Public Viewing : Brüder, zur Sonne, zum Fußball!

Seit der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren ist Fußballgucken nicht mehr nur was für Freaks. Auch die EM 2008 wird die große Zeit des Public Viewing. Die besten Orte stellen wir hier vor.

André Görke
public viewing Foto: dpa
Wo gucken Sie? Zur Not genügt ein Fernseher im Freien, wie hier am "Oststrand". -Foto: dpa

Waren das schreckliche Zeiten: Früher saßen wir mit den tapferen Kumpels im abgedunkelten Wohnzimmer und starrten beim Pils stumpf auf einen Mini-Fernseher, in dem Fußball lief. Spätestens seit der WM 2006 ist alles anders. Seither ist Fußballgucken nicht mehr nur was für Freaks. Und weil es am meisten Spaß macht, gemeinsam und entspannt die EM mitten in der Stadt zu gucken, haben wir die besten Orte gesucht, wo man die Spiele verfolgen kann (Und wenn wir während der EM neue tolle Orte entdecken, verraten wir sie hier an dieser Stelle).

Haben auch Sie einen guten Tipp? Dann mailen Sie uns: 11freunde@tagesspiegel.de


DAS EM-QUARTIER VON 11 FREUNDE UND TAGESSPIEGEL

Frisch gepflanzt ist der Rasen, das Bier kalt gestellt, die Tribüne aufgebaut. Und auch die 500 Stühlchen sind herangekarrt: Promis aus Musik und Fußballbranche schauen in der neuen Location „Fuhrpark“ vorbei (gleich neben der Arena), die Stimmung ist gewohnt launig-leidenschaftlich, sonnig und entspannt (und frei von Riesenbespaßung und Schnitzelteller). Wer mal keine Lust auf EM-Spiele hat, bitte: Man kann in der Abendsonne Drinks zu sich nehmen, auf der Wiese nebenan die besten EM-Szenen nachspielen oder den DJs von Radio Fritz lauschen. Auch schön: Nebenan befindet sich das „Badeschiff“. Man kann also seinen Freund im „EM-Quartier“ abgeben und so lange schwimmen gehen. Und wenn's regnet? Dann kann man die Spiele auf zehn großen Bildschirmen gucken.

Treptow, direkt an der Bezirksgrenze zu Kreuzberg. Fuhrpark, Flutgraben Ecke Puschkinallee. Eintritt frei. Täglich ab 17 Uhr. Wie man hinkommt? Mit der U-Bahn (Schlesisches Tor) oder mit der S-Bahn (Treptower Park) – jeweils sieben Minuten Fußweg.www.arena-berlin.de


DAS EM-FEST VON RADIO EINS UND TAGESSPIEGEL
Wir laden nicht nur in unser EM-Quartier, sondern auch in die Friedrichstraße, wo „Radio Eins“ gemeinsam mit dem Tagesspiegel den Admiralspalast bespielen wird. Auf allen Bühnen werden täglich die EM-Spiele gezeigt, die Spiele der Deutschen sowie die Finalrunde im großen historischen Theatersaal. Im Hof erwartet die Gäste zudem das EM-Studio von Radio Eins: eine Lounge mit Leinwand, Bar und schattiger Chill-out-Zone. Der Krawattenknoten darf täglich eine Stunde vor Anpfiff gelockert werden, am Sonnabend um 17 Uhr geht es los. Der Eintritt ist auch hier frei.

Mitte, Admiralspalast, Friedrichstraße 101, direkt am S- und U-Bahnhof, www.admiralspalast.de


FÜR JUNGE FILMFANS
Das Fanprojekt Berlin ist – tapfer, tapfer! – in die Alpenländer gereist und löst dort knifflige Fragen der Fans („Habt ihr kaltes Bier?“ – „Tickets?“ – „Könnt ihr meinen Kumpel aus dem Knast holen?“). Auch um die Fans in Berlin kümmern sie sich, laden in die Lounge des Hostels Baxpax. Mit Kickertisch, Barbecue sowie einer Leinwand auf der kleinen Dachterrasse (100 Leute). Der Verein „Brot und Spiele“ zeigt Fußballkurzfilme. Eintritt frei.

Mitte, Downtown Baxpax Hostel, Ziegelstr. 28, www.fanprojekt-berlin.de


FÜR DAMPFERFREUNDE
Der Name ist etwas verkopft ("Champions to sea"), die Idee klingt aber ganz lustig: Auf dem Dampfer das EM-Spiel der Deutschen gucken, quer durch Berlin an den Sehenswürdigkeiten vorbeischippern und das ganze dann die "längste Fanmeile Berlins" nennen. Los geht es um 17.45 Uhr (pünktlich, denn um 18 Uhr ist Anpfiff!) an der Hansabrücke und am Berliner Dom; die Fahrt dauert dreieinhalb Stunden und endet dort, wo man gestartet ist. Eintritt: 10 Euro. Erst einmal fährt der Kapitän nur bei den Spielen der Deutschen.


