PROTEST GEGEN BUNDESLIGA : Weitere Proteste von Amateurklubs

Immer mehr Vereine wollen gegen die Anstoßzeiten der Fußball-Bundesliga protestieren. Norbert Bauer hat den Streikplan initiiert.

Sebastian Stier

Eigentlich hatte sich Norbert Bauer sein Rentnerdasein anders vorgestellt. Seit einigen Wochen hetzt der Vorsitzende des SSV Buer von Termin zu Termin, wie er am Telefon erzählt. Fernsehanstalten, Zeitungen, Radiosender – alle reißen sich um den 58-Jährigen, seit der gemeinsam mit anderen Vereinsvertretern des Fußballkreises Gelsenkirchen zum Streik gegen die Pläne der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aufgerufen hatte. Ein Treffen zwischen dem DFL-Präsidenten Reinhard Rauball und der verärgerten Basis am vergangenen Montag konnte nichts daran ändern, dass Bauer und seine Mitstreiter weiterhin vehement gegen die Einführung eines weiteren Sonntagsspiels in der Fußball-Bundesliga protestieren. Die Amateurvereine sorgen sich vor allem um ihre Zuschauerzahlen, da ein Bundesligaspiel am Sonntag um 15 Uhr 30 in direkter Konkurrenz zu den Amateurspielen steht. Um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen, planten die Amateurvereine des Kreises Gelsenkirchen am 1. März nicht zu ihren Spielen anzutreten.

Dazu wird es allerdings nicht kommen. Zumindest nicht in der Form, wie es sich Nobert Bauer gewünscht hatte. Der Fußball- und Leichathletik-Verband Westfalen (FLVW) setzte kurzerhand den kompletten Spieltag vom 28. Februar bis 1. März ab. Um „die Chancengleichheit in den Staffeln beizubehalten und die Vereine vor Sanktionen zu schützen“, wie Carsten Jaksch-Nink, Direktor des FLVW, auf Nachfrage sagt. An eine Entspannung zwischen den Amateuren und den Profis ist derzeit nicht zu denken. Wenn es schon keinen Streik geben darf, solle es wenigstens zu einer Protestveranstaltung kommen, bekräftigt Norbert Bauer. Die beschwichtigenden Vorschläge, künftig Benefizspiele mit Bundesligabeteiligung zu Gunsten der Amateurvereine zu bestreiten (Rauball) oder finanzielle Ausgleichszahlungen vorzunehmen (DFB-Präsident Theo Zwanziger), hält der Vositzende des SSV Buer für „völligen Quatsch“. Er sagt: „Wir wollen primär, dass man uns den Sonntag lässt. Unser Vereinsleben soll intakt bleiben und nicht auseinander gerissen werden.“ Unterstützung erhalten die westpfälischen Freizeitkicker mittlerweile aus ganz Deutschland. Im Kreis Esslingen im Stuttgarter Raum kommt es am kommenden Freitag zu einer außerordentlichen Staffeltagung. Dort wollen die Vereinsvertreter über Möglichkeiten der Solidarisierung diskutieren. Ähnliche Ansätze gibt es in Wiesbaden.

Fußballfunktionär Carsten Jaksch- Nink zeigt zwar Verständnis für die Haltung der Amateure. Er wünscht sich aber, dass sie beim kommenden Treffen mit den DFB-Spitzen Theo Zwanziger und Hermann Korfmacher am 25. Febraur in Bielefeld „nicht auf einer starren Abwehrhaltung zu beharren“. Die Amateure müssten bei ihrem Protest auch realistisch bleiben. „Im schlimmsten Fall spielen die Bundesligisten aus dem Ruhrgebiet zwei bis drei Mal pro Saison am Sonntag.“ Für diesen Fall bietet der FLVW-Direktor den Amateuren folgende Lösung an: Im Falle eines Sonntagsspiels mit Beteiligung einer Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen sollen die Amateure in Zukunft unbürokratischer ihre Spiele auf einen anderen Zeitpunkt verlegen können. Bisher war ein Verlegungsantrag der Anstoßzeit etwa an eine Zustimmung des Verbandes und der Gastmannschaft geknüpft. Diese Barrieren sollen laut Jaksch-Nink nun wegfallen.
Ob das den aufgebrachten Rentner Norbert Bauer besänftigt?

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