Qualifikation für Paralympics 2016 : Welche Teams sind in Rio dabei?

Das Ziel ist klar: Bei den Paralympics im September in Rio dabei zu sein. Einige der deutschen Teams haben die Qualifikation bereits geschafft, andere nicht. Hier unser Überblick:

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Die Rollstuhlbasketballerinnen haben die Qualifikation für Rio geschafft. Hier ein Bild von der EM 2013 Damen Vorrundengruppe A Deutschland gegen Frankreich am 29 Juni 2013 in der Eissporthalle in Frankfurt am Main.
Die Rollstuhlbasketballerinnen haben die Qualifikation für Rio geschafft. Hier ein Bild von der EM 2013 Damen Vorrundengruppe A...Foto: picture alliance / dpa

Das paralympische Jahr ist gestartet: Vom 7. bis zum 18. September treffen sich in Rio de Janeiro in Brasilien die besten Behindertensportler der Welt, um Medaillen zu gewinnen. Doch wie steht es um die deutschen Nationalmannschaften? In welcher Sportart kann man „Team Germany“ sicher zujubeln? Wer hat noch Chancen, sich zu qualifizieren? Wer wird auf keinen Fall dabei sein?

Qualifiziert sind:

Rollstuhlbasketball Frauen: Souverän und ohne Probleme konnten sich die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen bei der Europameisterschaft im englischen Worcester für Rio qualifizieren. Gegen die favorisierten Niederländerinnen holten sie sogar den EM-Sieg. Vieles spricht dafür, dass sie nun auch den Paralympics-Titel von London 2012 verteidigen könnten. Doch Trainer Holger Glinicki hatte unmittelbar nach dem Erfolg im Tagesspiegel gewarnt: „Holland ist weiter die stärkste Nation für mich. Und auch Kanada, Großbritannien, die USA und Australien bewegen sich mit uns oben auf einem Level.“

Rollstuhlbasketball Männer: Auch die Männer um Bundestrainer Nicolai Zeltinger arbeiteten bei der EM in Worcester konsequent an ihrem Rio-Traum, ein Platz unter den besten vier Teams musste dafür her. In der Vorrunde gab es nur Siege, unter anderem gegen den späteren Europameister aus Großbritannien. Im Halbfinale verlor man dann zwar gegen die Gastgeber, konnte sich gegen die Niederlande aber immerhin Bronze sichern – ein großer Erfolg für die junge Mannschaft. Zeltinger, der seinen erweiterten Paralympics-Kader schon benannt hat, ist mit Blick auf Rio sicher: „Die Jungs fangen erst an, zu gewinnen.“

 

Sitzvolleyball Männer: Einen regelrechten Krimi um das Rio-Ticket erlebten die deutschen Sitzvolleyballer bei der Heim-Europameisterschaft im nordrhein-westfälischen Warendorf: Im Halbfinale lag das deutsche Team im entscheidenden Tie-Break schon mit fünf Punkten zurück, startete dann mit der Unterstützung zahlreicher Fans aber eine Serie und siegte am Ende nach Sätzen mit 3:2. Das Erreichen des Finals sicherte auch die Teilnahme an den Paralympics, wenngleich die Mannschaft von Rudi Sonnenbichler dort gegen Bosnien-Herzegowina deutlich mit 0:3 unterlegen war. Um den übermächtigen Seriensieger und Paralympics-Titelverteidiger in Rio zu bezwingen, sagt Spieler Alex Schiffler, „müssen wir aber noch etwas wachsen.“

 

Goalball Männer: In Peking 2008 und in London 2012 waren die deutschen Goalballer nicht für die Paralympics qualifiziert. Dass es nun mit Rio geklappt hat, ist viel mehr als eine Sensation, sagt Nationaltrainer Johannes Günther. Er hat die Mannschaft 2010 in der „zweiten Liga“ mit dem Ziel übernommen, 2020 in Tokio bei den Paralympics dabei zu sein.

Dank der guten Nachwuchsförderung klappt das nun früher: Bei den World Games im Mai wurde das junge Team Fünfter, als drei Rio-Startplätze verteilt wurden. Die Türkei als Europameister war bereits sicher qualifiziert, und als China Mitte November Asienmeister wurde, rückte Deutschland nach einem halben Jahr der Ungewissheit auf den dritten Quali-Platz nach.

In Brasilien werden die Deutschen zwar Außenseiter sein, aber alles andere als chancenlos, sagt Günther: „Unser Minimalziel ist das Viertelfinale – und wenn man da gewinnt, hat man ja zumindest schon ein Medaillenspiel um Bronze sicher.“

Noch unsicher:

Rollstuhlrugby Mixed: Rang elf bei der Weltmeisterschaft 2014 in Dänemark mit nur einem Sieg, ein starker vierter Platz bei der Europameisterschaft 2015 in Finnland: Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft hat sich auf dem Weg nach Rio vermutlich rechtzeitig stabilisiert, um über die letzte Möglichkeit doch noch nach Brasilien zu dürfen.

Durch den Erfolg bei der EM verbesserte sich das Team von Trainer Christoph Werner nämlich auf Rang neun der Weltrangliste und spielt vom 16. bis 22. April um die zwei restlichen Startplätze für die Paralympics. Gegner in Paris werden Gastgeber Frankreich, der EM-Dritte Dänemark, der EM-Sechste Irland sowie Neuseeland und die USA sein.

Nicht dabei:

Sitzvolleyball-Frauen: Obwohl das Team von Trainer Mats Gerhard durchaus Medaillenambitionen hatte, reichte es bei der Europameisterschaft im slowenischen Podcetrtek nur zu Rang fünf. Zu wenig, um sich im letzten Anlauf doch noch für die Paralympics zu qualifizieren.

Goalball Frauen: Vorrundenaus bei den World Games in Seoul, Gruppenletzter bei der Europameisterschaft im litauischen Kaunas: Die Goalballerinnen verpassten die Paralympics mehr als deutlich. Durch Platz neun bei der EM folgte gar der Abstieg in den B-Pool. Das ist schade, weil im Team deutlich mehr Potenzial vorhanden ist.

CP-Fußball Männer: Cerebralparetiker-Fußball, aus dem Englischen oft auch 7a-side-Fußball genannt, ist in Deutschland eine junge Sportart. Im August 2013 fand das erste Länderspiel statt, bei der Europameisterschaft 2014 in Portugal wurde das Team von Trainer Thomas Pfannkuch Neunter. Weil man in der Weltrangliste nur Rang 20 belegt, verpasste man die WM im vergangenen Jahr und damit auch die Paralympics. Die Entwicklung des jungen Teams ist für die Zukunft aber durchaus vielversprechend.

 

Blindenfußball Männer: Wie 2012 fehlt die deutsche Nationalmannschaft auch in diesem Jahr beim paralympischen Blindenfußball-Turnier. Dabei war Kapitän Alex Fangmann Ende 2014 nach Platz acht bei der Weltmeisterschaft noch positiv gestimmt, dass es reichen würde. Doch die Europameisterschaft in England lief von Beginn an gegen das deutsche Team. Verletzungsbedingte Ausfälle konnten nicht kompensiert werden, am Ende wurde die Mannschaft von Ulrich Pfisterer Sechster, obwohl für einen Rio-Startplatz das Finale Pflicht gewesen wäre.

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