Sport : Profiboom und Amateurschwund

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) liegt irgendwo zwischen Paraguay und Bulgarien. Zumindest, was seine Mitgliederzahl im Vergleich zu den Einwohnern der beiden Nationen angeht. Vor dem DFB-Bundestag am Donnerstag und Freitag gab der Verband bekannt, dass seine Mitgliederzahl wieder einmal gestiegen ist, um 22 105 auf die Rekordzahl von 6 822 233. Seltsamerweise ist auf der anderen Seite die Zahl der Klubs und Teams gesunken. Wie kann das sein?

Die Nationalelf kann sich vor Sponsoren kaum retten, mit Fernsehübertragungen verdienen auch die Profiklubs Millionen. Die immer weiter steigende Attraktivität der Bundesligisten ist auch der Hauptgrund für das Wachstum des DFB. Selbst Fußball zu spielen scheint aber an Attraktivität einzubüßen. Während der Spitzenfußball boomt, verliert der Amateur- und Jugendfußball Spieler – auch wenn der Schwund angesichts der gigantischen Mitgliederzahl gering ist. In der Altersklasse der zehn- bis 14-Jährigen gibt es in dieser Saison aber immerhin 4000 Mannschaften weniger als im Vorjahr.

2,5 Millionen Euro will das Milliarden-Unternehmen DFB nun in eine Imagekampagne investieren, die das Ehrenamt bewerben soll. Außerdem sollen sich Vereine künftig online beraten lassen können, egal ob es um Feinheiten der Viererkette oder Steuerthemen für Amateurklubs geht. Diese Ansätze sind lobenswert, lösen werden sie das Problem aber nicht. Denn nicht nur der Fußball hat damit zu kämpfen, dass viele Kinder und Jugendliche heute lieber am Computer sitzen, als Sport zu treiben. Diese Entwicklung wird auch der mächtige DFB nicht umdrehen können. An einer anderen Schraube hingegen könnte der Verband tatsächlich drehen. Die Zersplitterung der Bundesliga-Spieltage kollidiert mit den Anstoßzeiten der Amateurfußballer: Die Profistadien werden also auch deshalb immer voller, weil die Amateurplätze leerer werden. Dass der DFB das Problem von dieser Seite aus angeht, ist aber nicht zu erwarten.

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