Projekt Aufstieg : Hertha will und muss begeistern

Hertha BSC hat sich wochenlang ein volles Stadion gewünscht – gegen Paderborn. Nun muss das Team spielerisch überzeugen und zeigen, dass es reif ist für die Rückkehr in die Bundesliga.

von
Ein blaues Wunder soll Paderborn erleben. Hertha hat seinen Anhang mobilisiert, 70.000 Zuschauer werden erwartet. Foto: dpa
Ein blaues Wunder soll Paderborn erleben. Hertha hat seinen Anhang mobilisiert, 70.000 Zuschauer werden erwartet.Foto: dpa

Berlin - Ein wenig wird die überwältigende Kulisse, die heute Nachmittag im Olympiastadion erwartet werden darf, an einen Tag erinnern, den so mancher Hertha-Fan liebend gern aus seinem Gedächtnis streichen würde. Es war der Tag des brisanten Stadtduells mit dem 1. FC Union. Dieser Tag hatte so gut angefangen, das Olympiastadion war mit 74.244 Zuschauern ausverkauft, und er endete aus Sicht des Gastgebers denkbar schlecht – mit einer überraschenden 1:2-Niederlage. Das ist jetzt zwei Monate her. Und doch hat es Hertha geschafft, ähnlich viele Menschen zu mobilisieren, heute könnten es 70.000 Zuschauer werden. Und das gegen Paderborn!

Hertha BSC hat heute (13.30 Uhr, live bei Sky) einiges gut zu machen, insbesondere beim zahlenden Anhang. Die vielen Zuschauer werden nicht als bloße Staffage kommen, sie wollen unterhalten, möchten bespielt werden. Hertha hat erneut die Gelegenheit, sich in die Herzen vieler Berliner und Brandenburger zu spielen. Dazu muss der derzeitige Tabellenzweite der Zweiten Liga sich von seiner sportlich attraktiven Seite zeigen. Von Hertha wird nicht nur ein Sieg erwartet, die Mannschaft muss den Anhang auch mal wieder fußballerisch begeistern. Vor allem aber muss Hertha den Beweis antreten, dass das Team reif ist für den Aufstieg in die Bundesliga.

Die Niederlage gegen die Konkurrenz aus Köpenick hat Hertha mittlerweile verwunden, wahrscheinlich überwunden. Die Mannschaft von Markus Babbel hat sich gefangen, die meisten folgenden Spiele konnten gewonnen werden, keines wurde seitdem verloren. Gleich nach der Niederlage gegen Union hatte Herthas Trainer trotzig bemerkt: „Es wird bei uns keinen neuen November geben.“ Dazu muss man wissen, dass der elfte Monat des vergangen Jahres ein sportlich denkbar schwacher Monat war für Hertha.

Alles ging los mit einer Niederlage am 11. Spieltag der Saison – in Paderborn. Hertha hatte die erste Niederlage in der Zweiten Liga hinnehmen müssen. Babbels Mannschaft spielte nicht gut, nach einer Stunde sah Stürmer Adrian Ramos nach einer Ecke der Paderborner wegen eines Handspiels die Rote Karte. Den fälligen Elfmeter verwandelte der Paderborner Krösche zum Siegtreffer. Zwar konnten die Berliner im anschließenden Heimspiel den VfL Bochum schlagen (2:0), doch dann folgten drei Niederlagen in Serie. In Osnabrück (0:2), daheim gegen den MSV Duisburg (0:2) und ein 0:1 beim TSV 1860 München. Die Niederlage in München stellte den Tiefpunkt der Aufstiegskampagne dar.

Viele fragten damals: Was ist nur plötzlich los mit Hertha? Die Mannschaft war doch so gut in die Saison gestartet. Nach zehn Spieltagen hatten die Berliner bei acht Siegen und zwei Unentschieden 26 von 30 möglichen Punkten gesammelt. Bis zum Spiel gegen Paderborn. Von da an rutschte Hertha nach unten. Erst ging die Tabellenführung verloren, dann verließ der Klub die Aufstiegsplätze. Inzwischen hatte selbst die unbedarfte Konkurrenz gemerkt, dass und wie der Mannschaft mit dem teuersten Kader beizukommen war. Nach der Niederlage in München kamen erstmals ernsthafte Zweifel auf am Gelingen des Ziels Wiederaufstieg.

Bei Hertha wurde fieberhaft nach den Gründen des sportlichen Sinkflugs gefahndet. Manager Michael Preetz sprach damals von einer „trügerischen Ruhe“, die sich nach den ersten Erfolgen im Kader breit gemacht hatte. Ein wenig wirkte es damals so, als ob sich das Team eingerichtet hätte an der Spitze der Liga, ohne aber angekommen zu sein im Unterhaus. Trainer Babbel vermisste die Gier, seine Spieler schossen plötzlich keine Tore mehr. Hertha steckte in einer ersten Krise. Es blieb bislang die einzige der Saison.

In der Rückrunde sind inzwischen wieder zehn Spieltage absolviert. Herthas Bilanz kann sich erneut sehen lassen. Von möglichen 30 Punkten haben die Berliner 23 eingesammelt. Lediglich die Heimniederlage gegen Union ist Hertha im Vergleich zur Ausbeute der Hinserie dazwischengekommen. Und jetzt kommt wieder Paderborn – ein Wahrsager.

Schon wegen dieser Rahmenbedingungen ist das heute kein x-beliebiges Spiel, bei dem es um drei Punkte geht. Unter normalen Umständen kann Hertha sich auf dem Weg in die Bundesliga nur selbst im Wege stehen. Die wenigsten zweifeln am Aufstieg. Der Verein muss mit der Erwartungshaltung in der Stadt zurechtkommen. Hertha wollte ein volles Haus. Das will nun unterhalten werden.

Autor

9 Kommentare

Neuester Kommentar