Sport : Prominenz im Sulky

Trabrennlegende Gubellini fährt heute in Mariendorf.

Heiko Lingk
Jetzt aber schnell. OK Rapido geht heute in Mariendorf an den Start. Foto: Heiko Lingk
Jetzt aber schnell. OK Rapido geht heute in Mariendorf an den Start. Foto: Heiko Lingk

Berlin - Ein Mann von kleiner Statur mit riesengroßem Können: Der Italiener Pietro Gubellini, 43, ist einer der besten Sulkyfahrer der Welt. In seiner Heimat wird der Sportler als „Pippo Nazionale“ verehrt, er ist eine lebende Trabrennlegende. Die meisten seiner bisher 4647 Siege hat Gubellini in seiner Geburtsstadt Mailand erzielt. Er ist der Lokalmatador des Hippodrom San Siro, das gleich neben Italiens größter Fußballarena, dem Giuseppe-Meazza-Stadion, liegt. Aber auch alle anderen bedeutenden europäischen Trabrennbahnen bieten ihm die Bühne für seine meisterlichen taktischen Leistungen. Nur in Deutschland hat sich Gubellini stets rar gemacht. In Berlin war der Italiener schon seit 20 Jahren nicht mehr am Start. Doch heute gibt es ein Wiedersehen: Gubellini klettert in Mariendorf in den Sulky. Bei der Jubiläumsveranstaltung zum hundertjährigen Bestehen der Derbybahn (Beginn: 13 Uhr) geht es um Rennpreise in Höhe von 70 000 Euro.

Der Mariendorfer Rennverein jubelt über den illustren Gast, der aus einer berühmten Pferdesport-Dynastie stammt. Gubellinis Vater ist selber ein bekannter Trabrennfahrer. Sein Großvater, der bei einem tragischen Sturz ums Leben kam, war einer der besten italienischen Galoppjockeys der Geschichte. Die Berlin-Visite wird für Gubellini, der bereits mit 21 Jahren Europameister wurde, aber eine hastige Tempojagd. Schon nach wenigen Stunden sitzt der Italiener wieder im Flugzeug, da er am frühen Abend in seiner Heimat an dem mit 45 000 Euro dotierten Gran Premio in Treviso teilnehmen wird. Dass sich Gubellini trotzdem diesen Stress antut, hat einen guten Grund: Der Profi startet für Deutschlands prominentesten Rennstall. Gubellini wird die beiden Hengste Rapido OK und Gri Harry des Gestüts Catch Glory in der kleinen bayrischen Gemeinde Mengkofen steuern. Es gehört der früheren Tennisspielerin Anke Huber und ihrem Mann Roger Wittmann gemeinsam mit dem Ex-Fußballer Mario Basler und Kevin-Prince Boateng vom AC Mailand. Beiden Pferden gelten große Hoffnungen. Während Gri Harry für das Derby am 4. August probt, könnte sich Rapido OK sogar auf höchster internationaler Ebene etablieren – ein Pferd, das höllische Schnelligkeit besitzt.

In der letzten Saison hatte Rapido OK, damals noch mit dem Mariendorfer Derbysieger Josef Franzl im Sulky, seine Stärke überlegen ausgespielt und zwei bedeutende Zuchtrennen gewonnen. Die Erfolgsaussichten des Rennstalls für das Jahr 2013 erschienen rosig – doch dann kam das Wetter ins Spiel. „Die Witterungsbedingungen in Bayern waren in den vergangenen Monaten eine einzige Katastrophe und haben uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Wittmann, der vor allem als Spielerberater bekannt ist. „Selbst im Mai hatten wir noch Minusgrade und dann kam Regen ohne Ende – wir konnten Rapido OK nie optimal trainieren. Wir wissen also nicht, wo der Hengst derzeit steht und sind mächtig gespannt, was in Mariendorf passiert.“ Nach Gubellinis Fahrt im Sulky von Rapido OK wird er schlauer sein. Heiko Lingk

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