Sport : Protest auf der Stelle

Beim All-Star-Spiel demonstrieren die Basketballer für mehr Mitspracherechte in der Bundesliga

G. Brower-Rabinowitsch,D. Hess[Köln]

Die 12 115 Zuschauer in der Kölnarena sind verblüfft. Selbst dem sprachgewaltigen Hallensprecher Frank Piontek fehlen die Worte. Das 17. All-Star-Spiel der Basketball-Bundesliga (BBL) ist angepfiffen, und Aufbauspieler Mithat Demirel, Nationalspieler und Star der Nord-Mannschaft, dribbelt auf der Stelle. Kein Spieler des Süd-Teams greift an, keiner aus dem Norden verlangt den Ball. Nach 24 Sekunden, so lange darf ein Angriff beim Basketball dauern, pfeift Schiedsrichter Andreas Schreiner ab. Der Süden bekommt den Ball. Das Spielchen wiederholt sich. Nationalspieler Pascal Roller, Aufbau der Süd-Mannschaft, dribbelt auf der Stelle. Nach 48 Sekunden ist der Spuk vorbei. Kommentator Piontek, sonst die „Stimme“ des FC Schalke 04, ruft erleichtert: „Jetzt geht es los.“

Die ersten 48 Sekunden des Spiels am Samstagabend waren zwar die spielerisch langweiligsten Sekunden in der Geschichte der BBL – aber wohl auch die interessantesten: Denn die Spieler protestierten zum Erstaunen der ahnungslosen Zuschauer und Liga-Verantwortlichen mit dem Stand-Spiel gegen die BBL. „Wir versuchen seit Monaten, mit der Liga Gespräche zu führen, aber die blockt ab“, sagte Pascal Roller von den Opel Skyliners nach dem Spiel. Die Spieler wollten mit der Aktion einen „Fuß in die Tür“ der Profiliga setzen, um etwa beim Spielplan mehr Mitspracherechte zu bekommen. Das All-Star-Spiel zu boykottieren, wurde laut Roller auch wegen des guten Zwecks der Veranstaltung nicht debattiert: Die 16 BBL-Vereine sammelten zu Gunsten der Flutopfer in Südostasien 116 368 Euro und leiteten sie an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef weiter.

Der Ärger zwischen Spielern und BBL ist dennoch nicht vom Tisch: Roller, der sich am Samstag zum Sprachrohr der Spieler der deutschen Profiliga machte, schließt boykottierte Liga-Spiele nicht aus. „Wir haben noch nichts beschlossen, aber wir haben die Möglichkeit“, sagt er. Er hoffe jedoch, dass die BBL endlich auf die Spieler zukomme.

Die BBL-Basketballer sind im Vergleich zu den großen Brüdern in den USA, den Stars der Profiliga NBA, oder auch der italienischen und spanischen Profiligen noch nicht gut organisiert. „Im Gegensatz zu Spanien hat die BBL nicht den Status eines Arbeitgebers, der liegt bei den Klubs. Ich verstehe auch nicht, dass Spieler, die bei uns auf Händen getragen werden, nach einer Gewerkschaft rufen. Das ist ein bisschen diffus“, sagte BBL-Generalmanager Otto Reintjes. Unklar sei beispielsweise, wie viele Spieler gewerkschaftlich organisiert sind.

Das ist auch nicht verwunderlich: Anders als in der NBA etwa, wo jeder Spieler, der einen Vertrag bei einem Verein unterschreibt, automatisch Mitglied in der mächtigen Spielergewerkschaft ist, kostet die Mitgliedschaft bei Verdi in Deutschland Geld. Verdi ist neben der kostenlosen Sports Union e.V., die von ehemaligen Spielern gegründet wurde, eine von zwei Gewerkschaften. Laut Roller ziehen beide „an einem Strang“. Bundestrainer Dirk Bauermann, am Samstag Trainer des Südens, versteht die Spieler: „Sie haben einen verantwortungsvollen Weg für ihren Protest gefunden.“ Im Klartext: Sie haben niemanden wehgetan. Sie haben die BBL aber auch nicht schockiert: „Das war nur ein kleiner Mini-Protest“, sagte ein BBL-Sprecher.

Die Proteste der Spieler richten sich unter anderem gegen den Weihnachtsspielplan. Die Frankfurter Spieler mussten etwa am 23. Dezember in der Europaliga spielen und am ersten Weihnachtstag in der heimischen Liga. Keine Zeit für die Stars aus den USA, die Feiertage in der Heimat zu verbringen. Vor zwei Jahren habe die BBL mit allen Vereinsmanagern darüber gesprochen, die Mehrheit sei damals dafür gewesen, an den Feiertagen und zwischen den Jahren zu spielen – „weil in dieser Zeit die Hallen voll werden“. Der Spielplan ist nicht das einzige Anliegen. Die Gewerkschaften wollen auch die hohe Zahl der ausländischen Spieler reduzieren. „Es müsste eine Ausländerquotierung geben, so dass mehr Deutsche spielen können“, sagte Verdi-Mitglied Roller. Die Deutsche Eishockey-Liga habe das vorgemacht.

Gespielt wurde in der Kölnarena übrigens auch noch, 39 Minuten und zwölf Sekunden. 110:103 gewann der Süden.

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