Sport : Punkt gewonnen, Punkt verloren

Handballerinnen erreichen bei der WM ein dramatisches 30:30 gegen Ungarn

Erik Eggers

Dijon - Bundestrainer Armin Emrich schnaufte tief durch, und dann schüttelte er immer wieder den Kopf. Diese 60 Minuten hatten Nerven gekostet. Es war hin und her gegangen im WM-Zwischenrundenspiel zwischen den Handballerinnen aus Deutschland und Ungarn, die knapp 3000 Zuschauer in Dijon hatten diesen Kampf auf hohem Niveau begeistert verfolgt. Zum Schluss jubelten allerdings nur die Ungarinnen ausgelassen, denn obwohl Deutschland vierzig Sekunden vor Schluss in Ballbesitz war und mit einem Tor führte, glich Ungarn noch aus: Zuerst scheiterte Grit Jurack an der ungarischen Torfrau Palinger, dann warf die ungarische Kreisläuferin Szamoransky das 30:30 (14:17). Emrich sprach später von „zwei Mannschaften auf Augenhöhe“ und einem „verdienten Unentschieden“. Vor der heutigen Partie gegen Polen (18.30 Uhr, live bei Eurosport) hat das deutsche Team trotzdem bereits das Viertelfinale am Mittwoch erreicht, weil anschließend Spanien gegen Rumänien 19:32 unterlag.

Die deutsche Mannschaft begann furios und führte nach Toren von Nina Wörz und Steffi Melbeck schnell mit 2:0. Aber die Ungarinnen konterten unbeeindruckt; vor allem ihre beste Individualistin, die Aufbauspielerin Anita Görbicz (acht Tore), setzte große Akzente. Im Rückraum hingegen leistete sich Linkshänderin Jurack zu viele Fehlwürfe, und an der Welthandballerin Nadine Krause lief das Spiel völlig vorbei. Zwar führte Deutschland nach einem Zwischenspurt mit 9:7, lag aber dann, als die Abwehr zunehmend ungeordneter war, 12:15 und zur Pause 14:17 hinten.

Im zweiten Abschnitt glich sich das Bild: Die deutschen Frauen leisteten sich einfach zu viele technische Fehler. Einzig Torfrau Clara Woltering, die nach der Pause für Sabine Englert kam, war es zu verdanken, dass die Ungarinnen nicht schon entscheidend davonzogen. Und doch schien die Partie nach Görbicz’ Siebenmeter zum 28:24 für Ungarn in der 50. Minute schon verloren.

Aber Deutschland kam zurück, warf sechs Tore in Folge und führte 120 Sekunden vor Schluss mit zwei Treffern – auch weil sich nach drei vergebenen Siebenmetern (Jurack, Krause, Loerper) nun mit Reiche endlich eine sichere Werferin beim Strafwurf gefunden hatte. Umso bitterer der Ausgleich. „Heute denke ich, es war ein verlorener Punkt“, sagte Nora Reiche, die ihr Team mit fünf Toren in der zweiten Halbzeit wieder ins Spiel zurückgebracht hatte, „aber morgen denke ich bestimmt anders darüber.“ Erik Eggers

0 Kommentare

Neuester Kommentar