Sport : Projekt Panik

Der 1. FC Kaiserslautern rechnet mit hohen Steuerforderungen – und denkt an einen Verkauf des Stadions

Oliver Trust

Kaiserslautern. Volker Finke fühlte sich nicht wohl an diesem unwirklichen Ort. Er hatte gerade mit dem SC Freiburg im Achtelfinale des DFB-Pokals 0:2 beim 1. FC Kaiserslautern verloren, war aber trotz der Niederlage heilfroh, nichts mit den Sorgen der Pfälzer Gegner zu tun zu haben. „Wir konzentrieren uns jetzt auf das Saisonziel Aufstieg", sagte der Fußballtrainer Finke und verschwand. Zurück blieben all die traurigen Gestalten in den dunkel-blauen Klubjackets des FCK, die nicht wussten, ob sie in der gespenstischen Atmosphäre weinen oder lachen sollten. Selbst Siege auf dem Spielfeld helfen nicht mehr, weil die Niederlagen im Steuerdschungel um illegale Spielerverträge, der zu teure Stadionumbau und leere Kassen den Klub in die Insolvenz zu treiben drohen. 400 000 Euro spült der Sprung ins Viertelfinale des Pokals in die Kassen. Eine lächerliche Summe angesichts der Finanzkrise und rund 30 Millionen Euro Schulden.

Jetzt muss der Vorstandsvorsitzende René C. Jäggi ernsthaft an einen Verkauf von Nationalstürmer Miroslav Klose denken. Zur Debatte steht auch ein Verkauf des vereinseigenen Fritz-Walter-Stadions. „Für Klose liegen zwei lose Anfragen aus dem Ausland vor“, sagte Jäggi. Wahrscheinlicher aber ist ein Wechsel innerhalb der Bundesliga. Kloses Berater Michael Becker bestätigte Anfragen von Leverkusen, Dortmund, Hertha und Bayern München. Klose besitzt einen Vertrag in Kaiserslautern bis 2005, in dem eine Ausstiegsklausel für 2004 und eine festgeschriebene Transfersumme von fünf Millionen Euro enthalten ist. Die Rechte an Klose hält Toto-Lotto Rheinland-Pfalz. Die Gesellschaft hatte dem 1. FC Kaiserslautern bereits fünf Millionen Euro für die Transferrechte an Klose bezahlt. Erzielt der Klub mehr, fließt das Geld in seine Kasse.

Jäggi stellt derweil weitere Überlegungen in Richtung Stadion an. „Es ist die Frage, ob ein Klub wie der FCK ein Stadion wie das Fritz-Walter-Stadion besitzen muss“, sagte der Schweizer. Eine Projektgruppe könnte das Stadion übernehmen, und der Verein träte dann als Mieter auf. Vieles klingt nur noch nach Verzweiflung und Panik. Auf den verschuldeten Verein kommen wohl Steuernachzahlungen und Strafen zu. „Ich rechne fest mit Nachzahlungen. Und jede Abweichung bringt uns ins Wanken“, sagt Jäggi. Die hohen Zahlungen des Klubs an Spieler wie Djorkaeff, West und Ognjenovic ins Ausland am Fiskus vorbei könnten den Pfälzern zum Verhängnis werden, wenn die Rettung durch einen baldigen Klose-Transfer misslingt. Allein an West flossen 4,5 Millionen Mark für Persönlichkeits- und Werberechte. Das Geld wurde weder gemeldet noch versteuert. Das, so meinen die Finanzbehörden, erfüllt den Tatbestand der Steuerhinterziehung. In Verhandlungen mit dem Finanzamt Kaiserslautern muss nun über die Höhe der Nachzahlungen gesprochen werden. „Dann rechnen wir", sagte Jäggi. Der FCK hat zudem den Saarbrücker Strafrechtsprofessor Egon Müller eingeschaltet. Müller gilt als Mann für aussichtslose Fälle.

Heribert Bruchhagen, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), macht dem Klub jedoch Hoffnung. „Ein zahlungsunfähiger Klub muss nicht zwangsläufig vom Ligabetrieb ausgeschlossen werden. Wenn keine weiteren Sanktionen dazu kommen, kann der FCK in der Liga bleiben, wenn er es sportlich schafft", sagt Bruchhagen. Die DFL prüfe die eingereichten Unterlagen und warte die Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft ab.

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