Sport : Psychologie ist vor Hockenheim im Spiel

HARTMUT MOHEIT

BERLIN .Auf dem Siegerpodest hüpfte Mika Häkkinen wie ein kleiner Junge hin und her.Nur ein paar Minuten später war jegliche Euphorie beim Finnen anscheinend schon wieder verflogen.Gemeinsam mit David Coulthard hatte er beim Großen Preis von Österreich, dem zehnten von 16 WM-Läufen in der Formel 1, zwar den "Silberpfeilen" neuen Glanz verliehen, aber von einer Vorentscheidung wollte man im Lager von McLaren-Mercedes noch nichts wissen.Dessen war sich offensichtlich auch der nunmehr fünfmalige Saisonsieger sicher.Immerhin kann sich ein Fahrer im Maximalfall noch 60 Punkte anschreiben lassen.Was bedeuten unter diesem Vorzeichen die acht Zähler vor Michael Schumacher, über die Häkkinen wieder als Polster verfügt? Die Hoffnung, daß gestern noch Punkte am "Grünen Tisch" in Paris hinzukommen würden, mußte er erst einmal auf heute vertagen.Es wäre allerdings ein Wunder, wenn das Chaos-Rennen von Silverstone am 12.Juli im nachhinein Häkkinen zugesprochen würde.Wahrscheinlicher ist eine Bestrafung der Rennkommissäre aus Indien, Kanada und England wegen ihrer Formfehler.Der Schumacher-Sieg in der Boxengasse wird wohl somit in die Formel-1-Geschichte als Fauxpas eingehen.

Für die beiden Hauptkontrahenten bleibt allerdings kaum Zeit, über diese Geschichte endlos lange nachzudenken.Hockenheim, der mit Spannung erwartete Deutschland-Grand-Prix, steht bereits am kommenden Sonntag an.In erster Linie werden nunmehr psychologische Tricks ins Spiel gebracht, um den jeweiligen Kontrahenten zu verunsichern.Und es scheint, als habe McLaren-Mercedes die besseren Trümpfe in der Hand.Nicht nur, daß Häkkinen dem deutschen Ferrari-Star - obwohl dieser mit dem leichteren Auto gestartet war - keine Chance zum Überholen gab, sondern ihn damit zu einem entscheidenden Fahrfehler trieb.Das dürfte den Wahl-Monegassen im Kopf zweifellos stark gemacht haben.Darüberhinaus waren schließlich noch kurz zuvor, mit Blick auf den Hochgeschwindigkeitskurs von Hockenheim, die Tests in Monza.Häkkinen und Coulthard, die im "Highspeed" ohnehin unschlagbar sind, ließen dabei die roten Renner aus Maranello hinter sich.Für Mercedes-Sportchef Norbert Haug befindet sich damit und dem Doppelsieg auf dem A1-Ring alles im grünen Bereich."Wir sind auf einem guten Weg.Der Doppelerfolg war der Anheizer für Hockenheim.Es ist ein stolzes Gefühl, wenn wir bei unserem Heim-Grand-Prix als Leader antreten.Wir sind optimistisch", meinte er noch am "Champagner-Tag" in der Steiermark.

Es wäre allerdings nicht der zweimalige Weltmeister und 31malige Renn-Sieger Michael Schumacher, wenn dieser klein beigeben würde.Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten (Teamkollege Eddie Irvine: "Michael ist ein Phänomen") hat er ja in Spielberg demonstriert, als er vom 16.Rang aus das Feld von hinten aufrollte.Selbst wenn ihn Irvine nicht vorbeigelassen hätte, stände seine Klasse-Vorstellung außer Frage."Ich freue mich schon auf Hockenheim und mache mir keine Sorgen", sagte Schumacher dementsprechend zuversichtlich."Für den deutschen Grand Prix haben wir ein paar Weiterentwicklungen, und wir sollten da konkurrenzfähig sein." Ob erstmals der längere Radstand an seinem Ferrari eingesetzt werden wird, ließ er noch offen.Vielleicht ist das ein "As im Ärmel" für Hockenheim.

Zuversichtlich kann Michael Schumacher auch in die Zukunft blicken, nicht nur wegen des eigenen "Jahrhundertvertrages" (bis 2002 ein Gehalt von 225 Millionen Mark) mit Ferrari.Sein "Adjutant" und "Wasserträger" Irvine soll nach einem Bericht der meist gut informierten "Gazzetta dello Sport" seinen Vertrag für die kommende Saison verlängert haben."Eddie ist ein loyaler Kollege, er paßt sehr gut zu uns.Von allen Teamkollegen, die ich bisher hatte, ist er der Schnellste und Beste", sang Schumacher schon öfter ein Loblied auf den 32jährigen Iren.Doch der ist nicht nur der zweite Mann bei Ferrari, mit 32 Punkten liegt er ebenfalls noch ausgezeichnet im WM-Rennen.Nur eine Pole-position oder gar ein Grand-Prix-Sieg war ihm noch nicht vergönnt.Allein in den zurückliegenden zwölf Rennen fuhr er neunmal in die Punkteränge.

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