Sport : Profi statt Touristin

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New York. Der Taxifahrer hatte es bei der Ankunft gesagt: Um wie eine Bewohnerin New Yorks zu wirken, müsse sie immer schnell und zielgerichtet unterwegs sein. Linda Fröhlich gab sich Mühe, aber die vielen Eindrücke unterhalb der Wolkenkratzer verleiteten zum Schlendern. „Deshalb sah ich definitiv wie ein Tourist aus.“ Fröhlich ist jedoch beruflich in New York. Die Basketballerin spielt seit dieser Saison für New York Liberty. Nach Marlies Askamp ist sie die zweite Deutsche in der US-amerikanischen Profiliga für Frauen, WNBA.

Aus der 2000-Seelen-Gemeinde Oldendorf bei Hamburg ging Linda Fröhlich erst ans College nach Las Vegas (UNLV), dann als Profi nach New York. Bei UNLV brach sie viele Rekorde, trotzdem fiel es ihr nicht leicht, in die USA zu gehen. Zwei, drei Mal pro Woche telefoniert Linda mit ihren Eltern. „Meistens rufen sie an“, sagt die Tochter, „das ist billiger“. Bei ihrem neuen Job hat sie aber keine Geldsorgen. „Es ist zwar nicht der Hammer“, sagt Fröhlich, „aber für Frauen als Sportprofis ist es ganz ordentlich.“

In Las Vegas war sie eine Berühmtheit. In der Glitzermetropole hingen riesige Plakate von ihr. Eine Ehre sei das gewesen, aber „auch ein bisschen peinlich“. Schließlich wollte Fröhlich lieber das Team im Vordergrund sehen. Auch wegen solcher Sätze wurde sie an ihrer Uni geliebt: als Star ohne Allüren. Ihr erstes Spiel mit New York hatte sie bei den Los Angeles Sparks. Rund 50 frühere Kommilitonen reisten fast 400 Kilometer, um Linda anzufeuern. Der Fernsehsender NBC übertrug landesweit – doch sie spielte nicht eine Sekunde.

Viel hat sich daran nicht geändert. Einmal durfte sie bei einem hohen Sieg eine Viertelstunde auf das Parkett, ansonsten höchstens ein, zwei Minuten, weil sie etablierte Spielerinnen vor sich hat. Auch an das Training musste sie sich erst gewöhnen. „Teilweise dauern unsere Einheiten vier Stunden, und danach gehen wir noch zum Krafttraining.“ Als kurz vor Saisonbeginn die letzten Spielerinnen aus dem Kader gestrichen wurden, traf sie das. „Mich hat das berührt“, sagt Fröhlich, „die älteren Spielerinnen haben diese Lektion gelernt – es tut ihnen Leid, ist aber Teil ihres Jobs.“

Nach der Sommersaison möchte Fröhlich am liebsten in Deutschland spielen. Ihr alter Klub, der SC Rist Wedel aus Hamburg, macht sich schon Hoffnungen. „Die Nähe zu ihrer Familie ist ein Vorteil für uns“, sagt Trainer Marcus Köpp, „aber einige Scheine müssten wir wohl trotzdem auf den Tisch legen.“

Anderthalb Stunden dauerte früher ihr Weg aus Oldendorf bis zum Training. Erst brachte Linda Fröhlich ihre Mutter mit dem Auto bis zur Fähre, danach ging es zu Fuß weiter. Nachträglich hat der Aufwand etwas Gutes: Wenn Linda Fröhlich sich jetzt für Hamburg entscheidet, kennt sie sich dort wenigstens aus. Sven Simon

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