Sport : Prominenz anbaggern

Beachvolleyball boomt und hat Sponsoren – aber dem Fernsehen reicht das nicht

Frank Bachner

Berlin. Sehen ja doch irgendwie alle gleich aus, die Beachvolleyballer. Riesengroß, durchtrainiert, braun gebrannt und natürlich immer mit cooler Sonnenbrille. Da ist’s ganz hilfreich, dass auf der Windschutzscheibe steht, wer da seinen Kleinstwagen auf dem Schlossplatz zwischen den Beachvolleyball-Feldern und den Zuschauern in eine Parklücke bugsiert. „A. Scheuerpflug“, groß genug geschrieben. Andreas Scheuerpflug, fast zwei Meter groß, schält sich aus dem Smart und erklärt zufrieden, wie gut auch einer wie er in dem Mini-Wagen sitzt.

So ist das jetzt beim Beachvolleyball in Berlin. Überdurchschnittliche Spieler wie Scheuerpflug fahren mit einem Sponsor-Kleinwagen zum Wettkampf vor. Der Fahrdienst ist neu, aber dieses Jahr ist das Beach-Turnier in Berlin ja auch ein Grand-Slam-Turnier. Da spielen die weltbesten Frauen und Männer gleichzeitig. Die Stars wohnen selbstverständlich im Fünf-Sterne-Hotel, und das Preisgeld beträgt 600 000 Dollar. Der Gesamtetat des Grand Slam liegt sogar bei 1,2 Millionen Dollar.

Frank Mackerodt kennt noch die Zeiten, als Beachvolleyballer „die Verrückten waren, die in der Sonne spielten und anschließend Party machten“. Er war ja damals dabei, 1993, als Beachvolleyball in Deutschland eingeführt wurde. Damals ging’s noch um ein paar Dosen Bier als Siegprämie. Jetzt organisiert Mackerodt mit seiner Agentur das Grand-Slam-Turnier, und eigentlich sieht ja alles prima aus. Sponsoren-Logos überall, auf Werbetafeln, Verkaufsständen, Flaggen, zielgerichtet fürs jung-dynamische Publikum. „65 Prozent des Etats bestreiten wir mit Sponsoreneinnahmen“, sagt Mackerodt. Der Weltverband FIVB zahlt 300 000 Dollar Preisgeld, sichert sich dafür aber 35 Prozent der Werbeflächen an den Plätzen. Der neue Titelsponsor der Weltserie ist erst 2003 mit großem Brimborium eingestiegen.

Das Problem von Mackerodt sind die 35 Prozent. 35 Prozent des Etats bezahlt die Stadt Berlin. Das Fernsehen, klassische Einnahmequelle eigentlich für eine boomende Sportart, überweist keinen Cent. Im Gegenteil: Mackerodts Agentur muss 55 000 Euro Produktionskosten bezahlen, damit wenigstens Eurosport das Herren-Halbfinale und -Finale live überträgt. ARD und ZDF begnügen sich mit Kurzberichten. Aber ohne garantierte Sendezeiten bei einem Free-TV-Sender gibt es keine zusätzlichen Sponsoreneinnahmen – so einfach ist das. „Im Moment sind wir ausgereizt“, sagt Mackerodt.

Für längere Übertragungen taugt Beachvolleyball offenbar nicht. Das ZDF sendete mal ein Spiel parallel zu einem Formel-1-Rennen auf RTL. Desaströse Bilanz: 600 000 Zuschauer. Und auf N3 hatte die Wiederholung (!) des „Hamburg-Journals“ doppelt so viele Zuschauer wie ein Beach-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Und jetzt? „Jetzt müssen wir mehr Boulevard machen“, sagt Mackerodt. „Mehr Promis bei den Turnieren, Verena Feldbusch etwa.“ Stoff für ein TV-Boulevardmagazin.

Schließlich kann Mackerodt ja nicht einfach den Etat für ein Grand-Slam-Turnier senken. Der Weltverband macht da klare finanzielle Vorgaben. Was wäre also ohne die Senatsgelder passiert? Mackerodt sagt gelassen: „Dann würde das Grand-Slam-Turnier hier nicht stattfinden, ganz einfach.“

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