Sport : Punktgewinn auf dem Inselgrün Überraschender Auftakt: USA führen im Ryder Cup

Petra Himmel

Louisville - Es braucht ein wenig Zeit, um in der Geschichte des Ryder Cup einen Tag zu finden wie diesen. 5,5 zu 2,5 ging das Team der USA zum Auftakt des Wettbewerbs gegen Europa auf dem Platz des Valhalla Golf Club in Louisville/Kentucky in Führung. Einen so hohen Vorsprung haben die Amerikaner zuletzt 1979 in Greenbrier gehabt.

Nick Faldo, der Kapitän Europas, durchlebte am Freitag am Fairwayrand einen durchwachsenen Tag. Sowohl beim Klassischen Vierer am frühen Morgen als auch beim Vierball-Bestball nachmittags startete sein Team erst einmal furios, führte in sieben von insgesamt acht Matches. Die Erfolgs-Maschinerie der vergangenen Jahre schien wieder zu funktionieren. Dann aber schlossen die Amerikaner auf, gingen in Führung, gewannen vier Matches, teilten drei und gaben nur einen einzigen Punkt ab. „Ich habe ein paar Mal gedacht: Mann, wir sind hinten, was machen wir?“ resümierte der US-Kapitän Paul Azinger am Abend. Doch über sein Team, das mit sechs Ryder Cup-Neulingen vergleichsweise unerfahren ist, musste er sich nicht sorgen.

Der Erfolg der US-Riege war keineswegs in schlechtem Spiel der Europäer begründet, sondern beruhte auf einer exzellenten eigenen Vorstellung. Der in den vergangenen Jahren oftmals so unharmonisch wirkende Trupp von Einzelgängern hat sich zu einer Mannschaft gewandelt. Die fehlende Motivation vergangener Tage ist in Spaß am Spiel umgeschlagen.

Keinem ist dies so deutlich anzumerken wie Phil Mickelson. Unlustig und unter seinen Möglichkeiten spielte er in den vergangenen sechs Jahren. Doch am Freitag lieferte er brillante Lobshots, setzte den Ball aus dem Bunker über einen Wassergraben zwei Meter neben das Loch auf einem Inselgrün. Mit dem 23-jährigen Anthony Kim, aggressiv und strotzend vor Selbstvertrauen wie Mickelson, hat er den perfekten Partner gefunden. Sowohl gegen Padraig Harrington/Robert Karlsson als auch gegen Harrington/Graeme McDowell lagen sie drei down zurück – am Ende holten sie 1,5 Punkte.

Zum Sieger des Tages avancierte Justin Leonard, dem Azinger den Neuling Hunter Mahan an die Seite gegeben hatte. Das Duo holte zwei Punkte aus zwei Matches und war dabei weder beim 3&2 gegen Henrik Stenson/Paul Casey noch beim 4&3 gegen Sergio Garcia/Miguel Angel Jimenéz jemals gefährdet.

Der erfolgsverwöhnte Spanier Sergio Garcia, der im Vierer bislang als nahezu unbesiegbar galt, erlebte am Freitag sein erstes Ryder-Cup-Fiasko – mit der Bilanz von nur einem halben Punkt aus zwei Vierer-Matches. „Das ist alles eine Neuheit“, bekannte sein Kollege Lee Westwood, der wie Ian Poulter und Justin Rose am Freitag immerhin einen Punkt zum Ergebnis beisteuern konnte. „Das hier ist nicht die Position, in der wir sein wollten.“

Doch vorbei ist der Ryder Cup nach dem überraschenden Auftakt noch lange nicht. Selbst 1995 in Oak Hill, als Amerika nach dem ersten Tag mit 5:3 führte, gewannen am Ende die Europäer. „Teil des Ryder Cups ist der Wille“, sagte Faldo. „Amerika hat heute toll gespielt, aber ich bin sicher, mein Team schlägt morgen zurück.“ Petra Himmel

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