicht auflaufen wird. „Ricco ist in diesem Winter längst noch nicht so weit wie andere“, sagt der Bundestrainer. Was Olympia in Turin angehe, seien „einige in einer deutlich besseren Position. Und diese Situation habe ich ihm aufgezeigt.“ Der dreifache Olympiasieger hat verstanden und bereitet sich nun lieber auf echtem Schnee und unter freiem Himmel auf den Weltcup kommende Woche in Oberhof vor.

Ein passabler Ersatz für Groß wäre der im Weltcup führende Alexander Wolf aus Oberhof gewesen. Das dachte sich auch Fritzenwenger, allerdings hatte er wieder ohne den Bundestrainer geplant. „Wir hatten für Alexander bereits ein Programm abgesprochen. Und so über Nacht lassen sich die Athleten dann auch nicht mehr überreden“, sagt Ullrich. Doch Herbert Fritzenwenger, Olympia-Teilnehmer von 1988, ist mit den Empfindlichkeiten der Biathlon-Welt inzwischen bestens vertraut. In diesem Jahr sind die Trainer pikiert, im Vorjahr machte der Weltverband (Ibu) Ärger. Der Ibu dämmerte, dass in einem wintersportlichen Notstandsgebiet mit Biathlon Geld gemacht wurde. Der Widerstand des Weltverbandes gipfelte Weihnachten 2004 in der Drohung, Athleten, die in Gelsenkirchen an den Start gehen, zu sperren. An einem heißen Augusttag kam es zu einem Kompromiss. Zwar verdient die Ibu beim Schalke-Biathlon nach wie vor keinen Cent, darf nun aber die Werbetafeln ihrer Sponsoren im Stadion aufstellen. Sperren für Sportler drohen keine mehr.

Auf einen aber kann sich Fritzenwenger stets verlassen: Ole Einar Björndalen. Der unumstrittene Star unter den Biathleten kommt seit der Premiere im Dezember 2002 Jahr für Jahr an die Heimstätte des FC Schalke 04. Die zusätzlichen Trainingsstunden, die Bundestrainer Ullrich Ricco Groß gerade ans Herz gelegt hat, genehmigte Björndalen sich, indem er Mitte Dezember den Weltcup in Osrblie (Slowakei) sausen ließ. In Gelsenkirchen ist er dafür am Start. „Er nutzt es ganz bewusst als Training, vor 50 000 Leuten unter enormem Druck zu schießen“, sagt Fritzenwenger und stichelt noch ein bisschen gegen Ricco Groß. „Der war auf Schalke nie richtig gut. Nicht so schlimm also, dass er fehlt“, sagt Fritzenwenger. Klingt, als sei auch der Organisator ein bisschen verstimmt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar