• Prozess gegen früheren DDR-Sportchef: Ewald verhandlungsfähig - Verteidiger fordert ein Ende des Verfahrens

Sport : Prozess gegen früheren DDR-Sportchef: Ewald verhandlungsfähig - Verteidiger fordert ein Ende des Verfahrens

Der frühere DDR-Sportchef Manfred Ewald ist laut einem gerichtlich bestellten Gutachter verhandlungsfähig. Die Verteidigung des 74-Jährigen forderte daraufhin vor dem Berliner Landgericht, das Spitzenverfahren um das systematische Doping im DDR-Sport niederzuschlagen. Doping sei in der DDR nicht strafbar gewesen, sagte Rechtsanwalt Frank Osterloh in seinem 65 Minuten langen Antrag. Das Gericht entschied darüber zunächst nicht, die Nebenklage warf Manfred Ewald wegen des umfangreichen Antrags eine Verzögerungstaktik vor.

"Jetzt wird auf Zeit gespielt", sagte DDR-Dopingopfer Brigitte Michel nach der Verhandlung. Nachdem es Ewald nicht gelungen sei, aufgrund seiner Gesundheit aus dem Verfahren auszuscheiden, wolle er jetzt das Verfahren bis zum Eintritt der Verjährung verzögern, meinte die frühere Diskuswerferin. Die Ewald zur Last gelegten Taten würden am 2. Oktober verjähren.

Ewald-Verteidiger Osterloh kritisierte in seinem umfangreichen Antrag die komplette Aufarbeitung des staatlichen DDR-Unrechts durch die Justiz. "Doping war zur Ereigniszeit keine Straftat", sagte er. Auch sei pflichtgemäßes Handeln nach DDR-Recht nicht strafbar. Osterloh kritisierte die Verletzung völkerrechtlicher Verträge durch die Bundesrepublik und erklärte, auch wegen des speziellen DDR-Arzneimittelgesetzes liege keine strafbare Körperverletzung vor.

Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Dirk Dickhaus berichtet, dass Ewald nach seinem Fernbleiben vom Prozess in der vergangenen Woche erneut ärztlich untersucht worden sei. Daraus sei keine weitere Einschränkung der Verhandlungsfähigkeit - bislang mindestens zwei Stunden pro Prozesstag - abzuleiten. Osterloh sagte dazu, dies stehe nicht im Widerspruch zu dem ärztlichen Attest einer Hausärztin, mit der Ewald in der Vorwoche sein Fernbleiben entschuldigt hatte: "Er war krank und ist jetzt wieder gesund", sagte der Anwalt.

Ewald muss sich gemeinsam mit dem Sportmediziner Manfred Höppner wegen Beihilfe zur Körperverletzung verantworten.

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