Sport : Psychologe und Taktikter

Benedikt Voigt

Oberstdorf - Vielleicht tragen die Angestellten des Deutschen Skiverbandes die Farbe Orange, um in einem Schneesturm besser geortet werden zu können. Freitagnacht jedenfalls, als in der WM-Bar neben der Oberstdorfer Kirche der Partysturm wütete, halfen ihnen ihre auffallend leuchtenden Anoraks, um sich in der feierwütigen Meute wieder zu finden. Mittendrin ließ sich eine orangefarbene Runde nicht vom Tanzen abhalten, obwohl Lieder gespielt wurden, welche die gerade noch erträgliche Wiederholungsgrenze überschritten haben. Mittendrin schunkelte Hermann Weinbuch.

Der Bundestrainer in der Nordischen Kombination hat seinen größten Erfolg als Trainer gefeiert. Zwar sammelte er schon olympische Medaillen, aber der Doppelsieg von Ronny Ackermann und Björn Kircheisen bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf dürfte die in den Hintergrund stellen – zumal das Finale im Langlauf über 15 Kilometer unglaublich dramatisch verlief. Erst bei der letzten Abfahrt zog Ackermann am Führenden Felix Gottwald vorbei. „Danach hieß es nur noch reinkloppen bis die rote Linie kommt“, sagte Ackermann.

Weinbuch darf sich als Vater des Erfolges fühlen. Zum einen hat er die Taktik für die Abfahrt ausgegeben. „Er sollte eine Lücke lassen, um Schwung zu holen und im Windschatten angesaugt zu werden“, sagte Weinbuch. Zum anderen hatte er bis zuletzt mit Ackermann an dessen Sprungposition gefeilt. Dieser hatte die Saison gut begonnen, arbeitete sich im Gesamtweltcup auf Rang zwei hinter dem Finnen Hannu Manninen vor. Allerdings hatte sich im Springen ein technischer Fehler eingeschlichen, den Ackermann durch gute Leistungen wettmachte. Trotzdem entschloss sich Weinbuch, den Fehler noch vor der WM zu beheben. „Das war ein großes Risiko“, sagte Ackermann. Denn bis zuletzt waren seine Sprünge nicht perfekt. Am Freitag aber ist er beim Optimum angekommen. „Ich hatte heute meine besten vier Sprünge“, sagte Ackermann. Es war die Grundlage des Erfolges.

Auch psychologisch bereitete Weinbuch Ackermann vor. „Der Druck liegt auf Hannu Manninen“, sagte der Trainer, „du kannst angreifen, du musst nicht gewinnen.“

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