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Protest gegen RB Leipzig : Die Fans des 1. FC Union sehen schwarz

Am kommenden Sonntag empfängt der 1. FC Union zum Heimspiel Aufsteiger Rasenballsport Leipzig. Die Fans des Berliner Zweitligisten planen für das Aufeinandertreffen umfangreiche Protestaktionen gegen den umstrittenen Gegner.

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Immer bunt, Sonntag schwarz: Die Fans des 1. FC Union bekennen Farbe.
Immer bunt, Sonntag schwarz: Die Fans des 1. FC Union bekennen Farbe.Foto: Imago

Schwarz soll am Sonntag im Stadion An der Alten Försterei dominieren. Jedenfalls auf den Rängen. Die Fans des 1. FC Union werden womöglich beim Heimspiel gegen RB Leipzig auf farbenfrohe Utensilien verzichten und stattdessen die Zweitliga-Begegnung im Trauergewand in schwarzen Jacken verfolgen. Dazu sollen Spruchbänder aufgehängt und in den ersten zehn Minuten geschwiegen werden. Auf diese Weise wollen sie ihre Ablehnung gegenüber dem Rivalen kundtun.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass Fans des einen Klubs ihrem Gegner für gewöhnlich keine Sympathie entgegenbringen. Was RB Leipzig betrifft, ist die Situation jedoch eine besondere. Der Klub wird von dem aus Österreich stammenden Brausehersteller Red Bull alimentiert, Konzern-Chef Dietrich Mateschitz hat in den vergangenen Jahren sehr viel Geld investiert, um den Klub in den Profifußball zu hieven. Zuletzt gelang der Durchmarsch durch die Dritte Liga, auch die Zweite Liga wird aufgrund der finanziellen Leipziger Überlegenheit nur eine Durchgangsstation sein. RB liegt nach fünf Spieltagen auf dem zweiten Platz.

Kritiker sehen das Modell RB Leipzig als Werbekampagne

Kritiker sehen in dem Modell eine großangelegte Werbekampagne, der Fußballklub diene einzig und allein dem Zweck, die Popularität des Getränkeherstellers zu steigern.

Ein Verein als Litfaßsäule, der wegen dieser Ausrichtung immer wieder aneckt. Auch rechtlich. Im Sommer wurde Leipzig die Lizenz zur Zweiten Liga im ersten Anlauf durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) verweigert, weil diese Verstöße gegen bestehende Regularien ausgemacht hatte. So musste RB etwa sein Wappen ändern, weil es zu sehr dem Firmenlogo ähnelte. Der Vorstand setzt sich überwiegend aus Firmenvertretern zusammen, Mitgliedern ist es im Gegensatz zu anderen Klubs nicht möglich, die Vereinspolitik im Rahmen einer Mitgliederversammlung mitzugestalten. Auch bei der Namensgebung hatte es Probleme gegeben. Weil in Deutschland Firmennennungen im Namen von Fußballvereinen verboten sind, nannte Mateschitz den Klub in Leipzig offiziell Rasenballsport. Dass RB öffentlich eher mit Red Bull als mit Rasenballsport in Verbindung gebracht wird, ist von Konzernseiten natürlich gewollt.

Nicht nur in Berlin betrachten viele Fans RB Leipzig derzeit als das Feindbild schlechthin. Mehr noch als die durch Mäzene oder Konzerne finanziell stark unterstützten Vereine TSG Hoffenheim und VfL Wolfsburg.

Immer wieder gibt es Proteste gegen RB Leipzig

Im Sommer gründeten verschiedene Fangruppen, die Initiative „Nein zu RB“. Immer wieder gibt es stadionübergreifende Proteste gegen Leipzig. Am vergangenen Wochenende boykottierten die Fans von Eintracht Braunschweig die Reise nach Leipzig, um RB auf diese Weise wenigstens etwas Eintrittsgeld vorzuenthalten. Fans des Karlsruher SC wollen dagegen am kommenden Mittwoch nach Leipzig fahren. Sie haben am Spieltag eine Demo im Stadion angemeldet: „Gegen Kommerzialisierung und für das Ehrenamt.“ Die Veranstaltung soll vor dem Spiel stattfinden, welches die Fans aus Karlsruhe in den umliegenden Kneipen anschauen wollen.

Die Fans des 1. FC Union betrachten das Leipziger Modell als größtmöglichen Kontrast zu ihrem Klub, der sich besonders anhängernah und demokratisch gibt. Als die sportliche Führung der Berliner vor drei Jahren ein Testspiel gegen die damals noch viertklassigen Leipziger vereinbart hatte, regte sich unter den Fans heftiger Widerstand. Daraufhin wurde das Spiel abgesagt. Unions Präsident Dirk Zingler begründete den Schritt mit den Worten: „Nicht alles, was sportlich sinnvoll erscheint, passt zu Union.“

Am Sonntag gibt es kein zurück, dann muss der 1. FC Union gegen RB Leipzig antreten. Ob es sportlich sinnvoll ist, lässt sich derzeit vor allem aus Berliner Sicht diskutieren. Union ist Vorletzter, RB Zweiter.

Protestaktionen gegen RB Leipzig
Stumm und ganz in Schwarz: So zeigten die Fans von Union Berlin in den ersten 15 Minuten ihres Heimspiels gegen RB Leipzig ihre Ablehnung gegen Retortenklub des Getränkeherstellers Red Bull. Doch auch andernorts setzten die Fans bereits Zeichen - hier eine Auswahl:Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: dpa
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