Sport : Projekt 18 Prozent

Studie der DFL legt Profifußballern Gehaltsverzicht nahe

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Berlin (AG/–cc–/miro). Den Vereinsmanagern der Ersten und Zweiten Fußballbundesliga werden heute einiges zu klären haben auf ihrer turnusgemäßen Sitzung in Frankfurt am Main. Nur wenn die Profis der 36 Lizenzvereine auf durchschnittlich 18 Prozent ihres Gehalts verzichten, kann die Liga eine Schuldenkrise vermeiden. Das geht nach einem Bericht des „Kicker“ aus einer internen Erhebung der Deutschen FußballLiga (DFL) hervor, die heute präsentiert wird.

Die in diesen Tagen veröffentlichten Bilanzen der Klubs per 30. Juni 2002 lassen einen Anstieg des Schuldenberges der Liga befürchten, unter anderem wegen der durch die Insolvenz von Kirch-Media erfolgten Reduzierung der Fernseh-Honorare. „Die Vereine werden sich einer Rosskur unterziehen müssen“, sagte Christian Müller, der DFL-Geschäftsführer Finanzen. „Wenn alle bereit sind, die Reißleine zu ziehen, können wir die Dinge mit dem eigenen Management herumreißen“, wird Heribert Bruchhagen, der DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, zitiert.

Herthas Manager Hoeneß ist verärgert

Irritiert zeigte sich gestern Werner Hackmann. Der Präsident der DFL sagte dem Tagesspiegel: „Von einem solchen Papier weiß ich nichts. Daher kann ich die Zahlen nicht bestätigen.“ Allerdings, so Hackmann, „können die Vereine nicht so tun, als würde die Kirch-Krise nicht nachwirken. Die Vereine müssen reagieren“. Die Hoffnung vieler Vereine, sich über Spielerverkäufe in der Winterpause Liquidität zu verschaffen, ist nach Auffassung von Michael Pfad, DFL-Geschäftsführer Kommunikation, trügerisch: „Viele Klubs wollen Spieler abgeben, aber nur ganz wenige können Spieler aufnehmen, deshalb existiert kein Markt.“ Hackmann spricht in diesem Zusammenhang von „einer Crux“.

Bei Hertha BSC reagierte man verärgert. „Es ist von der DFL fahrlässig, die Presse und dann erst die Vereine über die Erhebung zu informieren“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Und mit einem weiteren Seitenhieb auf die Liga: „Wir kümmern uns um unsere Finanzen selbst. Bislang hat die DFL auch nichts getan, um die finanziellen Probleme zu lösen.“

Hoeneß, der bei der heutigen Mitgliederversammlung im ICC zu der finanziellen Situation des Vereins Stellung nehmen wird, macht kein Hehl daraus, dass Hertha von den Spielern keinen Gehaltsverzicht fordern werde. „Wir begegnen der Misere mit anderen Mitteln.“ So hat Hertha die Transferausgaben für diese Saison erheblich reduziert. Stürmer Luizao beispielsweise kam ohne Ablösesumme. Allerdings verursacht der Brasilianer Monat für Monat erhebliche Kosten. Schon vorher hatte Hoeneß angekündigt, die Kosten dadurch zu senken, dass der Kader verkleinert wird. So wurde Kostas Konstantinidis zu Hannover 96 transferiert und damit von der Gehaltsliste genommen. Ob Hertha den Kader in der Winterpause verkleinern kann, ist aber fraglich. Kaum ein Verein wird derzeit in neue Spieler investieren.

Kosten einsparen will Hoeneß auch bei anstehenden Vertragsverlängerungen. Am Saisonende laufen rund ein Dutzend Verträge aus. Die Finanzen, die neben der Kirch-Krise auch durch den Stadionumbau und die Verbesserung der Infrastruktur rund um die Geschäftsstelle strapaziert werden, will Hoeneß durch „Steigerung der Einnahmen“ verbessern. Näheres wollte er dazu nicht sagen.

Bei Hansa Rostock bleibt man erst einmal ruhig. Der Aufsichtsratvorsitzende Horst Klinkmann sagt: „Wir haben im Sommer einen Wirtschaftsplan aufgestellt. Und bislang läuft es gut. Wir sehen daher keine Notwendigkeit, Einsparungen bei den Spielergehältern vorzunehmen.“ Durch die Kirch-Krise fehlen Hansa drei Millionen Euro. Kosteneinsparungen wurden durch „eine Änderung des Prämiensystems und im Verwaltungsbereich“ erzielt. Das vergangene Haushaltsjahr weist ein Defizit von einer halben Million Euro auf. Trotzdem: „Wir sind der Klub mit den geringsten Verbindlichkeiten“, sagt Klinkmann. „Wir gehen sehr konservativ mit unseren Geldern um. Früher wurde uns nachgesagt, dass wir geizig seien. Jetzt zahlt sich das aus.“ Im Sommer hat Hansa den Stürmer Rade Prica verpflichtet – für 2,2 Millionen Euro. Klinkmann sagt: „Wir haben die Transfergelder trotz der Krise pünktlich überweisen können. Es gibt Vereine, denen geht es sehr viel schlechter.“

Union fehlen 700 000 Euro

Besonders die Klubs der Zweiten Liga wurden hart getroffen. Dem 1. FC Union fehlen derzeit 700 000 Euro im 7,5-Millionen-Etat. Zur DFL-Sitzung nach Frankfurt wird heute Geschäftsführer Bernd Hofmann reisen. Er lässt über Pressesprecher Lars Töffling mitteilen: „Wir haben ein großes Loch in unseren Planungen. Aber wir stehen definitiv nicht vor der Insolvenz.“ Drei Klubs droht laut „Kicker“ die Zahlungsunfähigkeit.

Union geht es durchaus nicht gut: Am Donnerstag tagte der Aufsichtsrat und sprach über die wirtschaftliche Krise. „Union wird Einsparungen vornehmen. Wir haben ein fertiges Konzept in der Schublade liegen“, lässt Hofmann mitteilen. Präsident Heiner Bertram hatte jüngst angekündigt, dass sich Union in der Winterpause von einigen Spielern trennen wolle. Jetzt werden auch Eingriffe in die Gehaltsstruktur nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.

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