FÜR ABGEROCKTE

Die vielleicht beste Fußballbar am Ku’damm war während der WM das „Fritznielsen“ von, genau, Fritz und Niels. Lange stand sie leer, jetzt kehrt sie zurück – ausnahmsweise und nur einen Monat lang. Der charmant-abgerockte Laden über dem Güterbahnhof Halensee bietet 120 Fans Drinks, Großbildleinwand und DJs, allerdings nur drinnen. 

Charlottenburg, Fritznielsen, Ku'damm 129a.

FÜR ABGEZOCKTE
Das „Café King“ ist Treffpunkt der vielen kroatischen Fans. Der Ku’damm ist gleich um die Ecke, ideal für einen Autokorso. Kleiner Tipp: Sprüche wie „Der Schiri ist doch gekauft!“ in diesem Laden vermeiden. Löst nur hektisches Handyzücken aller Umstehenden aus. Außerdem ist Robert Hoyzer nicht mehr Stammgast.

Charlottenburg, Café King, Rankestraße 23, www.cafe-king.de


FÜR ITALIENER, SCHWEIZER, TÜRKEN...
Hier jubelt der Italiener: Neben der "Osteria No. 1" (Kreuzberg, Kreuzbergstr. 71, Tel.: 786 91 62) steht ein Zelt für 600 Fans, in dem alle EM-Spiele gezeigt werden (die italienischen mit italienischem Kommentar). Hier jubelt der Schweizer: In der Fußball-EM-Lounge „Kanton Dummy“, organisiert vom Magazin Dummy (Mitte, Max-Beer-Str. 37 Ecke Schendelgasse, nahe Rosa-Luxemburg-Platz). Die Türken jubeln eigentlich in der ganzen Stadt (zum Beispiel in den vielen Klubhäuser der türkischen Vereine, etwa in der Adalbertstraße 37 bei Türkiyemspor am U-Bahnhof Kottbusser Tor). Und die Engländer jubeln, ach quatsch!, gucken nur zu im „Oscar Wilde“ (Mitte, Friedrichstraße 112a).


FÜR PORTUGIESEN, TSCHECHEN ...
Portugiesiche Fans gucken im "Galao A Pastelaria" (Weinbergsweg 8, Mitte, nahe U-Bahnhof Rosenthaler Platz). Publikum ist jung, entspannt, ideal für Fans, die keine Lust haben auf kernige Sprüche und Fußballstammtischanalysen.  Auch die tschechische Botschaft lädt am 11. Juni ein - es gibt böhmisches Bier und Gulasch in der Wilhelmstraße 44 in Mitte. Krawattenzwang? Nein. Dafür aber Anmeldung nötig unter veranstaltungen_berlin@embassy.mzv.cz

FÜR AUTOLIEBHABER
In der Mercedes-Welt am Salzufer (nahe S-Bahnhof Tiergarten) gibt’s leckeres Essen im „Weissgold“, in der Halle wird eine Leinwand für bis zu 2000 Fans aufgebaut. Musik wird auch gespielt, und wenn der Fußball mies ist, kann man Oldtimer angucken oder durch den Tiergarten spazieren (Charlottenburg, Salzufer 1). Franzosen hingegen zieht’s eher in die „Peugeot Avenue Berlin“ (Mitte, Unter den Linden 62 - 68). Das „Café de France“ bietet landestypische Speisen an.


FÜR VÄTER UND NACHWUCHS
„Männer haben auch mal ihre Tage.“ So lautet das Motto im Väterzentrum Berlin. Dort gibt es Bio-Döner, Bionade für 1 Euro und Pils für 1,50 Euro – und während der Papa Fußball guckt, können Mama und der Nachwuchs an der Carrerabahn spielen, sich beim Tipp-Kick versuchen oder auch im kindgerechten Nebenraum spaßige Videofilme angucken.

Prenzlauer Berg, Marienburger Str. 28, Telefon 2838 9861; www.vaeterzentrum- berlin.de; Eintritt frei

FÜR BREMER
Die Exilgemeinde der Fans von Werder Bremen trifft sich traditionell zum Fußballgucken im „Alois S.“ – die Tapasbar zieht mit ihren Leinwänden wie schon zur WM um ins ehemalige Umspannwerk „Humboldt“. Traditionell Fußball geguckt wird auch im „EM-Club Tante Käthe“, benannt nach dem Ex-Bremer Rudi Völler.

Prenzlauer Berg, Torfabrik Alois S.; Kopenhagener Str. 58 – 61; www.aloiss.de. Wedding, EM-Club Tante Käthe, Bernauer Str. 63-64. www.tante.kaethe-com.


FÜR FAMILIENROCKER
In der Zitadelle Spandau läuft nicht nur Rockmusik in diesem Sommer, sondern auch ständig der Fernseher (außer am 10. und 19. Juni, da spielen nebenan Rage Against The Machine und die Chemical Brothers). Sonntags steht in den sonnigen Höfen ein Fußballfamilienfest an. Zum Finale kommt übrigens P.R. Kantate. Wer es lieber eine Runde kleiner mag, fährt eine U-Bahnstation weiter in die Altstadt und trinkt süffiges Bier im Brauhaus Spandau.

Spandau, Zitadelle, Am Juliusturm; Brauhaus, Neuendorfer Straße 1

FÜR KULTURFREUNDE
In den Höfen der Kulturbrauerei rollt wie immer der Ball auf einer Leinwand. Nach den Deutschlandspielen wird im „Club23“ weitergefeiert. Sollte das Wetter nicht mitspielen, werden die Hallen geöffnet. Eintritt bei Deutschlandspielen und in der Finalrunde kostet drei Euro.

Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 36, Gebäude 7.1.


FÜR BIERGARTENFREUNDE
Der Biergartenstammkader steht auch diesmal: Traditionell Fußball geguckt wird im „Golgatha“ (Kreuzberg, Viktoriapark), „Pfefferberg“ (Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 176), „Prater“ (Prenzlauer Berg, Kastanienallee 7-9) oder auch im „Loretta am Wannsee“ (am S-Bahnhof Wannsee). Kleiner Tipp: Mit dem Dampfer nach Wannsee reisen, Flair wie beim Auswärtsspiel. Schön und schattig: Der „Schleusenkrug“ in Tiergarten – drei Leinwände, inklusive lustiger Geräusche und Gerüche aus dem Zoo. Überall Eintritt frei.


FÜR SOMMERPAUSENGEPLAGTE
Jeder Klub hat seine Fankneipe – und dort werden den Vereinsangestellten der anderen Nationen die Daumen gedrückt: Ob im „Kreuzkeller“ (Hertha BSC, Kreuzberg, Yorckstraße 17), in der „Schwalbe“ (1. FC Köln, Prenzlauer Berg, Stargader Straße 10), im „Avelance“ (Hamburger SV, Prenzlauer Berg, Danziger Str. 61), im „Frankenstüble“ (1. FC Nürnberg, Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 125) und und und… Fankneipen findet man im Netz unter: www.sportkneipe.de.


SONNIG ODER SCHATTIG
Sonnencreme sollte niemand am Bundespressestrand (Mitte, Kapelle-Ufer 1) vergessen. Wer 95 Euro übrig hat, kann auch gleich ein Kärtchen für die EM-VIP-Lounge erwerben. Schöne Aussichten im „Weekend“: Alle Spiele werden auf der Dachterrasse im 15. Stock gezeigt. (Mitte, Alexanderstr. 7). Und im „Rotter Sport Casino“ des LFC am Stadion Lichterfelde gibt es einen Grill samt großem, schönem Biergarten. PS: Im Stadion trainierten die Brasilianer während der WM (Lichterfelde, Ostpreußendamm 3-17). Und wer draußen, aber lieber unter schattigen Linden sitzen will, hier ist hier richtig: Im "Weihenstephaner" am S-Bahnhof Lichterfelde-West steht eine große Leinwand, es gibt 320 Sitzplätze und bayrisches Bier. Und auch das "Brauhaus Südstern" an der Hasenheide 69, Kreuzberg, lädt ein - Leinwand und Fernseher sind im Dauereinsatz, geguckt wird im Biergarten


FÜR SPORTLICHE
In der Nalepastraße gibt es nicht nur Skandale, sondern auch ein neues Areal: den Funkpark. Da kann man prima am Ufer der Spree in der Sonne liegen, Fußball gucken, die Kleinen aufs Trampolin schicken und vor dem Spiel Volleyball spielen (Köpenick, Nalepastraße 10 - 16, www.funkpark-berlin.de). Noch ein Tipp: Das Zeltlager „Tentstation“ lädt zum gemeinsamen Fußballgucken ein – wer will, kann im alten Schwimmbecken Volleyball spielen oder ins alte Poststadion klettern (das haben wir aber nie, nie verraten).

Mehr Fußballpartys finden Sie ab Sonnabend täglich in unserem Magazin „11 Freunde“, das dem Tagesspiegel beiliegt.

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