Sport : Psychologisch im Vorteil

Alba Berlin bestreitet heute in Zagreb das wichtigste Saisonspiel

Helen Ruwald

Zagreb. Wenn ein Basketballer, der oft verliert, ein Buch liest über einen Basketballer, der noch öfter verliert, dürfte ihn das nicht sonderlich aufbauen. Doch Kevin Rankin vom Deutschen Meister Alba Berlin verfiel auf dem Flug am Mittwochvormittag von Berlin nach Zagreb nicht in Depressionen, trotz der Lektüre von Pat Conroys „My losing Season“ über dessen Niederlagen mit einem US-Collegeteam. Vielleicht hat er den einen oder anderen Tipp entdeckt, wie man optimistisch bleibt nach acht Niederlagen, die Alba Berlin in den vergangenen elf Spielen einsteckte. „Wir haben eine Chance und den Sieg verdient", sagte Rankin vor Albas entscheidendem Auftritt am Donnerstag (20.30 Uhr) in der Europaliga bei Cibona Zagreb.

Mit einem Sieg würden die Berliner, die das Hinspiel 84:70 gewannen, die Gastgeber vom fünften Platz verdrängen und hätten in den noch ausstehenden Spielen in Pau-Orthez und gegen Barcelona gute Chancen, in die Zwischenrunde einzuziehen. Die ersten fünf der drei Gruppen kommen weiter, außerdem der beste Sechste – doch da hat Alba derzeit die schlechteste Bilanz. Verlieren die Berliner mit mehr als 14 Punkten Unterschied, sind sie ausgeschieden. Dann spricht der direkte Vergleich für die Kroaten. Bei einer weniger deutlichen Niederlage ist das Aus rechnerisch noch abzuwenden, praktisch jedoch kaum. „Das ist das bisher wichtigste Spiel der Saison", sagt Aufbauspieler Mithat Demirel. Die Brisanz der Partie ist allen klar, entsprechend ruhig verhielt sich die Reisegruppe im Flugzeug. „Dieses Spiel ist ein Geschenk für uns", sagte Centerspieler Jovo Stanojevic. Weil Alba wieder aus eigener Kraft weiterkommen kann.

Bei Deutschlands Länderspielsieg am vergangenen Wochenende gegen Kroatien (81:73) standen sich Zagrebs 20-jähriger Spielmacher Zoran Planinic und Mithat Demirel gegenüber. „Er kam danach zu mir und sagte: ,gutes Spiel’", erzählt Demirel, „dieser Sieg ist psychologisch schon ein Vorteil für mich.“ Damit er auch mit Alba wieder häufiger siegt, arbeitete Kotrainer Burkhardt Prigge auch über den Wolken. Am Laptop brachte er seine Aufzeichnungen über die nächsten Gegner auf den neuesten Stand. Prigge war mit Ludwigsburg und Pau-Orthez beschäftigt, den Teams, gegen die Alba am Sonnabend und kommenden Mittwoch antritt. Über Cibona Zagreb hatte der Kotrainer längst alle Informationen zusammengetragen. Jetzt müssen die Spieler sie nur noch nutzen – und die Flugzeuglektüre über Basketballer, die verlieren, schnell vergessen.

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