Pro&Contra : Für wen soll man jetzt im Finale jubeln?

Deutschland ist ausgeschieden, im Finale der WM stehen Spanien und Holland. Doch zu wem soll man da halten? Lorenz Maroldt und Helmut Schümann beziehen Position.

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Das Finale steht fest: Die Spanier stehen im Endspiel gegen die Niederlande.Alle Bilder anzeigen
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09.07.2010 13:23Das Finale steht fest: Die Spanier stehen im Endspiel gegen die Niederlande.

Spanien: Nein, ich möchte keinen Campingwagen-Korso auf dem Kurfürstendamm sehen. Ich will auch nicht umarmt werden von Menschen, die aussehen wie Müllwerker auf dem Weg zur Loveparade. Auch deshalb wäre es mir lieber, wenn Spanien das Finale gewinnt. Dabei habe ich gar nichts gegen Holland. Manche Menschen dort begrüßen ihre Gäste aus Deutschland noch immer gerne freundlich mit ausgestrecktem Arm. Und dass sich Ronald Koeman 1988 nach dem gewonnen Halbfinale bei der Europameisterschaft mit dem Trikot von Olaf Thon den Hintern abgewischt hat – na ja, was hätte er denn sonst damit tun sollen? O.k., Frank Rijkaard musste 1990 beim Achtelfinale der Weltmeisterschaft Rudi Völler nicht unbedingt gleich zweimal anspucken, das war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber: immerhin ehrlich. In meiner WG waren damals übrigens alle außer mir für Holland, weil das Land viel netter und lieber und sozialer und friedlicher sei. Das war noch vor Srebrenica und Pim Fortuyn.

Für Spanien spricht auch – Spanien. Del Bosques Team ist das Original, das von Löw war dessen nicht ganz so gute Kopie. Keine Schande, gegen eine solche Mannschaft zu verlieren, solange es nicht einer anderen Mannschaft gelingt, sie zu besiegen. O.k., vergessen wir mal kurz die Schweiz. Ein bisschen Dankbarkeit haben die Spanier auch dafür verdient, dass sie den Gockel Ronaldo zum Lama gemacht haben bei der WM. Und auch aus europäischer Sicht wäre ein Sieg Spaniens wertvoller als einer von Holland: Aufgepumpt mit Weltmeisterstolz, geben die Ratingagenturen dem finanzkriselnden Land bestimmt wieder bessere Noten. Sonst müssen wir die Spanier am Ende nicht nur trösten, sondern auch noch retten. Lorenz Maroldt

Holland: Gleich hinter der niederländischen Grenze nach Deutschland, im Rheinland nämlich, da sagt man, dass man auch gönnen können muss (man sagt: Jönne könne). Deswegen, liebe Holländer, jetzt, da die großen Jungs nicht mehr mitspielen – ihr wisst schon: die großen Jungs, das sind die vom dreimaligen Weltmeister des Nachbarlandes – jetzt dürft ihr auch mal. Und auch, weil ohnehin die halbe Mannschaft beim Nachbarn in der Bundesliga kickt, teilweise nicht schlecht übrigens, Mark van Bommel und Arjen Robben haben schließlich nicht unwesentlichen Anteil daran gehabt, dass wir in der vergangenen Saison der Champions League ganz wunderbare Abende mit dem FC Bayern München verbracht haben. Die Pro-Holland-Kampagne ist also nicht nur eine großzügige Bewegung, sie ist auch eine dankbare. Dank auch dafür, dass ihr seinerzeit so nett gewesen seid, Bernd Hölzenbein im Strafraum zu foulen, woraufhin Paul Breitner den Elfmeter verwandelte, woraufhin dann Gerd Müller das Siegtor erzielte, ihr wisst schon, 1974, München, Weltmeisterschaft, als die großen Jungs selber mitspielten. Pro Holland auch, weil man ja auch mal vergessen muss und Frank Rijkaard sich längst ausgesprochen hat mit Rudi Völler und augenscheinlich in dieser Mannschaft lauter nette Kerle spielen und keiner wie Ronald Koeman. Dass euer Assistenz-Trainer Frank de Boer ist, der früher immer fies und rassistisch gegen die Surinamer im Team gestänkert hat, ist allerdings eine Kröte, die Pro Holland zu schlucken hatte. Aber die wird ausgeglichen von Sabine vom Café Lentz, die ist supernett und Holländerin. Also Pro Holland, weil ihr ja sonst nichts zu lachen habt mit eurem Rechtspopulisten Wilders und mit der inoffiziellen Fanhymne: "Viva Hollandia". Helmut Schümann

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