• Qualifikation zur Europa League beim Wolfsberger AC: Borussia Dortmund zu Gast beim österreichischen Heißsporn

Qualifikation zur Europa League beim Wolfsberger AC : Borussia Dortmund zu Gast beim österreichischen Heißsporn

Früher war Dietmar Kühbauer ein Draufgänger, jetzt ist er als Diplomat gefragt: Der Trainer tritt heute mit dem Wolfsberger AC in der dritten Qualifikationsrunde gegen Borussia Dortmund an.

von
Dietmar Kühbauer ist auch als Trainer erfolgreich.
Dietmar Kühbauer ist auch als Trainer erfolgreich.Foto: Imago/Gepa

Am Rand ist Dietmar Kühbauer irgendwie schon immer gewesen. Als Spieler vor allem am Rand der Legalität, wie er selbst sagt. Wenn die Mannschaft des Wolfsberger AC am Donnerstagabend in Klagenfurt in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League Borussia Dortmund empfängt (21.05 Uhr, live im Ticker bei Tagesspiegel.de), steht der 44-Jährige tatsächlich nur noch am Rand des Spielfelds.

Seit September 2013 trainiert der 55-malige österreichische Nationalspieler Kühbauer den WAC. In der vergangenen Saison führte er die Kärntner auf den fünften Tabellenrang und damit erstmals in der Vereinsgeschichte in den Europapokal. Es ist erst seine zweite Trainerstation im Profifußball – zuvor hatte er Admira Wacker Mödling in die Bundesliga und ebenfalls in die Europa League geführt. Doch trotz seiner beachtlichen Erfolge als Trainer eilt ihm noch immer der Ruf des Heißsporns und Draufgängers voraus.

Mit den Trainern und dem Spieler Kühbauer war das immer so eine Sache. Entweder schwärmten sie von ihm, oder sie kamen nicht mit ihm klar. Am meisten geprägt hat ihn eine lebende Dortmunder Legende: Sigfried Held kam Anfang der neunziger Jahre zum österreichischen Erstligisten Admira Wacker Mödling, wo er auf den jungen Mittelfeldspieler traf. „Er war der beste Trainer, den ich je hatte“, sagt Kühbauer. „Er hat auch den Menschen hinter dem Spieler gesehen und nicht versucht, mir meine Aggressivität auf dem Feld zu nehmen, denn die brauchte ich.“

Als Spieler war Kühbauer stets ein Antreiber und Provokateur

Seine erfolgreichste Zeit erlebte er bei Rapid Wien Mitte der neunziger Jahre. Mit Rapid wurde er Pokalsieger, Meister und stand 1996 im Europacup-Finale. So bekannt wie für seine Aggressivität war er auch für seine große Klappe. Als Spieler war er stets ein Antreiber und Provokateur, einer, der gerne einen Scherz macht, um seine Mitspieler bei Laune zu halten, der aber auch keine Gelegenheit ausließ, sich mit Gegnern und Schiedsrichtern anzulegen. Sein damaliger Trainer Ernst Dokupil sagte einmal über ihn: „Wenn du den Kühbauer umbringen willst, musst du die Goschen extra erschlagen.“

Doch manche Schläge steckt auch der größte Kämpfer nicht weg. 1997 starb seine schwangere Frau an den Folgen eines Autounfalls. Kühbauer, dem auch ein Angebot von Hertha BSC vorgelegen hatte, verließ Österreich und ging in die Primera Division zu Real Sociedad San Sebastian. Zwei Schlüsselbeinbrüche warfen ihn zurück, sodass er nach drei Jahren zum Bundesligisten VfL Wolfsburg wechselte, wo er zum Mannschaftskapitän aufstieg. Bis er sich mit Trainer Wolfgang Wolf überwarf, um anschließend seine Karriere bei seinem Heimatverein in Mattersburg zu beenden und bald darauf die Trainerposition einzunehmen.

Einst wollte Hertha BSC den Österreicher verpflichten

In der Arbeit mit schwierigen Spielern sieht er eine seiner Stärken als Trainer. „Mit denen habe ich immer gute Erfahrungen gemacht, weil ich ja selber so einer war“, sagt er. „Meine Spieler wissen, wo sie bei mir dran sind, ich belüge sie nie.“ Diese Ehrlichkeit hat früher häufig dazu geführt, dass er wenig diplomatisch war, sowohl im Umgang mit Schiedsrichtern als auch mit Gegenspielern und Kritikern. „Ich bin schon oft gescheitert, weil ich zu ehrlich war und zu viel wollte. Heute muss ich mich vorsichtiger ausdrücken. Ich haue keinen Spieler in die Pfanne.“

Doch der Ruf von früher ist hartnäckig, auch weil Kühbauer sich erst am vergangenen Wochenende nach der Heimniederlage gegen Austria Wien zum Ligastart wieder über die Leistung des Schiedsrichters aufgeregt hat. „Man darf den Spieler nicht mehr mit dem Trainer vergleichen“, sagt er. Wobei der Spieler ganz nach dem Geschmack des Trainers Dietmar Kühbauer wäre: „Er würde ihn lieben.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben