Sport : Psychologie via Fernseher

Union auf der Suche nach der Sicherheit vorm Tor

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Union schaufelt sich frei. Über 400 Freiwillige befreiten am Sonntag die Alte Försterei von Schnee und Eis. Auch heute muss wieder geschippt werden. Foto: Matthias Koch
Union schaufelt sich frei. Über 400 Freiwillige befreiten am Sonntag die Alte Försterei von Schnee und Eis. Auch heute muss wieder...Foto: Matthias Koch

Berlin - Um acht Uhr morgens waren am Sonntag über 400 Freiwillige gekommen. Fleißig befreiten sie die Wege, Treppen und Tribünen des Stadions für das Heimspiel am Montagabend gegen den Karlsruher SC (20.15 Uhr, live bei Sport 1) vom Winter. Für den Platz ist die Rasenheizung zuständig, für die Zugänge drumherum der Bezirk. Es war eine Reminiszenz an den Umbau der Alten Försterei, bei dem die Fans des 1. FC Union eine immense Eigenleistung erbracht hatten.

Unions Trainer Uwe Neuhaus war zuletzt nicht so viel draußen, er hat einige Zeit vor dem Fernseher verbracht. Dabei gehörte das Studium einer ganz bestimmten DVD zu seinen bevorzugten Aktivitäten. Darauf zu sehen sind die vielen Torchancen, die seine Mannschaft in der laufenden Zweitligasaison erarbeitet und – vor allem – vergeben hat. Denn von den vielen Problemen, die der 1. FC Union in dieser Spielzeit angehäuft hat, gehört die mangelnde Offensivkraft zu den schwerwiegendsten. „Die fehlende Sicherheit vor dem Tor lässt sich eben nicht einfach wegzaubern“, sagt Neuhaus.

Aktuell hat seine Mannschaft schon seit drei Ligaspielen keinen Treffer mehr erzielt. Der letzte erfolgreiche Torschuss datiert vom 19. November, als Kapitän Torsten Mattuschka traf. Doch Mattuschka fehlt den Unionern heute ebenso wie ein anderer treffsicherer Mittelfeldspieler: Santi Kolk. Beide sind wie sechs weitere Profis angeschlagen. Die Verletzten sind aber nur ein Teil der Köpenicker Angriffssorgen, der andere ist die allgemeine Abschlussschwäche. Uwe Neuhaus ließ in dieser Woche insbesondere Torschüsse üben und Standards einstudieren. Zudem bediente sich Neuhaus eines psychologischen Tricks. Seinen Spieler zeigte er nämlich nicht die DVD mit den vergebenen Torchancen, sondern einen anderen Zusammenschnitt. Den mit den verwandelten.

Mentale Stärke jedoch kann Neuhaus den Unionern nur bedingt beibringen, auch wenn es gegen einen direkten Tabellennachbarn wie den KSC „immer eine Frage der Nerven“ ist, wie der Coach sagt. „Für beide Teams geht es darum, sich Luft im Abstiegskampf zu verschaffen.“ Damit das klappt, wird am Montagmorgen noch einmal Schnee von den Fans geschaufelt. An ihnen soll es nicht liegen.

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