Sport : Psychologisches Signal Dresden und Riesa sind trotz Flut WM-Spielorte

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Vor der Semperoper laufen Spaziergänger, auf der Elbe liegt ein Schiff, der nächtliche Zwinger ist angestrahlt. Die Fotos sind auf der Homepage der heute beginnenden Volleyball-WM der Frauen zu finden ( www.volleyball2002.de ). Zum Spielort Dresden heißt es dort: „Die Stadt ist in ein gut funktionierendes Netz von Autobahnen, Fernstraßen und Bahnlinien eingebunden. Der öffentliche Personennahverkehr mit Bus, Straßenbahn und S-Bahn funktioniert hervorragend.“

Dresden? War da nicht was? Von Hochwasser und Zerstörungen erfährt der Leser nur, wenn er in der Rubrik „Berichte“ 27 Meldungen zurückgeht. In der englischen Version steht die Mitteilung, dass Dresden wie auch Riesa trotz der Flut WM-Spielort bleibt, immerhin auf der Startseite. „Wir wollen mit unserer Entscheidung für Dresden und Riesa ein psychologisches Signal für die betroffenen Menschen setzen“, sagte Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), „die Volleyball-WM dient als moralische Schubkraft für den neuen Wiederaufbau Ost.“ Die WM-Favoriten Russland und USA, außerdem Argentinien, China, die Dominikanische Republik und Kenia bestreiten in Dresden mindestens ein Vorrundenspiel der Gruppe C. Täglich findet hier ein Spiel statt, zwei werden in Riesa ausgetragen. Alle Mannschaften wohnen in Riesa und müssen rund 60 Kilometer auf beschädigten Straßen nach Dresden pendeln.

Von Moltke hatte erwogen, Dresden als Spielort wegen zu langer Anfahrtszeiten zu streichen. Doch Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg bat inständig darum, an Dresden festzuhalten: „Die WM wird die beste Gelegenheit, der Weltöffentlichkeit zu zeigen, dass die Dresdner sich nicht ihrem Schicksal ergeben, sondern den Wiederaufbau tatkräftig in die Hand nehmen.“

Von Moltke wandte sich gar an Verteidigungsminister Peter Struck und bat, dass die Teams mit Bundeswehrhubschraubern nach Dresden geflogen würden. Das Verteidigungsministerium lehnte wegen des „Vorrangs der Hilfe für die Flutopfer“ ab. Stattdessen werden die Mannschaftsbusse von einer Polizeieskorte begleitet. Maximal eineinhalb Stunden soll die Fahrt dauern. Falls die Spielerinnen Zeit haben, bummeln zu gehen, werden sie allerdings feststellen, dass die Stadt nicht ganz so aussieht wie auf der Hompage der WM.Helen Ruwald

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