Sport : Profischüler

Wie es den Ex-Nationalspielern Ulf Kirsten und Andreas Thom beim Trainerlehrgang an der Sporthochschule Köln ergeht

Erik Eggers

Köln. Gelangweilt? „Nö“, sagt Ulf Kirsten. Er wollte ja unbedingt noch mal zur Schule gehen. Sein Ziel: Er möchte den Fußballlehrer-Lehrgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) absolvieren, erfolgreich, versteht sich. Eigentlich war er schon vorgesehen für den Sonderlehrgang vor gut drei Jahren in Hennef, als der DFB verdienten Nationalspielern diesen höchsten Trainerschein in einem sechswöchigen Schnellkurs ermöglichte. Nationalspieler wie Jürgen Klinsmann, Matthias Sammer oder Jürgen Kohler nahmen dankend an. Aber bei Kirsten erhob Trainer Christoph Daum Einwände. „Ich war ja noch voll im Geschäft“, sagt Kirsten. Als dann aber feststand, dass künftig er unter Klaus Augenthaler als Kotrainer arbeitet, hat Kirsten gefragt, ob er Versäumtes nachholen dürfe. Er durfte. „Das DFB-Präsidium hat das abgesegnet“, sagt Lehrgangsleiter Erich Rutemöller.

Seit 1947 findet dieser fünfmonatige Lehrgang an der Deutschen Sporthochschule in Köln statt. Bis 1957 drillte gar der legendäre Sepp Herberger höchstselbst die ersten Schüler, die Hennes Weisweiler oder Karl-Heinz Heddergott hießen. „Im Schnitt sind es jedes Jahr etwa 25 Teilnehmer“, sagt Hans-Günter Steinkämper von der Sporthochschule, dieser Jahrgang aber sei ein „besonders prominenter“. Nicht nur Ulf Kirsten ist dabei, sondern auch Andreas Thom, Markus Schupp, Tom Dooley, Thomas Doll, Jens Melzig und Ioan Lupescu. Jurist Steinkämper stimmt die Stundenpläne mit den Dozenten ab, regelt obendrein Formalitäten: Jeder Teilnehmer erhält Matrikelnummer und Gasthörerschein, damit er auch in der Mensa sein Essen bekommt. Dass Stars wie Kirsten und Thom mittags dort vor ihrem Salatteller sitzen, wird von den meisten Studierenden eher gleichmütig aufgenommen – noch vor ein paar Jahren war Bernd Schuster ihr Tischnachbar.

Wie ein solcher Lehrgang abläuft? „Man sitzt von morgens bis abends im Hörsaal“, sagt Andreas Thom, es gebe Einheiten zur Fußballtheorie und -praxis, Sportpsychologie, Sportmedizin, Trainingslehre und auch zwei Grundkurse zur Rhetorik. Im taktischen Bereich haben sie kürzlich die beiden letzten Spiele der Nationalelf analysiert. Selten geht es in die Praxis. Dieses Praktische, sagt Kirsten, „ist sicher leichter zu verstehen, wenn man jahrelang als Profi gespielt hat“. Wie der Ball ins Tor gelangt, weiß er selbst. Lernen denn Profis wie Kirsten, die 100 Länderspiele hinter sich haben, überhaupt etwas Neues? „Natürlich“, sagt Kirsten, „bisher habe ich das immer nur aus der Sicht des Spielers erlebt.“ Das sei ihm in den ersten Wochen des Lehrgangs, der Ende April begann, nicht anders gegangen, er stand immer noch auf Abruf im Leverkusener Abstiegskampf. „Das ändert sich aber allmählich“, meint Kirsten. „Es ist nicht so einfach, den Schalter umzulegen“, sagt Andreas Thom. „Auf einmal schlüpft man in eine andere Funktion innerhalb des Vereins, und wie man das anstellt, muss man genau überlegen.“ Thom hat den Sprung vom Spielfeld an die Seitenlinie schon vollzogen, er ist Kotrainer bei den Amateuren von Hertha BSC. Erfahrung in der Bundesliga hat er bei Hertha unter Falko Götz gemacht, am Ende der Saison 2001/2002. Diese drei Monate, in denen Hertha neun von 13 Spielen gewann, empfand er im Rückblick als „sehr lehrreich“, sagt Thom. Es sei zum Beispiel ungemein schwer, in einem großen Kader alle Spieler anzusprechen und alle gleichermaßen bei Laune zu halten.

Deswegen findet Thom es hilfreich, wenn auch fachfremde Dozenten wie Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters bei diesem Lehrgang referieren. Peters sprach kürzlich über sein Auftreten als Trainer und über die vielen Varianten bei Strafecken in seiner Sportart. „Das vergleichen wir dann schon mit den Standards bei uns“, sagt Thom. Aber natürlich ließe sich das nicht ohne weiteres auf Ecken oder Freistöße im Fußball übertragen. „Das ist ja immer auch eine Frage der Qualität der Spieler“, sagt Thom, und außerdem ist „die Kreativität das Größte, was man haben kann im Fußball.“ Man weiß schließlich gar nicht, wer da aus ihm spricht: schon der Trainer oder noch der Stürmer.

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