Sport : Progressiv vs. konservativ

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Ist Thomas Eichin nun ein Eishockeymanager, der sich im Fußball versucht oder doch eher ein Fußballer, der über den Umweg Eishockey zu seinen Wurzeln zurückkehrt? Die Frage ist für das Verständnis der Entscheidung von Werder Bremen, den 46-Jährigen zum Nachfolger von Klaus Allofs als Sportdirektor zu machen, nicht ganz uninteressant. Denn bisher ist der Fußball im Wesentlichen ein in sich geschlossenes System. Trainer- und Managerposten werden meist durch frühere Fußballer besetzt. Quereinsteiger aus anderen Sportarten sind die absolute Ausnahme. Allein schon Gedankenspiele in diese Richtung werden mit Argwohn betrachtet, erinnert sei nur an die Idee von Jürgen Klinsmann, den Hockeytrainer Bernhard Peters zum DFB-Sportdirektor zu machen.

Da darf die Entscheidung für Thomas Eichin durchaus als riskant bewertet werden. Auch wenn der den Vorteil hat, in Bremen mit Trainer Thomas Schaaf einen absoluten Fachmann an seiner Seite zu haben, der im Verein völlig unumstritten ist. Woran es Schaaf allenfalls hapert, ist die Außendarstellung. In der Öffentlichkeit wirkt der Werder-Coach oftmals knurrig, große Reden schwingt er so gut wie nie. Hier könnte Eichin ansetzen, mit seiner eloquenten Art hat er schon in Köln viel bewegt und Eishockey einem breiten Publikum gut verkaufen können – auch wenn er dabei einige Krisen überstehen musste.

In Augsburg hingegen haben sich die Vereinsverantwortlichen für die konservative Managerlösung entschieden. Stefan Reuter war als Fußballer Weltmeister, dazu mehrfacher Deutscher Meister. Als Funktionär konnte er allerdings bisher nicht wirklich überzeugen, sein klangvoller Name war zumeist auch sein Programm. Damit stellt er in gewisser Weise das Gegenteil des durchschnittlichen Fußballers, aber überdurchschnittlichen Managers Eichin dar. Dessen Verpflichtung muss deshalb nicht besser sein, mutiger ist sie aber in jedem Falle.

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