PROTESTE UND STRAFEN : Gold verloren

Eines der Grundprinzipien der olympischen Charta besagt, dass jede Art der Diskriminierung eines Landes oder einer Person aus Gründen der Rasse, Religion, Politik oder des Geschlechts nicht mit der olympischen Bewegung vereinbar ist. Die Charta untersagt auch jede Form der Demonstration sowie jede politische, religiöse oder rassistische Propaganda an olympischen Stätten oder Austragungsorten. Wie verfährt man aber mit Athleten oder Funktionären, die sich trotzdem politisch äußern? Das bekannteste Beispiel stellen die beiden US-Athleten Tommie Smith und John Carlos dar, die bei den Sommerspielen 1968 in Mexiko City bei der Siegerehrung die Faust nach oben streckten, das Zeichen der Black-Power- Bewegung gegen die Unterdrückung der Afro-Amerikaner. Laut der Charta kann die Missachtung der olympischen Regeln zu Disqualifizierung oder Entziehung der Akkreditierung führen. „Die endgültige Entscheidung trifft die IOC-Exekutive vor Ort“, sagt Stefan Volknant vom Deutschen Olympischen Sportbund. Smith und Carlos wurden vom Nationalen Olympischen Komitee der USA nach Hause geschickt, Smith musste sogar seine Goldmedaille abgeben. Anders verlief es in der Vergangenheit bei Politikern. US-Präsident George W. Bush hielt sich 2002 in Salt Lake City, als erster Staatschef überhaupt, nicht an die offizielle Formulierung, sondern eröffnete „stellvertretend für eine stolze, entschlossene und dankbare Nation“ die Winterspiele. Empörungsrufe waren die einzige Folge. Nicht so nachsichtig war das IOC 1936 in Berlin, als es Adolf Hitler ermahnte, deutsche Olympioniken nicht in seiner Loge persönlich zu beglückwünschen. JM

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