• Public Viewing mit Tagesspiegel und 11 Freunde: Mit Jürgen Trittin auf dem Sonnendeck

Public Viewing mit Tagesspiegel und 11 Freunde : Mit Jürgen Trittin auf dem Sonnendeck

Deutschland in Friedrichshain: Was 11Freunde- und Tagesspiegel-Autor Lucas Vogelsang beim Australien-Spiel während des Public Viewings in unserem WM-Quartier erlebte.

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Und die Hände zum Himmel. Foto: ddp
Und die Hände zum Himmel.Foto: ddp

Auf den Holzbänken neben einer Bretterbude, die aussieht, wie man sich eine Westernstadt in der Lüneburger Heide vorstellt, liegen und sitzen noch ein paar Übriggebliebene vom Grill-Weltrekord einer Whiskey-Marke. Nach 29 Stunden Nackensteak, nach den ersten sieben Spielen dieses Turniers, die eher Lust auf weniger gemacht haben und nur für jene Puristen erträglich gewesen sein können, die im Steakhaus auf die Frage: „Wie möchten Sie Ihr Steak?“ gerne „zäh“ antworten, legt sich nun ein erhabenes WM-Gefühl über das Astra Kulturhaus, was ja ganz gut ist für so ein WM-Quartier.

Gleich ist Deutschland. Der Himmel ist aufgerissen, das Publikum trägt jetzt bunte After-Hour-Sonnenbrillen, die Boxen treiben Sommermusik in die Menge. Der Countdown auf der Leinwand zeigt: Noch 48 Minuten bis zum Anpfiff, auf den Tribünen sind nur noch wenige Plätze frei, Fahnen treiben im Aufwind zaghafter Euphorie, junge Frauen haben sich das Sommermärchen ins Gesicht geschminkt, tragen Jamiroquai-Hüte in Deutschland-Optik. Zwischen den Mauern herrscht eine Stimmung irgendwo zwischen Kirmes, Fußballstadion und Dampferfahrt.

So kurz vor dem Anpfiff rückt die Menge zusammen. Ist ja auch Public Viewing: Allein in der Masse, aber gemeinsam für die Sache. Oder so ähnlich. Die letzten Voraussagen werden ausgetauscht. „8:0“, sagt einer, erntet Schulterklopfer und ein halbes Bier. Die Zuversicht hat Schluckauf, ist aber greifbar. Unter den Graffitigemälden von Fritz Walter und Rudi Völler stehen jetzt Kuranyi und Klose Arm in Arm und warten auf die Hymne. Matthäus ist auch da, aber nicht der echte. Jürgen Trittin ist grad schon wieder weg. Also der echte. Er war kurz Stargast, kam mit federndem Schritt, sprach von Özil, nicht von Gauck und hat natürlich auch getippt. Auf einen Sieg der deutschen Mannschaft. Die bunten Sonnenbrillen haben geklatscht. Es ist nicht der Tag für kritischen Polittalk. Gleich ist Deutschland. Wenn wir gewinnen, dann sind wir auch wieder wer. Und auch der Himmel bleibt Deutschland-Fan, er leuchtet hinter den Mauern des Astra-Stadions. Ausverkauft. Anpfiff. Mehrstimmiger Jubel. Nur eine Vuvuzela. Die WM ist in der Stadt.

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