Sport : Psychologie der Play-offs

Vor Spiel vier reden Eishockey-Meister Eisbären und Außenseiter Krefeld nur von ihren Stärken

Claus Vetter

Berlin - Teal Fowler wusste, was er zu sagen hatte. Der Trainer der Krefeld Pinguine sprach nach dem 4:5 in Berlin von einer Niederlage, mit der seine Spieler umgehen können, „denn sie haben Charakter“, sagte Fowler, „außerdem haben wir als Underdog gegen die Eisbären nichts zu verlieren.“ Verloren hat Krefeld aber schon zweimal in der Viertelfinalserie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Seit ihrem 5:4-Erfolg am Sonntag führen die Eisbären in der nach dem Modus „Best of seven“ ausgespielten Serie 2:1. Und natürlich hat sich Fowler im Sportforum unmittelbar nach der Schlusssirene aufgeregt, nicht zitierfähig geflucht – auch wenn er später bei der Spielanalyse in die Rolle eines aufgeräumten Gentleman-Trainers schlüpfte und zeigen wollte, dass er seine Emotionen im Griff hat. Aber derlei Rollenspiele gehören zur Psychologie der Play-offs – genauso wie viel Rhetorik.

Fowler wird es vor Spiel vier heute in Krefeld nicht langweilig, sein Team in die Außenseiterrolle zu drängen. Schließlich seien die Berliner nach der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga Tabellenerster gewesen und Krefeld nur Achter, sagt der Trainer. Eisbären-Stürmer Stefan Ustorf findet dagegen: „Die ersten acht Teams in der DEL liegen von ihrem Niveau her eng beieinander. Da gibt es in den Play-offs keine Außenseiter.“

Tatsächlich ergeben sich in der Endrunde Situationen, die sich in der Hauptrunde nicht erproben lassen. Da spielt ein Team selten binnen zwei Tagen gegen denselben Gegner, da hat rhetorisches Geplänkel von Trainern und Spielern nach Spielen nicht die Wirkung wie in den Play-offs. „Und dann hast du in der Hauptrunde immer im Kopf, dass sich bei 52 Spielen eine Niederlage leichter korrigieren lässt“, sagt Peter John Lee, Eisbären-Manager und ehemaliger Eishockey- Profi.

Lee wirkt entspannt. Die Statistik aus den ersten Spielen gegen Krefeld mache ihm Mut. „Ehrgeiz und Energie reichen im Eishockey nur für 30 Spielminuten. Danach entscheidet die bessere Technik.“ Die hätten die Eisbären. „Das Glück war noch nicht auf unserer Seite“, sagt Krefelds Verteidiger Richard Pavlikovsky dazu. „Aber das wird sich ändern.“

Außenseiter und Favorit reden sich also vor dem vierten Spiel stark. Das ist in den Play-offs ein Mittel, um den Gegner unter Druck zu setzen. Sicher ist dabei derjenige im Vorteil, der auch an das glaubt, was er sagt.

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