Qualifikation zur EM 2016 : Eine Welt voller Hollands

Es ist an sich kein Wunder, dass ein kleines Land mit 17 Millionen Einwohner die EM verpasst. Das Wunder ist, dass die Niederländer davor vier Jahrzehnte zur Weltspitze gehörten. Ein Kommentar.

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Land in Orange. Hier anlässlich der EM 2008.
Land in Orange. Hier anlässlich der EM 2008.Foto: dpa/Vos

Das Königreich der Niederlande zählt aktuell knapp 17 Millionen Einwohner, ziemlich genauso viele also wie das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen. Trotzdem gelten die Niederlande als europäische Fußballgroßmacht – und ihr Scheitern in der EM-Qualifikation entsprechend als riesige Blamage. In gewisser Weise haben sich die Holländer das selbst zuzuschreiben: Was mussten sie in den vergangenen 40 Jahren auch so erfolgreich sein?

Wenn man die Angelegenheit einmal nüchtern betrachtet, ist es allerdings kein Wunder, wenn ein kleines Land ein großes Turnier verpasst; das eigentliche Wunder ist, dass die Holländer und ihre Elftal seit nunmehr vier Jahrzehnten (mit den üblichen periodischen Schwankungen) stabil zur Weltspitze gehören – weil sie früh erkannt haben, dass man im Fußball fehlende Quantität nur durch größere Qualität wettmachen kann.

Sie waren immer ein bisschen klüger als ihre besser ausgestatteten Konkurrenten. Die Holländer haben dem Rest der Welt gezeigt, wie man auch mit geringen Mitteln bestehen kann: mit einer klaren Idee vom Fußball nämlich, mit stabilen Strukturen und einer überragenden Nachwuchsarbeit.

Das Problem ist, dass ihr Vorbild längst weltweit imitiert wird, dass es inzwischen viele Hollands gibt. Sogar bessere Hollands wie die Schweiz, Österreich oder Island. Man darf sich eben nie auf alten Erfolgen ausruhen, sondern muss sich stets neu erfinden. Das hätten auch die Holländer wissen können – wenn sie beizeiten mal über die Grenze nach Deutschland geschaut hätten.

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