Sport : Putin, Rumsfeld, Irving

Weltweit regt sich prominenter Widerstand gegen den Olympia-Ausschluss der Ringer.

Berlin - Selbst Wladimir Putin zürnt inzwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Russlands Präsident macht gegen die Pläne mobil, Ringen aus dem Olympia-Programm zu streichen. Die Funktionäre begegnen der weltweiten Empörung bislang mit Schweigen. IOC-Präsident Jacques Rogge und sein Kabinett beharren auf ihrer Darstellung, diese Reaktionen erwartet zu haben. Zumindest der Ringer-Weltverband (Fila) hat reagiert und personelle Konsequenzen gezogen. Der umstrittene Fila-Präsident Raphaël Martinetti ist nach einem Misstrauensvotum im thailändischen Phuket zurückgetreten, Russlands Legende Alexander Karelin rückte ins Führungsgremium auf, der Weg für die überfälligen Modernisierungsmaßnahmen scheint frei. Bei einem außerordentlichen Kongress im Mai in Moskau soll die Fila-Spitze neu aufgestellt werden.

Schon in den kommenden Tagen soll auf Putins Anregung ein Komitee zusammenkommen, um die Krisensituation im Ringen zu analysieren. Russlands Sportminister und alle drei russischen IOC-Mitglieder sollen der Gruppe angehören. Mit Hilfe von Marketingagenturen will die Fila eine Strategie erarbeiten, mit der die olympische Familie von der Olympia-Tauglichkeit des Traditionssports überzeugt werden kann. Die IOC-Vollversammlung muss im September in Buenos Aires endgültig beschließen, ob Ringen seinen Olympia-Status verliert.

Als der umstrittene Martinetti in Phuket gefragt wurde, was zu der überraschenden IOC-Empfehlung geführt habe, sei der Schweizer aufgestanden und gegangen, berichteten Augenzeugen. „Unser Sport kann jetzt wieder ein unbelastetes Verhältnis zum IOC aufbauen und sich mit einigen dringenden Herausforderungen und Chancen des Ringens befassen“, kommentierte US-Verbandschef Rich Bender Martinettis Abwahl. Der olympische Überlebenskampf vereint nicht nur die betroffenen 177 Mitgliedsverbände. „Das IOC steht schon seit einigen Jahren unter Beschuss wegen unzureichender Transparenz“, schrieb der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in der „Washington Post“. Rumsfeld war früher selbst Ringer und hatte vergeblich versucht, sich für Olympia 1956 zu qualifizieren. Der renommierte Schriftsteller John Irving, ebenfalls passionierter Ringer, mahnte in der „New York Times“ an: „Wir brauchen eine neue Führung im Weltverband und mehr Transparenz und Verantwortungsgefühl vom IOC.“ dpa

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